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Nach Front National-Sieg Belgische Städte setzen Partnerschaft aus

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Der Front National unter Chefin Marine Le Pen hat bei den Kommunalwahlen in Frankreich nach eigenen Angaben ihre "wichtigsten Ziele erreicht".

picture alliance / dpa

Der Wahlerfolg des Front National in Frankreich führt zu ersten Verwerfungen mit dem Ausland. Zwei belgische Städte beenden die Kooperation mit ihren Partnergemeinden. Die Partei gibt sich indes selbstbewusst.

In Belgien haben zwei Gemeinden nach dem starken Wahlergebnis der rechtsextremen Partei Front National (FN) bei den Kommunalwahlen im benachbarten Frankreich die Zusammenarbeit mit ihren französischen Partnergemeinden auf Eis gelegt. Die belgischen Kleinstädte Farciennes und Arlon wollen die Kooperation suspendieren, weil diese künftig von einem FN-Bürgermeister regiert werden. "Politisch können wir nicht mit Leuten weiter zusammenarbeiten, die derartige Sichtweisen verbreiten", sagte Hugues Bayet, der Bürgermeister von Farciennes. In der südfranzösischen Partnerstadt Beaucaire hatte sich am Sonntag der FN-Kandidat Julien Sanchez durchgesetzt.

Die engen Verbindungen zwischen Farciennes und dem rund 16.000 Einwohner zählenden Beaucaire gehen bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück, als Einwohner der belgischen Stadt in der Nähe von Avignon Zuflucht fanden. Bayet sagte, er verstehe die Menschen in Beaucaire nicht. "Das sind großzügige Leute. Sie haben uns während des Krieges aufgenommen", erklärte der sozialistische Bürgermeister. Bei der nächsten Stadtratssitzung soll die Aussetzung der Städtepartnerschaft formal beschlossen werden.

Auch das mit der Gemeinde Hayange im Département Moselle verbundene Arlon zieht Konsequenzen aus dem Ergebnis des FN. "Wir teilen nicht die gleichen Werte", sagte Arlons Bürgermeister Vincent Magnus der Zeitung "L'Avenir". In der krisengeschüttelten lothringischen 15.000-Einwohner-Stadt gewann der FN-Politiker Fabien Engelmann. 2011 wurden dort die beiden letzten Hochöfen geschlossen. Jedoch betonte Magnus, dass auch wenn die politischen Kontakte eingefroren würden, die Tür für eine Zusammenarbeit von Vereinen weiter offen sei.

"Front National hat ihre wichtigsten Ziele erreicht"

In insgesamt zwölf Kommunen hatte der FN nach der Wahl den Sieg für sich beansprucht. Landesweit seien 1546 Gemeinde- und Stadträte des FN gewählt worden, erklärte der Wahlkampfleiter der Partei, Nicolas Bay. Das Pariser Innenministerium bezifferte die Kommunen, in denen ein FN-Kandidat siegreich war, auf elf. Der FN habe ihre wichtigsten Ziele erreicht, hob Bay hervor. Sie habe Bürgermeistersessel erobert und ein regionales Netz geschaffen. Angetreten war die rechtsextreme Partei in 597 Gemeinden mit mehr als tausend Einwohnern.

Die meisten Wahlsiege verzeichnete die Partei unter ihrer Chefin Marine Le Pen im Südosten Frankreichs. Einen besonders wichtigen Erfolg erzielte sie im 7. Bezirk der Mittelmeer-Stadt Marseille, dessen 150.000 Einwohner künftig vom 44 Jahre alten FN-Bürgermeister Stéphane Ravier regiert werden. In Béziers mit seinen rund 71.000 Einwohnern wurde der Journalist und Mitbegründer der Organisation "Reporter ohne Grenzen", Robert Ménard, mit Unterstützung von Le Pen neuer Bürgermeister. Ménard selbst betont allerdings, er sei kein Mitglied des FN.

Ein FN-Kandidat holt direkten Wahlsieg

Einen rechtsextremen Bürgermeister werden künftig auch die bei Touristen beliebte Stadt Fréjus am Mittelmeer mit ihren gut 52.000 Einwohnern und die Gemeinde Le Pontet nahe Orange bekommen. FN-Kandidaten setzten sich außerdem in Le Luc nördlich der Hafenstadt Toulon sowie im nahe von Saint Tropez gelegenen Badeort Cogolin durch. In Camaret-sur-Aigues bei Orange trug der Kandidat einer lokalen Liste namens "Ligue du Sud" den Sieg davon. Der FN beansprucht auch diesen Sieg für sich. Sie habe die örtliche Liste dort unterstützt, teilte die Partei mit.

Zudem werden die Gemeinden Villers-Cotterêts im Norden Frankreichs und Mantes-la Ville bei Paris in Zukunft von einem FN-Bürgermeister regiert. Im nordfranzösischen Hénin-Beaumont mit rund 26.000 Einwohnern hatte der Generalsekretär des Front National, Steeve Briois, bereits beim ersten Kommunalwahlgang am 30. März die absolute Mehrheit erhalten. Damit eroberte er als einziger FN-Kandidat auf Anhieb den Bürgermeistersessel.

Quelle: n-tv.de, bwe/AFP

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