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Reaktion auf Giftgasattacke Das wissen wir über den US-Angriff in Syrien

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Das Bild des russischen Verteidigungsministeriums zeigt Teile des von den USA angegriffenen Luftwaffenstützpunkts.

(Foto: AP)

Mit einem Raketenangriff auf eine syrische Luftwaffenbasis greift US-Präsident Trump direkt in den Syrienkonflikt ein. Russland und Syrien protestieren, Verbündete stellen sich hinter die USA. Doch die Angst vor einer Eskalation der Lage bleibt.

Erstmals seit Beginn des Krieges in Syrien vor sechs Jahren haben die USA direkt Regierungstruppen von Machthaber Baschar al-Assad attackiert. Als Vergeltung für einen mutmaßlichen Giftgasangriff am Dienstag ließ US-Präsident Donald Trump in der Nacht zum Freitag eine syrische Luftwaffenbasis mit Raketen beschießen.

Wie erfolgte der Angriff? Nach US-Angaben wurden 59 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk auf die Luftwaffenbasis Al-Schairat in der Provinz Homs abgefeuert. Von dort soll am Dienstag der mutmaßliche Giftgasangriff geflogen worden sein. Abgeschossen wurden die Raketen von zwei US-Kriegsschiffen, die im östlichen Mittelmeer stationiert sind. Getroffen werden sollten syrische Kampfjets, die Luftabwehr und andere Einrichtungen. Ausgenommen gewesen seien russische Sektoren auf dem Gelände.

Wie viele Raketen ihr Ziel tatsächlich trafen, ist unklar. Laut Moskau erreichten nur 23 Marschflugkörper ihr Ziel. Nach 36 weiteren "Tomahawk" werde gesucht. Für die Angaben gibt es keine Bestätigung. Aus syrischen Militärkreisen hieß es, zwölf Kampfjets und Hubschrauber, Treibstofflager sowie zwei Start- und Landebahnen seien getroffen worden. Nach Angaben der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurde die Luftwaffenbasis bei dem Angriff fast vollständig zerstört.

War die Bundeswehr beteiligt? Das Verteidigungsministerium versicherte, die Bundeswehr habe nichts mit der Attacke zu tun. Allerdings hieß es aus dem Verteidigungsministerium, der syrische Luftraum könnte nun für die Bundeswehr unsicherer werden, da Russland eine Vereinbarung zur Vermeidung von Zwischenfällen ausgesetzt hat. In Syrien sind deutsche "Tornado"-Jets als Aufklärungsflugzeuge im Einsatz.

Gab es Tote und Verletzte? Nach syrischen Angaben starben sechs Menschen, darunter drei Militärangehörige. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, dass in Dörfern rund um den Stützpunkt neun Zivilisten getötet wurden, darunter vier Kinder. Allerdings wurden ein Großteil des Personals und auch der syrischen Kampfflugzeuge in Sicherheit gebracht, weil die USA Moskau - und auch die Bundesregierung - im Vorfeld über den Angriff informierten.

Warum erfolgte der Angriff? In einer Fernsehansprache begründete Trump den Angriff damit, dass es im "grundlegenden nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten" liege, die weitere Verbreitung von chemischen Waffen zu verhindern. Er appellierte an alle "zivilisierten Nationen", das Blutvergießen in Syrien zu stoppen. Washington macht Assad für die Attacke mit dem Nervengift Sarin verantwortlich. Russland und die syrische Regierung weisen eine Verantwortung zurück. Nach ihrer Darstellung wurde bei dem Luftangriff ein Giftgas-Lager von Rebellen getroffen.

Wie reagierte das syrische Regime? Damaskus verurteilte den Angriff als "dumm und unverantwortlich". Das Verhalten der USA offenbare nur deren "Kurzsichtigkeit und politische und militärische Blindheit für die Realität", erklärte das Büro Assads. Die syrische Armee habe keine Chemiewaffen mehr, das habe nach der Entwaffnung auch die zuständige UN-Organisation bestätigt, hieß es.

Wie reagierte Moskau? Der Kreml, der engste Verbündete Assads, erklärte, es handele sich um einen "Angriff gegen einen souveränen Staat". Präsident Wladimir Putin werte die Attacke als Aggression und Verstoß gegen internationales Recht, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow. Den russisch-amerikanischen Beziehungen werde ein "signifikanter Schaden" zugefügt. Moskau setzte zudem eine Vereinbarung mit den USA aus, mit der Kollisionen im syrischen Luftraum verhindert werden sollten. Außerdem werde die Luftabwehr des syrischen Militärs ausgebaut, sagte ein russischer Armeesprecher. Eine russische Fregatte mit Marschflugkörpern wurde ins östliche Mittelmeer verlegt.

