Politik

Wikileaks beschuldigt "Guardian" Datenleck gefährdet Informanten

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(Foto: dpa)

Ein Leak bei Wikileaks: Im Internet kursieren Tausende unverschlüsselte Botschaftsdepeschen von Wikileaks, die Namen von anonymen Quellen und Informanten verraten. Das Datenleck bringt die Enthüllungsplattform in Erklärungsnot. Wikileaks beschuldigt einen Journalisten, Schuld an dem Desaster zu sein.

Eine schwere Datenpanne bei der Enthüllungsplattform Wikileaks bringt mehr als 100 Informanten der USA in akute Gefahr. Die Kontaktpersonen waren von amerikanischen Diplomaten für besonderen Schutz vorgesehen, weil sie zum Teil sensible Informationen lieferten. Wikileaks hatte die mehr als 250.000 Depeschen aus US-Botschaften in aller Welt stets in redigierter Form veröffentlicht - ohne die Namen gefährdeter Personen, um sie zu schützen. Jetzt aber sind die Originaltexte für jeden im Internet verfügbar, der gezielt danach sucht.

Wikileaks macht dafür einen Journalisten der britischen Zeitung "The Guardian" verantwortlich. David Leigh habe in einem Buch "rücksichtslos und ohne unsere Zustimmung einzuholen" ein Passwort zur Entschlüsselung der zum Teil noch unredigierten Botschaftsdepeschen veröffentlicht, warf Wikileaks Leigh in einer Erklärung vor.

Der "Guardian" wies die Vorwürfe zurück. "Es ist Unsinn zu behaupten, dass das Wikileaks-Buch des 'Guardian' in irgendeiner Weise die Sicherheit gefährdet hat", erklärte die britische Zeitung. In dem Buch sei zwar ein Passwort genannt worden, "uns wurde aber gesagt, dass es ein zeitlich begrenztes Passwort sei, das verfallen und binnen Stunden gelöscht werde".

Schlammschlacht mit Domscheit-Berg

Die Enthüllungsplattform hatte bei der umstrittenen Veröffentlichung tausender Botschaftsdokumente mit der britischen Zeitung sowie anderen internationalen Medien zusammengearbeitet. Nun beschuldigt Wikileaks den "Guardian", mit der Herausgabe des Buches im Februar dieses Jahres gegen eine Vertraulichkeitsabsprache verstoßen und Menschen gefährdet zu haben. Man prüfe deshalb juristische Schritte "gegen den 'Guardian' und eine Person in Deutschland, die das Passwort zum persönlichen Nutzen weiterverteilt hat".

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Assange wirft seinem früheren Partner Domscheit-Berg vor, die Informationen weitergegeben zu haben.

(Foto: dpa)

Dabei handelt es sich um eine Anspielung auf den Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg, der inzwischen eine alternative Enthüllungsplattform namens OpenLeaks gegründet und sich mit seinem ehemaligen Partner Julian Assange zerstritten hat. Zu den Medienpartnern von OpenLeaks gehört die Wochenzeitung "der Freitag", der in der vergangenen Woche über die freie Verfügbarkeit der Botschaftsdepeschen in ihren Originaltexten berichtet hatte.

"Maß an Niedertracht"

Assange hat Domscheit-Berg über einen Anwalt den Bruch von Absprachen und Selbstverpflichtungen sowie "ein gesteigertes Maß an Niedertracht" vorgeworfen. Er habe Journalisten Hinweise zur Öffnung der verschlüsselten Dateien gegeben, hieß es in einem Schreiben des Anwalts Johannes Eisenberg: "Mit Ihrem Tun gefährden Sie möglicherweise das Leben und die rechtlichen Interessen Dritter." Domscheit-Berg erwiderte, Assange wolle lediglich von eigenem fahrlässigen Handeln ablenken.

Unterdessen ist neun Monate nach Abschaltung der Internet-Adresse wikileaks.org ist die Enthüllungsplattform inzwischen wieder über ihre Stammadresse erreichbar. Anfang Dezember 2010 hatte die US-Internet-Firma everyDNS.net die zentrale Adresse entfernt. Das Unternehmen begründete die Entscheidung mit massiven Attacken auf die Webseite, nachdem Wikileaks mit der Veröffentlichung von Berichten amerikanischer Diplomaten begonnen hatte. Das Aus für wikileaks.org löste damals eine breite Solidarisierungswelle aus.

Quelle: ntv.de, tis/dpa/AFP

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