Politik

Entführter Deutscher wird gesucht Boko Haram will weiter morden

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Ein Bilder Zerstörung: Das Bombenattentat geht auf das Konto der islamistischen Gruppe Boko Haram.

(Foto: AP)

In Nigeria mordet und terrorisiert die islamistische Gruppe Boko Haram. Ob die Entführung des deutschen Ingenieurs auf das Konto der Sekte geht, ist unklar. Fest steht: Die Islamisten stürzen das Land in eine Krise und kündigen weitere Gewalttaten an.

Sicherheitskräfte in Nigeria haben intensiv nach einem in der nördlichen Stadt Kano entführten deutschen Ingenieur gesucht. Die Botschaft in Nigeria sei ebenfalls um die Aufklärung des Falles bemüht, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Unterdessen drohte die islamistische Sekte Boko Haram mit weiteren Gewalttaten in dem Land.

Der Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte in Berlin, "dass wir nach Lage der Dinge davon ausgehen müssen, dass ein deutscher Staatsangehöriger in Nordnigeria entführt wurde". Bei der Aufklärung des Falls, an der auch der Krisenstab arbeite, gebe es bislang aber noch keine "substanziellen Fortschritte" zu berichten. Zu weiteren Details - etwa, ob bereits Kontakt mit den mutmaßlichen Entführern aufgenommen werden konnte - wollte sich das Ministerium nicht äußern.

Ingenieur arbeitet für Bilfinger Berger

Der am Donnerstag entführte Ingenieur ist ein Mitarbeiter des Bauunternehmens Bilfinger Berger. Ein Konzernsprecher bestätigte, dass es sich um einen nach Nigeria entsandten Mitarbeiter ihres Unternehmens handelte. Bilfinger Berger stehe deswegen in "direkter Verbindung" mit dem Auswärtigen Amt.

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Der deutsche Ingenieur wird in der nordnigerianischen Stadt Kano entführt.

Die nigerianische Polizei hatte am Donnerstag mitgeteilt, der Ingenieur sei in einem Vorort von Kano verschleppt worden. Insgesamt drei Angreifer hätten den Deutschen gefesselt, in den Kofferraum ihres Wagens gesteckt und seien weggerast, sagte ein Sprecher. Wer hinter der Entführung stecke, sei unklar.

Die Stadt Kano war jüngst von einer Serie von Anschlägen der Islamistengruppe Boko Haram erschüttert worden. Es gab aber keinen Hinweis darauf, dass die Gruppe auch für die Entführung des Deutschen verantwortlich war. Boko Haram kämpft für einen islamischen Staat im Norden des Landes und übernahm bislang noch nie die Verantwortung für die Verschleppung eines Ausländers. Der Norden Nigerias ist überwiegend muslimisch geprägt, der Süden christlich.

Youtube-Nachricht des Sektenführers

Jedoch drohte Boko Haram in einer am Donnerstag auf der Internetplattform Youtube veröffentlichten Tonbotschaft mit weiteren Gewalttaten. Darin äußerte sich offenbar der mutmaßliche Sektenführer Abubakar Shekau. Er übernahm die Verantwortung für worden waren. "Wir waren verantwortlich", sagte die Stimme in dem Video, in dem ein Foto von Shekau gezeigt wird. "Ich habe es angeordnet und werde diesen Befehl wieder und wieder geben."

Zuvor hatte bereits ein mutmaßlicher Sprecher von Boko Haram die Verantwortung für die Bombenanschläge und Angriffe mit Schusswaffen in Kano übernommen. Die Hauptziele waren Polizeiwachen. Die Echtheit der Botschaft auf Youtube konnte zunächst nicht überprüft werden. Stimme und Foto stimmten aber mit vorangegangenen Botschaften Shekaus überein.

In der neuen Botschaft sagte Shekau, die Sicherheitskräfte seien angegriffen worden, "weil unsere Mitglieder festgenommen und gefoltert wurden". "Auch unsere Frauen und Kinder wurden festgenommen", fügte der Mann hinzu und drohte mit Rache: "Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass auch sie Frauen und Kinder haben. Wir können sie entführen. Das liegt nicht außerhalb unserer Fähigkeiten."

Quelle: ntv.de, AFP