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US-Medien berichten auf den Titelseiten von dem Raketenangriff.

(Foto: imago/Levine-Roberts)

Nach Ansicht des russischen Regierungschefs Dmitri Medwedew hätte der Angriff beinahe zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland geführt. "Zwischen uns gibt es absolutes Misstrauen", schrieb Medwedew auf Facebook. "Die USA stehen in einem heftigen Konflikt mit dem Völkerrecht, es gibt keine Zustimmung der Vereinten Nationen."

Russland forderte zudem eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Eine Verurteilung wird es dort aber nicht geben - die USA sind Vetomacht. Am Mittwoch hatte Russland eine Resolution verhindert, die den mutmaßlichen Giftgasangriff verurteilen sollte.

Was sagen die syrischen Rebellen? Syrische Aktivisten feierten euphorisch US-Präsident Donald Trump. Einzelne Gruppen verlangten aber weitere US-Angriffe auf die Regierungstruppen.

Wie reagierte die EU? Deutschland und die anderen 27 EU-Staaten warnten vor einer militärischen Eskalation. "Die EU ist fest davon überzeugt, dass der Konflikt nicht militärisch gelöst werden kann", teilte die Außenbeauftragte Federica Mogherini im Namen der EU mit. Sie forderte eine politische Lösung des Konflikts. EU-Ratspräsident Donald Tusk erklärte, Washington habe mit der "nötigen Entschlossenheit auf die barbarischen Chemiewaffenangriffe" reagiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte den US-Angriff "angesichts der Dimension der Kriegsverbrechen, angesichts des Leids der unschuldigen Menschen und angesichts der Blockade im UN-Sicherheitsrat nachvollziehbar". Sie forderte ein Ende der Regierung Assad. In einer gemeinsamen Erklärung mit Frankreichs Präsident François Hollande gab sie dem syrischen Machthaber die "alleinige Verantwortung für diese Entwicklung".

Was sagt die Türkei? Die Türkei begrüßte den Angriff. Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte aber weitere Schritte. Er begrüße diesen "konkreten Schritt als positiv", doch sei er "nicht ausreichend", es bedürfe weiterer Maßnahmen zum Schutz des "unterdrückten syrischen Volkes", sagte Erdogan in einer Rede in der südtürkischen Provinz Hatay. Erdogan ist seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien ein entschiedener Assad-Gegner.

Und die andere Staaten? China rief alle Seiten dazu auf, nach einer politischen Lösung für den Konflikt zu suchen. Der Iran, ein Verbündeter Syriens, verurteilte den US-Luftangriff scharf. Saudi-Arabien, Erzrivale des Iran, begrüßte ihn hingegen als "mutige Entscheidung" Trumps. Der Luftangriff sei eine "angemessene Reaktion auf den barbarischen Chemiewaffenangriff der syrischen Regierung", hieß es aus London. Kanada unterstützt nach Angaben von Premier Justin Trudeau den US-Angriff "vollkommen". Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüßte den US-Angriff als eine "starke und klare Botschaft".

Sollen weitere Angriffe folgen? Nach Angaben des Weißen Hauses diente der Angriff der Abschreckung. US-Außenminister Rex Tillerson versicherte, der Luftangriff sei eine einmalige Aktion. Eine weitere Eskalation sei nicht geplant. Allerdings betonte er vor Journalisten auch: "Dies zeigt klar, dass der Präsident entschlossen ist, entschiedene Maßnahmen zu ergreifen, wenn es nötig sein sollte." Auch die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen drohte mit erneuten Angriffen.

Wie reagieren die Märkte? Unter Anlegern löste der Angriff Sorgen aus. Die Börsenkurse weltweit fielen, der Deutsche Aktienindex in Frankfurt, aber auch Börsen in London und Paris gaben nach. Die Anleger wandten sich stattdessen sicheren Geldanlagen wie Gold zu. Aus Sorge um die Öllieferungen aus dem Nahen Osten stiegen die Ölpreise zeitweise um fast zwei Prozent.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/rts/dpa

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