Politik

Referendum in Katalonien Bald ein neuer Staat in Europa?

Katalonien braucht wohl auch 2013 Finanzhilfe.

Ein Stier nimmt in Barcelona die katalanische Flagge auf die Hörner. Ein Sinnbild dafür, dass sich viele Katalanen vom restlichen Spanien übervorteilt fühlen. Mittlerweile hat Katalonien übrigens den Stierkampf verboten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Katalanen machen ernst. Das Parlament in Barcelona will im kommenden Jahr das Volk abstimmen lassen, ob es noch zu Spanien gehören will. Der iberischen Halbinsel steht eine Zerreißprobe bevor. Gibt es 2014 einen neuen Staat in Europa?

Der Präsident der katalanischen Regionalregierung Artur Mas spricht von einer historischen Entscheidung. Am Mittwochabend hat das Parlament in Barcelona ein Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens auf den Weg gebracht. Mit den Stimmen der rechten Partei CiU und der linken ERC fiel die Entscheidung. Beide Parteien kooperieren, obwohl sie nur eines gemeinsam haben: den Wunsch nach einer Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien. Doch wie realistisch ist das?

"Ich glaube nicht, dass die Katalanen kurzfristig einen eigenen Staat bekommen", sagt der Spanien-Experte Walther L. Bernecker von der Uni Erlangen n-tv.de. Vielmehr glaubt er, dass es sich um eine Drohgebärde gegenüber der Zentralregierung in Madrid handelt. Ein solches Referendum sehe die spanische Verfassung gar nicht vor. Regierungsschef Mas bewegt sich also auf juristisch sehr dünnem Eis. Der Schlüssel zum Verständnis liegt woanders: "Der Wirtschaftskrise kommt eine ganz entscheidende Bedeutung in dieser Frage zu", sagt Bernecker.

Vor fünf Jahren, als Katalonien noch prosperierte, wäre die Debatte undenkbar gewesen. Das relativ wohlhabende Katalonien finanziert die ärmeren Regionen Spaniens wie Andalusien durch Zahlungen mit. Bernecker: "Es ist tatsächlich so, dass Katalonien mehr an das restliche Spanien zahlt, als es einnimmt." Und das macht sich bemerkbar. Radikale Einschnitte ins soziale Netz haben Spuren hinterlassen. Und für die wurde auch der katalanische Regierungschef bei den Wahlen im vergangenen Jahr abgestraft.

Ähnliche Situation in anderen Ländern

Auch in anderen europäischen Ländern haben Unabhängigkeitsbewegungen oft wirtschaftliche Ursachen. Dies ist etwa in Flandern oder auch in Schottland der Fall.

Ob die Mehrheit der Katalanen für die Unabhängigkeit stimmen würde, ist ungewiss. Derzeit ist sogar eine Mehrheit dagegen. Die Nachteile für den kleinen Landstrich am Mittelmeer wären gravierend. So hat die EU-Kommission bereits klargestellt, dass ein unabhängiges Katalonien nicht zur Europäischen Union gehören dürfte und auch nicht den Euro behalten könnte. Und so sehr sich die Katalanen auch von Madrid gegängelt fühlen - seit es einen spanischen Staat gibt, waren sie immer ein Teil davon, so Bernecker. Und: "Dabei hatten sie noch nie so viel Autonomie wie jetzt."

Katalonien hat mit 7,6 Millionen Menschen mehr Einwohner als Dänemark oder Finnland, flächenmäßig ist es etwa so groß wie Belgien. Katalonien ist die wirtschaftliche stärkste und wohlhabendste Region Spaniens, musste die Zentralregierung im August 2012 aber um Finanzhilfen von gut fünf Milliarden Euro bitten, um seinen Finanzbedarf zu decken.

Quelle: n-tv.de

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