Politik

Immer mehr Alte in Deutschland Bald fehlen 152.000 Pfleger

Die Alterung der Gesellschaft führt zu einem dramatischen Mangel an Pflegekräften. Im Jahr 2025 würden rund 152.000 Beschäftigte in Pflegeberufen fehlen, um die dann zu erwartende Zahl an Krankenhauspatienten und Pflegebedürftigen versorgen zu können.

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Für die kommenden Generationen wird die Pflege immer wichtiger und vermutlich auch teurer.

(Foto: picture alliance / dpa)

In der Pflege alter Menschen reißt in Deutschland ein immer größeres Loch auf. In 15 Jahren fehlen voraussichtlich rund 152.000 ausgebildete und ungelernte Alten- und Krankenpfleger sowie Helfer, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das entspricht 112.000 Vollzeitstellen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Mit einem Treffen zum Thema Fachkräftemangel in der Pflege startet Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) am Dienstag in Berlin eine Reihe von Gesprächen zur anstehenden Pflegereform.

Nach einer anderen Modellrechnung, die ausschließlich ausgebildete Krankenschwestern und -pfleger, Hebammen, Altenpfleger und Helfer in der Gesundheits- und Altenpflege berücksichtigt, ist die Kluft noch viel größer: Danach fehlen bis 2025 voraussichtlich rund 260.000 Kräfte oder 193.000 Ganztagsstellen.

Einen Ausweg sehen die Statistiker darin, dass in Westdeutschland - wie bereits in den neuen Ländern - viel mehr Pflegekräfte ganztags statt bloß Teilzeit arbeiten. Damit könnte die Zahl der Alten- und Krankenpfleger um 9,5 Prozent steigen und sich der Engpass bis 2025 auf 34.000 volle Stellen verringern.

Allerdings stellen die Statistiker auch fest: "Erforderlich hierfür wäre ein Trend zu mehr Arbeitsstunden beziehungsweise Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen in den Pflegeberufen." Diese Entwicklung sei jedoch seit Beginn des Jahrtausends in der Frauendomäne Pflege überhaupt nicht erkennbar. Im Gegenteil: In Westdeutschland arbeiteten mehr als zwei Drittel der Frauen bewusst nur Teilzeit als Krankenschwester, Hebamme, Altenpflegerin oder Gesundheitshelferin. Als Hauptgrund dafür gaben sie in einer Befragung 2005 persönliche und familiäre Verpflichtungen an.

Pfleger brauchen selbst Hilfe

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) machte mit einer Protestaktion vor dem Kanzleramt auf die Situation in der Pflegebranche aufmerksam. Die Demonstranten hielten "gelbe Karten" in Richtung des Amtssitzes von Bundeskanzlerin Angela Merkel hoch. Die Arbeitsbedingungen hätten sich durch politische Veränderungen immer weiter verschlechtert, beklagte Verbandschefin Gudrun Gille. Immer weniger Pfleger versorgten immer mehr Patienten und würden durch die Überlastung selbst körperlich und seelisch krank. Aufgrund des steigenden Lebensalters litten die Patienten oft unter mehreren schweren Krankheiten gleichzeitig. Hier seien Fachkräfte gefragt. Mit "Geschichten vorlesen" sei es nicht getan. Notwendig seien "mehr Geld und mehr Leute".

Der Paritätische Wohlfahrtsverband machte sich in einem Zehn-Punkte-Plan dafür stark, den Personalschlüssel zu verbessern und die Pflegeentgelte ausreichend durch die öffentlichen Kassen zu refinanzieren. Der Vorstand des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Gernot Kiefer, mahnte, gegen den Fachkräftemangel müssten jetzt die nötigen Schritte eingeleitet werden. Notwendig seien mehr Ausbildungskapazitäten und Rahmenbedingungen, damit die Pflegekräfte ihren Beruf länger ausüben könnten.

Nur jeder Zweite war ausgebildet

"Bereits im Jahr 2005 hätte es einen Arbeitskräftemangel gegeben, wenn nur ausgebildete Pflegekräfte berücksichtigt worden wären", stellen die Statistik-Behörde fest. Nur gut jeder zweite Kranken- und Altenpfleger (56,4 Prozent) war für seine Tätigkeit ausgebildet. Die übrigen Stellen hätten angelernte Kräfte übernommen, erläuterte Anja Afentakis vom Statistischen Bundesamt. Unter den angelernten Kräften sind neben Zivildienstleistenden beispielsweise auch viele Frauen ohne Berufsausbildung und Hausfrauen, die einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Mehr als 80 Prozent der Beschäftigten in der Pflege sind Frauen.

"Bislang konnte der Bedarf an Pflegepersonal noch über ungelernte und angelernte Pflegekräfte kompensiert werden", mahnen die Statistiker. Dies werde den Hochrechnungen zufolge aber ab 2018 nicht mehr ausreichen, um den steigenden Bedarf zu decken. Dabei spiele auch eine Rolle, dass nur rund drei Viertel der ausgebildeten Pflegekräfte auch in ihrem Lehrberuf arbeiteten.

Rösler selbst will den Pflegeberuf attraktiver machen, unter anderem durch eine stärkere Verzahnung der Ausbildung von Kranken- und Altenpflegern, wie er dem "Tagesspiegel" sagte. Sein Sprecher Christian Lipicki sagte, bei dem Treffen am Dienstag gehe es darum, was man verändern kann und in welche Richtung man gehen wolle. Die umstrittenen Finanzierungsfragen spielen demnach noch keine Rolle.

Quelle: ntv.de, dpa