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Der "Verräter" spricht Blüm hegt keinen Groll gegen Kohl

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Norbert Blüm hätte in der Spendenaffäre anders gehandelt als Kohl.

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In seinen "Erinnerungen" nennt Ex-Kanzler Kohl seinen damaligen Arbeitsminister Blüm einen "Verräter", weil dieser in der CDU-Spendenaffäre nicht seiner Meinung war. Im n-tv Interview zeigt Blüm keinen Groll auf Kohl und verweist auf dessen politische Leistung.

An diesem Dienstag sollen die "Erinnerungen" von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl in Buchform erscheinen. Vorabberichte sorgen schon jetzt für Wirbel, denn Kohl rechnet darin teils drastisch mit ehemaligen Weggefährten und Parteifreunden ab. Nach Angaben des "Spiegel" klagte er demnach in deutlichen Worten über CDU-Politiker wie die jetzige Kanzlerin Angela Merkel, seinen früheren Arbeitsminister Norbert Blüm oder den späteren Bundespräsidenten Christian Wulff.

Blüm, der Kohl in der Spendenaffäre kritisiert hatte, wird vom Altkanzler deshalb als "Verräter" bezeichnet. Im Gespräch mit n-tv zeigte der ehemalige Arbeitsminister aber keinen Groll gegen Kohl. "Es war eine gute Zeit. Ich halte Helmut Kohl für einen bedeutenden Staatsmann mit großen staatspolitischen Leistungen." In Sachen Spendenaffäre sei er aber weiterhin anderer Meinung, "so schwer es mir fällt".

"Ich kann nicht sagen, es wäre in Ordnung, dass Helmut Kohl die Spendernamen nicht nennt", so Blüm bei n-tv. Im Gesetz stehe es anders und vor dem Gesetz seien alle gleich. Das mindere aber nicht seinen Respekt vor Kohls politischen Leistungen. "Aber ich kann nicht aus Freundschaft sagen, das wäre in Ordnung."

Man muss unterscheiden können

Auch Kohls langjähriger Weggefährte, der Ehrenvorsitzende der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, Bernhard Vogel, sagte im Deutschlandfunk, man müsse "unterscheiden zwischen offiziellen Akten, zwischen sogenannten Handakten und einem selbstverständlich auch bestehenden Recht auf private Unterlagen".

Die Bundesregierung denkt vorerst nicht an die Gründung einer "Helmut-Kohl-Stiftung", die den historischen Nachlass verwahren und der Forschung zugänglich machen könnte. Hierfür gebe es "keinerlei Planungen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er verwies darauf, dass derartige vom Bund finanzierte Einrichtungen wie etwa für Ex-Kanzler Willy Brandt (SPD) Gedenkstiftungen seien. Hierfür würden zu Lebzeiten der Persönlichkeiten keine Planungen gemacht.

Angesprochen auf die im "Spiegel" zitierten kritischen Äußerungen Kohls über die heutige Bundeskanzlerin - "Frau Merkel konnte ja nicht mal richtig mit Messer und Gabel essen" - sagte Seibert: "Kein Kommentar."

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Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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