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Schwerster Anschlag außerhalb des Sinai Bombenattentat erschüttert Ägypten

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Die Bomben vor dem Polizeirevier in Mansoura hatten eine große Zerstörungskraft.

AP

Zwei zentnerschwere Sprengsätze zerstören in der Provinzhauptstadt Mansura die Polizeizentrale. Die Explosion verletzt viele Passanten schwer. Wer für den größten Anschlag außerhalb des anarchischen Sinai verantwortlich ist, bleibt ein Rätsel.

Bei einem Bombenanschlag auf die Zentrale der Polizei in der nordägyptischen Stadt Mansura sind mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 140 weitere Personen seien bei dem Attentat in der Nacht verletzt worden, teilten das Gesundheits- und das Innenministerium mit. Ministerpräsident Hasem al-Beblawi kündigte an, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die islamistische Muslimbruderschaft verurteilte den Anschlag.

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Das robuste Polizeigebäude stürzte durch die Sprengsätze zum Teil ein.

(Foto: dpa)

Mansura liegt rund 120 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kairo. Der Anschlag ist der bislang grö ßte außerhalb des Nordens der unruhigen Sinai-Halbinsel und des Gebiets um den Suezkanal. Nach Angaben der Regierung der Provinz Dakahlija stürzten wegen der Wucht der Detonation Teile des Gebäudes ein. Daher seien auch Passanten zu Schaden gekommen. Sicherheitskreisen zufolge wurde auch der Polizeichef der Provinz verletzt. Das Internetportal Al-Ahram berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, zwei Sprengsätze seien nahezu zeitgleich explodiert - einer in einem Auto vor der Zentrale und einer im Gebäude. Eine dritte Bombe habe nicht gezündet.

Attentäter hatte möglicherweise Insiderwissen

Der Umstand, dass die Attentäter einen Sprengkörper in das Gebäude bringen konnten, deutet auf schwere Sicherheitslücken im Polizeiapparat hin. In diese Richtung weist auch, dass den Tätern möglicherweise bekannt war, dass sich Polizeichef Al-Meihi zu dieser nächtlichen Stunde im Amt aufhalten würde.

Bekannt hat sich zu dem Anschlag bisher niemand. Zuletzt hatte die Al-Kaida-nahe Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis mit Anschlägen auf Soldaten gedroht. Sie gilt als eine der Hauptverantwortlichen für die zunehmenden Anschläge der letzten Zeit, vor allem auf dem Sinai und in der Suezkanal-Region. Ministerpräsident Al-Beblawi kündigte eine unerbittliche Verfolgung der Täter an. "Die schwarzen Hände, die hinter dieser Tat stecken, wollen die Zukunft des Landes zerstören", sagte er. "Der Staat wird alles in seiner Macht stehende tun, um die Verbrecher zur Verantwortung zu ziehen, die diesen Angriff ausgeführt, geplant und unterstützt haben."

"Wir stehen einem Gegner gegenüber, der weder Religion noch ein Vaterland hat", sagte Innenminister Mohammed Ibrahim. Die Regierung in Kairo erklärte nach dem Anschlag die entmachtete Muslimbruderschaft um den gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi zur "terroristischen Vereinigung", auch wenn in staatlichen Medienberichten die Organisation nicht explizit für den Angriff verantwortlich gemacht wurde. Die Bruderschaft wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete den Vorfall als "Angriff auf die Einheit des ägyptischen Volkes". Dennoch stürmten Hunderte aufgebrachter Menschen in Mansura Häuser und Geschäfte, die sich ihrer Ansicht nach im Besitz von Anhängern der Bruderschaft befanden, und legten dort Feuer. Im gesamten Land sollen nun bewaffnete Einheiten der Polizei für Sicherheit sorgen.

Der Anschlag habe jedoch keine Auswirkungen auf den politischen Übergangsprozess, erklärte die Regierung. Im Januar soll die Bevölkerung über eine neue Verfassung abstimmen. Das Regelwerk soll den Weg zur Demokratie sowie zu Parlaments- und Präsidentenwahlen ebnen.

In Ägypten kommt es seit der Absetzung des aus der Bruderschaft stammenden Präsidenten Mohammed Mursi im letzten Juli immer wieder zu Angriffen auf Sicherheitskräfte. Die Regierung macht dafür zum Teil die Bruderschaft, zum Teil islamistische Extremisten verantwortlich.

Quelle: n-tv.de, nsc/AFP/rts

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