Politik

Miss-Wahl, Steinigung und Tote Chaos von Abuja bis Kaduna

Nach dem Freitagsgebet hat es nun auch in der nigerianischen Hauptstadt Abuja schwere Unruhen gegeben. Hunderte junger Moslems hätten bewaffnet mit Messern und anderen Gegenständen Christen angegriffen, berichtete die BBC. In der Vier Millionen Einwohner zählenden Stadt wurden bei den Ausschreitungen Autos und Busse in Brand gesteckt.

Blutige Proteste im Norden des Landes

Bei Protesten gegen die Miss-World-Wahl in Nigeria waren zuvor im Norden des Landes mindestens 100 Menschen ums Leben gekommen. Nach Behördenangaben wurde das Ausmaß der Ausschreitungen von Moslems in der Stadt Kaduna in den vergangenen zwei Tagen erst klar, als Rettungskräfte nach Verhängung einer Ausgangssperre am Morgen nach Opfern suchen konnten. Das Rote Kreuz berichtete, Helfer hätten Dutzende von Leichen in den Straßen gefunden. Die Krankenhäuser seien überfüllt mit Hunderten von Verletzten.

Misswahlen finden statt

Die Miss-World- Wahl in der 170 Kilometer entfernten Hauptstadt Abuja soll nach Angaben der Veranstalter trotz der Unruhen im Land stattfinden, geplanter Termin ist der 7. Dezember. Die Miss-World-Teilnehmerinnen seien aber in Sicherheit, betonte Staatspräsident Olusegun Obasanjo. Sie sind in einem Hotel in Abuja untergebracht.

Keine deutsche Kandidatin dabei

Aus Deutschland ist keine Kandidatin zu dem Schönheitswettbewerb nach Nigeria gereist, das als Heimat der amtierenden Miss World Ausrichter der Wahl ist. Der Geschäftsführer der Miss Germany Corporation aus Oldenburg, Ralf Klemmer, bezeichnete die Unruhen als "grauenhaft". "Im Nachhinein freue ich mich, dass Simone (die deutsche Kandidatin) krank geworden ist", sagte er. Vor der Veranstaltung habe er Informationen über die Sicherheit in dem afrikanischen Land eingeholt, sagte Klemmer: "Damals hieß es, dass keine besonderen Gefahren zu erwarten sind, aber für die 100-prozentige Sicherheit könne niemand garantieren." "Ich bin gespannt, wie die Veranstalter jetzt reagieren", sagte Klemmer.

Viele Absagen wegen Steinigungsurteil

Aus Protest gegen das Steinigungsurteil gegen die Nigerianerin Amina Lawal hatten einige Länder abgesagt, 90 Kandidatinnen nehmen teil.

Zentren der Krawalle angeblich in Moslem-Vierteln

Zentren der Krawalle im Norden des Landes waren den Angaben zufolge mehrere mehrheitlich von Muslimen bewohnte Viertel. In Kaduna lebt eine muslimische Bevölkerungsmehrheit und eine christliche Minderheit. In den letzten drei Jahren hat es in der Stadt immer wieder blutige Kämpfe zwischen beiden Gruppen gegeben, bei denen Hunderte von Menschen getötet wurden.

Auslöser der jüngsten Krawalle war ein Zeitungsartikel zur Wahl der Miss World. Die Zeitung "ThisDay" hatte in einem Artikel erklärt, der Prophet Mohammed hätte im Gegensatz zu seinen heutigen Anhängern wohl nichts gegen die bevorstehende Wahl in Nigeria einzuwenden. "Ganz ehrlich, er hätte sich vermutlich eine Frau von ihnen ausgesucht", hieß es in dem Artikel. Aufgebrachte Muslime brannten daraufhin das Redaktions- und Vertriebsbüro der Zeitung nieder.

"ThisDay" entschuldigte sich in den folgenden Ausgaben für den Artikel. Einige Passagen des Textes seien versehentlich veröffentlicht worden, nachdem der verantwortliche Redakteur diese gestrichen habe, hieß es.

Kaduna war bereits vor zwei Jahren Schauplatz religiöser Unruhen zwischen Christen und Moslems wegen der Einführung des islamischen Scharia- Rechts. Dabei kamen mehr als 2000 Menschen ums Leben. Seither leben Moslems und Christen in getrennten Stadtteilen. Der Norden des afrikanischen Landes ist vorwiegend von Moslems bewohnt.

Quelle: n-tv.de

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