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SPD sucht Vorsitzende Bist Du für oder gegen die GroKo, Genosse?

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Die Kandidaten für den SPD-Vorsitz.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Rennen um den künftigen Parteivorsitz der SPD hat offiziell begonnen. Wie schön, wenn sich die Sozialdemokraten sehr bald nicht mehr nur um sich selbst kümmern würden.

"Es interessiert die Menschen in diesem Land nicht, wie es der SPD geht und ob wir in der Koalition bleiben wollen oder nicht." Stimmt. Damit hat Lars Klingbeil, der Generalsekretär der SPD, den Nagel auf den Kopf getroffen. Den allermeisten der Menschen auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die sich nicht in der Berliner "Bubble" bewegen, geht die Gemütslage der guten alten Tante SPD komplett an der Kehrseite vorbei. Und im Grunde wollen sie auch nicht wissen, wer SPD-Vorsitzende/r ist. Sie wollen, dass Politiker sich kümmern; um Kindergärten, Schulen, Straßen, das Mobilfunknetz - also schlicht die Arbeit machen, für die sie gewählt werden. Wer dabei den Chef-Hut aufhat und in einem schönen hellen Eck-Büro im Willy-Brandt-Haus über sozialdemokratische Visionen brütet, ist ihnen völlig schnuppe.

Trotzdem, hilft ja nichts, eine/r muss es ja machen. Und wenn es nach der Parteiführung geht, sogar zwei, ein Duo. Nach dem Rücktritt von Andrea Nahles führen derzeit drei Genossen die Partei kommissarisch - aber das ist ja kein Zustand, schon gar nicht auf Dauer. Also geht die SPD neue Wege - und die Kandidatenschar auf eine vergleichsweise lange Reise. Insgesamt 23 Mal präsentieren sich acht Zweierteams und ein Einzelbewerber landauf, landab. Das wird ohne Zweifel eine Ochsentour, ist aber eine gute Gelegenheit, mit der Basis ins Gespräch zu kommen.

Legendär der Satz von Franz Müntefering, der SPD-Vorsitz sei "das schönste Amt neben dem Papst". Doch davon ist nicht viel übrig. Andrea Nahles ist eine Frau, von der Freund und Feind sagen, dass sie so leicht nichts aus den Schuhen haut. Wenn selbst sie nach einem beispiellos brutalen Umgang mit ihr zurücktritt und ein Amt aufgibt, für das sie gekämpft hat wie kaum jemand vor ihr, sagt das viel über den Umgang der Genossen miteinander.

Demzufolge war es auch nicht überraschend, dass sich anfangs kaum ein ernsthafter Bewerber aus der Deckung gewagt hat. Klar, je schlechter die Wahlergebnisse, desto dünner werden die Nerven, und desto schneller werden die Messer gewetzt. Aber in keiner anderen Partei ist der Ton so rau, der Wind so eisig wie in der SPD. Andrea Nahles, Martin Schulz, Kurt Beck - sie alle können ein trauriges Lied davon singen. Da können sich die Genossen noch so lange gegenseitig beschwören, dass das aufhören muss, auch der/die Nächste an der Spitze der Partei wird mehr als einmal als Prellbock für Frust und Enttäuschungen herhalten müssen - vor allem der GroKo-Gegner oder die der Befürworter. Über den Verbleib im ungeliebten Bündnis mit der Union wird formal gar nicht abgestimmt - das ist eine andere Baustelle – doch selbstverständlich werden die Bewerber genau diese eine Frage am klarsten beantworten müssen: Bist Du für oder gegen die GroKo, Genosse?

Der Satiriker Jan Böhmermann, der die formalen Kriterien für eine Bewerbung nicht erfüllt hat und deshalb nicht kandidieren darf, tröstet seine Anhänger damit, dass die SPD in wenigen Monaten sicher wieder einen neuen Vorsitzenden suchen werde und er dann besser vorbereitet sei. Das kann man lustig finden, muss man aber nicht. So ganz verkehrt ist es allerdings nicht, schon mal in die Planung zu gehen. Es sei denn, die SPD besinnt sich eines Besseren - und kümmert sich total altmodisch einfach um die Probleme der Menschen, die sie gewählt haben. So viele sind das ja nicht mehr.

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Quelle: n-tv.de

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