Politik

Hingerichtete im Iran gefoltert? Den Haag ruft Botschafter zurück

Die Beziehungen zwischen den Niederlanden und dem Iran erleben eine neue diplomatische Eiszeit. Den Haag zieht seinen Botschafter aus Teheran ab und protestiert damit gegen ein Todesurteil gegen eine Niederländerin iranischer Abstammung.

2011-02-05T115401Z_01_TEH05_RTRMDNP_3_IRAN.JPG3697604132570003889.jpg

Wer im Iran gegen Ahmadinedschad protestiert, muss mit dem Schlimmsten rechnen.

(Foto: REUTERS)

Eine regimekritische Iranerin mit niederländischer Staatsangehörigkeit hat Ende 2009 in Teheran gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad protestiert. Von einem Revolutionsgericht wurde sie wegen Drogenbesitzes und -handel zum Tode verurteilt. Jetzt protestierte die Regierung in Den Haag gegen das iranische Vorgehen und rief seinen Botschafter aus Teheran zurück.

Der Schritt erfolge aus Protest gegen "das respektlose Verhalten der Iraner gegenüber den Angehörigen" der Frau, erklärte Außenminister Uri Rosenthal während einer Nahost-Reise in der jordanischen Hauptstadt Amman.

Die iranischen Behörden hatten die Leiche der 46-jährigen Sarah Bahrami am Sonntag ohne Vorankündigung rund 400 Kilometer von Teheran entfernt begraben lassen. Angehörige - darunter Bahramis in Holland lebende Tochter - konnten nicht dabei sein. Die Frau war nach Angaben der Teheraner Staatsanwaltschaft am 29. Januar wegen Drogenvergehen gehängt worden. In den Niederlanden wurde hingegen die Vermutung laut, sie sei zu Tode gefoltert worden.

Konsularische Hilfe verweigert

Bahrami war Ende 2009 nach der Teilnahme an der Protestaktionen gegen Ahmadinedschad festgenommen worden. Im Januar 2010 wurde sie "wegen des Besitzes von 450 Gramm Kokain und der Beteiligung am Verkauf von 150 Gramm Kokain" zum Tode verurteilt.

Außenminister Rosenthal hatte die Vollstreckung des Todesurteils als "Schandtat durch ein barbarisches Regime" bezeichnet und die diplomatischen Beziehungen zu Teheran offiziell auf Eis gelegt. Die iranischen Behörden hatten Bahrami konsularische Hilfe durch die Niederlande verweigert. Der Iran erkenne keine doppelte Staatsbürgerschaft an, hieß es zur Begründung.

Quelle: ntv.de, dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen