Politik

Kaum integrationsunwillige Ausländer Bund will Migranten als Lehrer

Seit Tagen wird aufgeregt über mangelnde Integrationsbereitschaft von Ausländern diskutiert. Innenminister de Maizière nennt jetzt eine Größenordnung für das Problem: Mindestens jeder zehnte Ausländer will sich nicht eingliedern. Derweil stellt die Regierung ihr Integrationsprogramm vor. Ein Punkt: Mehr Migranten sollen Lehrer werden.

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Innenminister de Maizière (r.) und der Präsident des Bundesamtes für Migration, Schmid, bei der Vorstellung des Programms.

(Foto: dpa)

Die Bundesregierung geht von 10 bis 15 Prozent integrationsunwilligen Ausländern in Deutschland aus. "Das ist im internationalen Vergleich durchaus eine Zahl, die nicht so schlecht ist", sagte Innenminister Thomas de Maizière nach der Billigung eines Integrationsprogramms durch das Kabinett. Trotzdem zog der CDU-Politiker eine durchwachsene Bilanz der Eingliederungsbemühungen der vergangenen Jahre. "Wir präsentieren hier keine Erfolgsbilanz, sondern ein differenziertes Bild der Wirklichkeit."

Ziel des Programms ist es, die unterschiedlichen Maßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen zusammenzufassen und zu systematisieren. De Maizière (CDU) sprach von einem "Beitrag zur Sachlichkeit in der öffentlichen Debatte um Integration". Es gehe darum, ein "differenziertes Bild der Wirklichkeit, mit differenzierten Vorschlägen" zu geben und sich "auf Lösungen" zu orientieren.

Zwar gebe es gesellschaftliche und politische Versäumnisse bei der Integration, räumte de Maizière ein; mit Blick auf das Sarrazin-Buch fügte er hinzu, die politische Aufgabe bestehe aber darin, "die Wunden zu heilen" und nicht die Probleme zu verstärken.

Schlechte Deutschkenntnisse

Als vordringliche Aufgabe bei der Integration nannte de Maizière den Spracherwerb. Rund 1,1 Millionen Migranten in Deutschland sprächen "nicht ausreichend Deutsch". Die Zahl der integrationsunwilligen Migranten liege zwischen zehn und 15 Prozent. Der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Albert Schmid, forderte mehr Lehrer mit Migrationshintergrund. Es müsse verstärkt um Lehramtskandidaten mit Migrationshintergrund geworben werden, so wie vor Jahrzehnten um Lehrer aus dem Arbeitermilieu geworben wurde. Eine entsprechende Kampagne des Bundesamtes stoße auf beachtliches Interesse.

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Türkischunterricht an einer Gesamtschule in Köln.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Kritik an der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), wies de Maizière zurück. Die Kritik der Opposition sei "gänzlich unberechtigt". Böhmer sei bei der Vorstellung des Programms nicht mit dabei, weil sie sich derzeit in Kanada aufhalte, sagte de Maizière. SPD und Grüne hatten zuvor die Ablösung der Integrationsbeauftragten gefordert.

Deutschland braucht mehr Zuwanderer

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Migration und Integration (SVR) kritisierte das Integrationsprogramm. Es handele sich um eine durchaus "lohnenswerte Fleißarbeit", die eine große Zahl von Einzelprojekte auf Bundes-, Länder und kommunaler Ebene zusammentrage und bewerte, ohne jedoch einen "große Wurf zu bieten", sagte SVR-Geschäftsführerin Gunilla Fincke. Das Integrationsprogramm sei daher eher eine Bestandsaufnahme mit vorwiegend "weichen Empfehlungen".

Insbesondere im äußerst wichtigen Bildungsbereich "hat der sich Bund in eine Situation begeben, in der er kaum noch Regelungskompetenz hat", kritisierte Fincke. Gerade auf diesem Feld müsse die Bundesregierung jedoch "eine Richtung vorgeben, um die Länder zu motivieren". Stattdessen trete sie "nur moderierend" auf.

Deutschland braucht unterdessen deutlich mehr Zuwanderer. Angesichts der Überalterung der Gesellschaft benötige Deutschland "dringend Arbeitskräfte und Zuwanderer aus dem Ausland",  geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Nach Angaben von Institutsleiter Klaus Zimmermann sind "mindestens netto 500.000 mehr Menschen pro Jahr nötig, um unsere Wirtschaftskraft dauerhaft zu sichern". Ohne Zuwanderung werde der Wohlstand sinken und die Lebensarbeitszeit müsse in Deutschland auf rund 70 Jahre verlängert werden.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa