Politik
Mittwoch, 09. März 2011

Tote bei Auseinandersetzungen in Kairo: Christen und Muslime kämpfen

Aus Protest gegen eine in Brand gesetzte Kirche gehen in Kairo hunderte koptische Christen auf die Straße. Es kommt zu Auseinandersetzungen mit Muslimen. Nach offiziellen Angaben sterben elf Menschen, mehr als hundert werden verletzt. Auf dem Tahrir-Platz kommt es zu Zusammenstößen zwischen Oppositionellen und Mubarak-Getreuen.

Koptische Christen demonstrieren vor dem Informationsministerium in Kairo.
Koptische Christen demonstrieren vor dem Informationsministerium in Kairo.(Foto: dpa)

Bei schweren Ausschreitungen zwischen Muslimen und Christen in Ägypten sind in der Nacht zum Mittwoch in der Kairoer Vorstadt Mokattam elf Menschen getötet worden. Es waren die blutigsten Zusammenstöße seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak am 11. Februar. Sechs der Toten waren koptische Christen, die anderen fünf Muslime, teilte die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft in Kairo mit. In den Krankenhäusern würden zudem 75 Muslime und 25 Christen wegen Verletzungen behandelt, fügte die Behörde hinzu. Ein Rechtsanwalt der koptisch-orthodoxen Kirche erklärte, alle zehn ihm bekannten Toten seien Christen gewesen. Andere Quellen sprachen von mindestens 13 Toten.

Mindestens tausend Christen hatten sich am Dienstag in Kairo versammelt, um gegen einen Brandanschlag auf eine Kirche im Süden der Metropole am Samstag zu protestieren. Sie blockierten dabei eine Schnellstraße. Wütende Muslime gingen daraufhin mit Messern, Brandsätzen und abgebrochenen Flaschenhälsen gegen die Kopten vor. Auch Schusswaffen sollen zum Einsatz gekommen sein. Die Kämpfe weiteten sich auf benachbarte Viertel aus und wurden erst in den Morgenstunden vom Militär gestoppt. Die bewaffneten Muslime setzten Häuser und Warenlager in Brand, sagte ein koptischer Priester. Das Militär nahm 15 Menschen wegen illegalen Waffenbesitzes und Sachbeschädigung fest, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Über ihre konfessionelle Zugehörigkeit wurde nichts gesagt.

Kirche in Brand gesetzt

Geschäfte und Wohnhäuser waren bei den Auseinandersetzungen in Flammen aufgegangen.
Geschäfte und Wohnhäuser waren bei den Auseinandersetzungen in Flammen aufgegangen.(Foto: dpa)

Bereits in den vergangenen Tagen hatten sich tausende Kopten im Zentrum Kairos versammelt, um gegen die Gewalt gegen ihre Glaubensgruppe und die dabei in Brand gesetzte Kirche in der Provinzstadt Sol zu demonstrieren. Sie forderten, dass die Kirche wieder aufgebaut wird und die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Der ägyptische Militärrat, der nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak die Macht übernommen hat, versprach am Montag, den Forderungen nachkommen zu wollen. Die Gewalt zwischen Muslimen und Kopten war wegen einer Fehde zweier Familien in Sol eskaliert, die eine Liebesbeziehung zwischen einem Christen und einer Muslimin ablehnten.

In Ägypten liefern sich Kopten und Muslime immer wieder heftige Auseinandersetzungen. Bei einem Anschlag auf koptische Christen in Alexandria waren in der Neujahrsnacht 23 Menschen getötet worden. Bislang bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Die Kopten sind die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten und machen bis zu zehn Prozent der 80 Millionen Einwohner Ägyptens aus. Sie sehen sich im Alltag Diskriminierungen und Benachteiligungen ausgesetzt.

Zusammenstöße auf dem Tahrir-Platz

Auf dem Tahrir-Platz wurden mehrere Menschen verletzt.
Auf dem Tahrir-Platz wurden mehrere Menschen verletzt.(Foto: AP)

Auf dem Kairoer Tahrir-Platz haben derweil bewaffnete Männer hunderte Dauerdemonstranten angegriffen. Die Angreifer, die mit Messern und Macheten bewaffnet gewesen seien, hätten den Platz gestürmt, berichtete das Staatsfernsehen. Die Demonstranten wehrten sich mit Steinen und Stöcken gegen die Angreifer, bei denen es sich um Anhänger Mubaraks handeln soll. Die TV-Bilder zeigten, wie Steine geworfen wurden und sich die Demonstranten verstreuten und in Deckung gingen. Augenzeugen berichteten von mehreren Verletzten. Die Armee räumte daraufhin gewaltsam den Platz. Dabei wurden mehrere Menschen leicht verletzt.

Der Tahrir-Platz hatte während des Volksaufstands gegen Mubarak das Epizentrum der Proteste dargestellt. Noch immer harren hunderte Aktivisten der Demokratiebewegung auf dem Platz aus. Sie verlangen die Freilassung aller politischen Gefangenen sowie Gerichtsverfahren gegen die Verantwortlichen des Mubarak-Regimes. Die Ausschreitungen ereigneten sich zeitgleich mit einem Treffen der Übergangsregierung mit dem obersten Militärrat. Bei dem Treffen sollte über ein Gesetz beraten werden, dass Anstiftung zum Hass kriminalisieren und mit dem Tod bestrafen soll, wie das Staatsfernsehen berichtete.

Quelle: n-tv.de

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