Politik

"Selbstmitleid pur" Bettina Wulff bricht Werbe-Tour ab

Die Kritik an ihrem Buch ist wohl zu hart: Ex-First-Lady Bettina Wulff sagt ihre geplanten Fernsehauftritte ab. Ihr Buch, für das sie mit ihrer Rückmeldung in der Öffentlichkeit kräftig geworben hatte, wird derweil mit Hohn und Spott überzogen.

Nach heftiger Kritik an ihrem Buch und ihrer Interview-Offensive in Zeitschriften hat die frühere First Lady Bettina Wulff mehrere Fernsehauftritte abgesagt. Wulff wird weder in der Sendung "Menschen bei Maischberger" sitzen noch in der Talkshow "3nach9".

Auf der Webseite der ARD hieß es: "Bettina Wulff hat sich entschlossen, derzeit keine Medientermine wahrzunehmen." Sandra Maischberger hatte Wulff zusammen mit der Feministin Alice Schwarzer und dem Politikberater Michael Spreng befragen wollen.

Ebenfalls abgesagt wurde der geplante Auftritt in der Talk-Sendung "3nach9". Eine genaue Begründung habe ihr Verlag nicht gegeben, hieß es.

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" steht Bettina Wulff auch nicht mehr für Lesereisen und Signierstunden in Buchhandlungen zur Verfügung. Vielmehr wolle sie sich vorerst aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Grund dafür sei "Furcht vor weiteren öffentlichen Anfeindungen". Auch ihr Mann, der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, habe sie zu diesem Schritt gedrängt.

Wulffs Buch "Jenseits des Protokolls" wurde in den vergangenen Tagen von vielen Seiten kritisiert. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast etwa sagte: "Ich verstehe nicht, wie sich jemand über zu viel Öffentlichkeit beklagen kann, der gleichzeitig sein Leben mit intimsten Details nach außen kehrt."

In einer Emnid-Umfrage für das Nachrichtenmagazin "Focus" gaben 72 Prozent der Befragten an, sie hielten es für falsch, dass Bettina Wulff in ihrem Buch über Eheprobleme und das Krisenmanagement ihres Mannes berichte.

Vor allem im Internet bekam das Buch viel Hohn und Spott ab. Bei Amazon etwa hatte es bis Samstag die extrem hohe Zahl von 670 Bewertungen erhalten, die jedoch ganz überwiegend vernichtend ausfielen. "Selbstmitleid pur - langweilig, egoistisch und überflüssig", lautete der Titel einer typischen Rezension. Eine andere trug die Überschrift: "Nach Selbstdemontage bleibt nur Emigration ins Ausland".

Schützenhilfe von Friedrich

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) unterstützt Wulff derweil in ihrem Kampf gegen üble Nachrede im Internet. "Das Beispiel von Bettina Wulff dokumentiert, wie wichtig der Schutz der Persönlichkeitsrechte im Netz ist", sagte Friedrich. "Ich habe großes Verständnis für das Anliegen von Frau Wulff und verstehe, dass sie verletzt ist." Bettina Wulff war gegen Rotlicht-Gerüchte, die sich über das Internet massiv verbreitet hatten, in die Offensive gegangen und hatte gegen das Unternehmen Google geklagt.

Mit Blick auf die sogenannte Netzgemeinde kritisierte Friedrich den Anspruch, die "schrankenlose Freiheit im Internet bedingungslos" zu verteidigen. Dies gehe "automatisch zu Lasten des Schutzes der Persönlichkeitsrechte". Zugleich kündigte der in der Bundesregierung für die Regulierung des Internets mitverantwortliche Minister an, sich für schärfere Regeln im Netz einzusetzen. "Wenn man sieht, dass durch Cyber-Mobbing in sozialen Netzwerken Jugendliche im Extremfall in den Tod getrieben werden, sage ich ganz klar, dass wir internationale Standards für den Persönlichkeitsschutz brauchen."

Quelle: ntv.de, AFP

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