Politik

Militärreform schürt alte Ängste China baut seine Streitkräfte um

RTX1282M.jpg

Neue Aufgaben für Chinas Soldaten: Hier Angehöriger einer Spezialeinheit beim sommerlichen Waldmanöver bei Heihe in der Provinz Heilongjiang.

(Foto: REUTERS)

Es sind brisante Informationen, mit denen chinesische Staatsmedien an die Öffentlichkeit gehen: Die Machthaber in Peking wollen dem riesigen Militärapparat der Volksrepublik eine grundlegende strategische Neuausrichtung verordnen.

RTX164J5.jpg

Die aufstrebende Wirtschaftsmacht verfolgt seine "Sicherheitsinteressen" zunehmend auf See: Chinas Marine dürfte im Rahmen der Reform an Bedeutung gewinnen.

(Foto: REUTERS)

China will die operative Kommandostruktur des Militärs zentralisieren und damit die Schlagkraft der chinesischen Streitkräfte erhöhen. Es seien bereits erste Pilotprojekte für die Einrichtung eines gemeinsamen Einsatzführungskommandos gestartet worden, berichtete die Zeitung "China Daily".

Das staatlich finanzierte Blatt beruft sich auf Informationen aus dem Pekinger Verteidigungsministerium, das die organisatorischen Belange der Volksbefreiungsarmee verwaltet. Die Strukturen der Armeeführung müssten an die Bedürfnisse des Informationszeitalters angepasst, begründete das Ministerium demnach die Neuordnung.

Innerhalb der neuen Struktur könnte die Marine eine herausragende Rolle bekommen, hieß es in dem Zeitungsbericht weiter. Das Hauptaugenmerk liege auf den Sicherheitsinteressen auf See, zitierte die Zeitung einen ranghohen Verteidigungsexperten. Erst kürzlich hatte chinesische Staatsmedien die "erfolgreiche" Heimkehr des ersten chinesischen Flugzeugträgers gefeiert. Das Schiff gilt als Symbol für das neue Selbstverständnis Chinas als Seemacht. Die "Liaoning" hatte bei einer mehrwöchigen Testfahrt auch politisch umstrittene Gewässer durchquert.

Dass die Angaben zufällig an die Öffentlichkeit gelangen, halten Experten für höchst unwahrscheinlich. Die "China Daily" gilt als das wichtigste englischsprachige Publikationsorgan Pekings.

Streit mit mehreren Nachbarn

Die Nachricht von der Neuausrichtung dürfte die Strategen in der gesamten Pazifik-Region elektrisieren: China liegt gleich mit mehreren Nachbarstaaten im Streit um die Ausdehnung der chinesischen Hoheitsgebiete. Unter anderem ringt Peking mit Ländern wie Südkorea, Japan und den Philippinen um Gebietsansprüche im Süd- und Ostchinesischen Meer. Dabei geht es Beobachtern zufolge um den Zugriff auf größere Rohstoffvorkommen, die in der Region an verschiedenen Stellen vermutet werden. Dazu kommen teils alte Ressentiments und neue nationalstaatliche Empfindlichkeiten.

In Taiwan, gelegen auf der gleichnamigen Insel vor der Küste Festlandchinas, besteht angesichts der geplanten Neuausrichtung der chinesischen Volksbefreiungsarmee besonderer Grund zur Unruhe. Der wirtschaftlich hochentwickelte Industrienation lebt seit der Teilung Chinas im Jahr 1949 mit kaum verhüllten Drohungen aus Peking, die taiwanesische "Republik China" zur Not auch gewaltsam der "Volksrepublik China" anzugliedern. In Peking ist in diesem Zusammenhang in der Regel von einer "abtrünnigen Provinz" die Rede.

Die Volksrepublik China hat derzeit sieben relative eigenständige militärische Regionaleinheiten mit einem klaren Schwerpunkt auf Bodentruppen. Seit Jahren verzeichnen Experten sichtliche Bemühungen, die Streitkräfte von einer konventionellen Massenarmee technologisch aufzurüsten, neu auszustatten und auch in den operativen Fähigkeiten zu modernisieren. Die Führung in Peking hat im vergangenen Jahr angekündigt, ihre Militärausgaben um mehr als 10 Prozent auf rund 183 Milliarden Dollar pro Jahr zu erhöhen.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

Mehr zum Thema