Politik

Massenmörder fordert Freilassung Breivik sucht die große Bühne

Für die Norweger ist noch immer unfassbar, was Anders Breivik zu seinen Taten veranlasst hat. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, als sich der Rechtsextremist erstmals bei einem Gerichtstermin fotografieren und filmen lässt. Einmal mehr offenbart der Attentäter dabei seine bizarren Ansichten.

Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik ist im Vorfeld eines Haftprüfungstermins in Oslo erstmals öffentlich von einem massiven Medienaufgebot fotografiert und gefilmt worden. Der rechtsradikale Islamhasser hatte im vergangenen Sommer bei zwei Anschlägen 77 Menschen getötet und sitzt seitdem hinter Gittern.

Der erklärtermaßen an öffentlicher Aufmerksamkeit interessierte Attentäter hatte vorab sein Einverständnis für Fotos und TV-Bilder gegeben. Norwegens größte TV-Sender übertrugen live, wie Breivik in dunklem Anzug und Schlips den Gerichtssaal betrat. Internetmedien ließen ihre Reporter direkt und nach Möglichkeit wörtlich aus dem Gerichtssaal wiedergeben, was Breivik dort äußerte. Überlebende der Anschläge und Angehörige der 77 Toten haben sich wiederholt kritisch über die massive Medienaufmerksamkeit für den Attentäter geäußert.

Und Breivik versuchte tatsächlich, sich in Szene zu setzen: Als er den Saal betrat, hob er seine gefesselten Hände kurz in Richtung Zuhörer und Medien. Verteidiger Geir Lippestad stellte dies später als "Versuch eines rechtsextremistischen Grußes" dar.

Breiviks krude Thesen

Vor der Haftrichterin, knapp hundert Angehörigen von Opfern und Überlebenden sowie 160 Medienvertretern begründete er seinen Bombenanschlag in Oslo und das Massaker auf der Insel Utøya damit, dass er "in Notwehr" Norwegen vor einer "ethnischen Säuberung" habe bewahren müssen. Breivik verlangte seine sofortige Freilassung und nannte das rechtspsychiatrische Gutachten "lächerlich", mit dem ihn zwei Gutachter als nicht zurechnungsfähig eingestuft haben. In den Zuschauerreihen brach Gelächter aus, als Breivik forderte, freigelassen zu werden.

Fast alle Opfer bei Breiviks Massaker auf Utøya waren aktiv bei der Jugendorganisation der Sozialdemokraten. Zur Politik dieser Partei meinte Breivik: "Ergebnis dieser Politik wird sein, dass Norwegens Urbevölkerung, die ethnischen Norweger, in Oslo in zehn Jahren eine Minderheit sein wird."

Die 18-jährige Anette Davidsen, Überlebende von Utøya und Zuhörerin im Gerichtssaal, sagte der Nachrichtenagentur NTB über ihre Reaktion: "Als er hereinkam und uns anlächelte, war es sehr schwer. Er hat ja gezeigt, wie stolz er auf seine Tat ist und nichts bereut."

Das Gericht entschied nach der kurzen Verhandlung, dass die Untersuchungshaft verlängert wird. Breivik soll sich ab 16. April vor Gericht für die Morde verantworten.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP