Nach mehr als 20 JahrenBagdad meldet vollständigen Abzug der US-Truppen

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Einmarsch verlassen die letzten amerikanischen Soldaten den Irak. Bagdad spricht vom "Tag der Unabhängigkeit". Doch die Sicherheitslage bleibt wegen des Iran-Krieges fragil.
Das US-Militär ist nach Angaben aus Bagdad vollständig aus dem Irak abgezogen. Alle US-Kampftruppen und Kräfte zur logistischen Unterstützung hätten das Land verlassen, sagte ein irakischer Regierungsvertreter. Eine offizielle Bestätigung der USA gibt es dafür bisher nicht.
Auf den Abzug hatten sich der Irak und die USA 2024 geeinigt. In vergangenen Jahren waren nach Angaben des Pentagons noch rund 2500 US-Soldaten im Irak stationiert. Zuletzt verblieben sie noch in Erbil in der Kurdenregion, an einem Stützpunkt in Nähe des Flughafens von Bagdad und im Regierungsviertel der Hauptstadt, bekannt als Grüne Zone.
Seit 2014 führten die USA im Irak und in Syrien mit verbündeten Staaten den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). IS-Zellen sind weiter aktiv und verüben vereinzelt auch Anschläge. Doch die sunnitische Terrororganisation hat die großen Gebiete verloren, die sie einst in beiden Ländern kontrollierte.
Mit dem Iran-Krieg hat sich die Sicherheitslage auch im Irak erneut verschlechtert. Washington und Teheran trugen ihren Konflikt dort in den vergangenen Jahren immer wieder aus und standen mehrfach am Rande eines Krieges. Im laufenden Iran-Krieg kam es zu Hunderten Angriffen unter anderem auf US-Einrichtungen und -Soldaten im Irak, aber etwa auch auf Ziele kurdischer Kräfte.
Der Iran und Iran-treue Kräfte dürften den Abzug feiern. Ab Mittwoch, wenn die Frist für den US-Abzug offiziell ausläuft, finden im Irak vier offizielle Feiertage statt. Diese sollen als "Tag der Unabhängigkeit" gefeiert und öffentliche Einrichtungen dann geschlossen bleiben.
Bundeswehr könnte vorerst in Erbil bleiben
Eigentlich sollten die mächtigen, mit dem Iran verbündeten Milizen im Irak parallel zum US-Truppenabzug entwaffnet und in den staatlichen Sicherheitsapparat eingegliedert werden. Der von Ministerpräsident Ali al-Saidi angekündigte Schritt wurde dann aber aufgeschoben und soll nun im Juni kommenden Jahres stattfinden.
2003 waren die USA mit Verbündeten trotz internationaler Kritik im Irak einmarschiert, um den damaligen Machthaber Saddam Hussein zu stürzen. Nach einem Abzug 2011 kehrte das US-Militär 2014 auf Gesuch der irakischen Regierung zurück, um den IS zu bekämpfen.
An dem Einsatz war seit 2015 auch die Bundeswehr beteiligt unter anderem bei der Ausbildung von Soldaten. Das aktuelle Mandat für den Einsatz mit bis zu 500 Kräften läuft bis kommenden Januar. Außenminister Johann Wadephul erwartet aber, dass die Bundeswehr auch nach Ende des multinationalen Einsatzes in Erbil präsent bleiben könnte.