Bundeswehr in die Ukraine?Deutschlands halbe Solidarität ist Verrat

Frankreich und Großbritannien bereiten sich auf die Entsendung von Soldaten in die Ukraine vor, um einen Waffenstillstand abzusichern. Und Deutschland? Will Führungsmacht sein, druckst aber herum, wenn es gefährlich wird. Die deutsche Feigheit aber droht ganz Europa auf die Füße zu fallen.
Am 6. Januar 2026 unterzeichneten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premier Keir Starmer und der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj in Paris eine trilaterale Absichtserklärung. Die Vereinbarung lautet im Klartext: Nach einem Waffenstillstand sollen französische und britische Truppen auf ukrainischem Boden stationiert werden. Es geht um Stützpunkte im ganzen Land, um geschützte Basen für Waffen und Ausrüstung, um multinationale Schutzkontingente. Echte boots on the ground.
Die Vereinbarung ist die bislang deutlichste europäische Antwort auf die zentrale Frage dieses Krieges: Wie verhindert man den nächsten russischen Angriff, wenn der aktuelle irgendwann einfriert? Die Antwort a Paris und London ist eindeutig: Durch physische Präsenz. Durch geteiltes Risiko. Durch Abschreckung. Die Botschaft an Putin ist unmissverständlich: Ein erneuter Überfall wird nicht nur ukrainisches Blut kosten - er wird europäisch beantwortet.
Und Deutschland? Kanzler Friedrich Merz distanziert sich erneut. Deutsche Truppen könnten vor allem in "benachbarten Nato-Staaten" wie Polen oder Rumänien eingesetzt werden. Direkt in der Ukraine? Hierzu nur ein ausweichendes "Wir schließen nichts aus". Das ist keine Strategie. Das ist ein Manöver. Übersetzt heißt es: Deutschland will Teil der Kulisse sein, aber nicht Teil des Risikos. Solidarität ja - solange sie nicht wehtut.
Ein einziges Weiter-so
Dieses Muster ist alt. 2022 begann es mit den berüchtigten 5.000 Helmen - ein Symbol deutscher Hilflosigkeit, das sich tiefer ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat als jede spätere Waffenlieferung. Es folgte das monatelange Gezerre um die Leopard-Panzer, stets begleitet von der Angst, "zu weit zu gehen", "Putin zu provozieren", "eine Eskalation zu riskieren". Dann Taurus: Erst angekündigt. Dann blockiert. Schlussendlich politisch beerdigt. Und jetzt, wo es nicht mehr um Material, sondern um Glaubwürdigkeit geht, wieder dasselbe Spiel: Alibibeiträge statt Führungsverantwortung. Der reichste Staat Europas delegiert die gefährliche Arbeit an andere. Wieder einmal.
Was ist das für eine Solidarität, bei der der stärkste Partner systematisch versucht, die Risiken auszulagern? Innenpolitisch mag das opportun erscheinen. Deutschland ist ein Land historischer Traumata, moralischer Selbstüberhöhung und gleichzeitiger Feigheit. Eine Bevölkerung, die "kriegsmüde" ist, obwohl sie selbst keinen Krieg erlebt hat. Eine politische Klasse, die Eskalation als etwas betrachtet, das vor allem kommunikativ gemanagt werden muss. Als sei Abschreckung eine Frage der richtigen Wortwahl - nicht der Bereitschaft, im Ernstfall einzustehen.
Das historische Versagen soll das neue rechtfertigen
Besonders perfide wird diese Haltung, wenn man Stimmen wie die des ehemaligen SPD-Abgeordneten Axel Schäfer hört: "Deutsche Truppen in der Ukraine, wo die Nazis furchtbare Gräuel angerichtet haben, wären fast so schlimm wie deutsche Truppen in Israel", sagte er der taz. Hier wird das historische Trauma nicht als Ansporn für besondere Verantwortung genutzt, sondern als ewige Ausrede für Untätigkeit. Die Ukraine war eines der Hauptverbrechenfelder der Wehrmacht und SS - Babyn Jar, Massaker, Vernichtungspolitik. Nach dieser Logik wäre jede deutsche Präsenz dort tabu.
Doch genau darin liegt die Perversion: Folgt man ihr konsequent, dürfte Deutschland im Falle eines erneuten russischen Angriffs ebenfalls nicht eingreifen - weder präventiv noch reaktiv. Die historische Schuld würde dann jede Verteidigung der Ukraine gegen Aggression unmöglich machen. Ergebnis: Eine einseitige Abschreckung, die Putin ausnutzen würde. Statt Wiedergutmachung und Schutz wird die Geschichte zur Begründung für weniger Verantwortung pervertiert.
Ja, die Bundeswehr ist in einem desolaten Zustand. Jahrzehntelang kaputtgespart, personell ausgedünnt, materiell marode, mental entkernt. Kaum einsatzfähig für Hochrisikoszenarien. Aber genau darin liegt die moralische Perfidie der deutschen Argumentation: Die eigene Verantwortungslosigkeit der Vergangenheit wird zur Ausrede der Gegenwart. Statt zu sagen: Gerade weil wir versagt haben, müssen wir jetzt mehr leisten, heißt es: Weil wir versagt haben, können wir nicht.
Abschreckung gekonnt unterlaufen
Außenpolitisch ist diese Haltung ein Affront. Sie impliziert eine unausgesprochene, aber spürbare Hierarchie innerhalb Europas: Deutsches Leben gilt als schützenswerter, wertvoller, politisch sensibler als französisches oder britisches. Seit wann gilt in Europa, dass ein deutscher Soldat mehr zählt als ein englischer oder französischer? Diese implizite Ungleichheit zerstört Vertrauen. Sie vergiftet. Und sie schwächt genau das, was sie angeblich schützen will: Abschreckung.
Denn Russland liest diese Signale sehr genau. Moskau reagiert nicht auf Appelle, nicht auf moralische Entrüstung, nicht auf "klare Worte". Russland reagiert auf Kosten. Auf Risiken. Auf die Aussicht, dass ein Angriff nicht nur militärisch, sondern politisch und strategisch scheitert. Die Geschichte der letzten zehn Jahre ist eindeutig: Die Abkommen von Minsk scheiterten nicht, weil sie zu hart waren - sondern weil sie zu weich waren. Weil niemand bereit war, die Einhaltung durchzusetzen.
Auch aktuelle Beispiele zeigen das Prinzip. Harte, präzise Schläge gegen russische Tanker. Massive wirtschaftliche Verluste. Große rhetorische Drohungen aus Moskau - und dann: nichts. Keine Eskalation, keine rote Linie, kein Gegenschlag. Warum? Weil Stärke abschreckt. Weil sie Handlungsspielräume schließt. Schwäche hingegen öffnet sie. Abschreckung funktioniert nur, wenn Risiken geteilt werden. Wenn Verlässlichkeit nicht relativiert wird. Halbe Lösungen schaffen Grauzonen - und genau diese Grauzonen sind Putins Spielfeld. Frankreich und Großbritannien haben das verstanden. Sie übernehmen nun jene Führungsrolle, die Berlin jahrzehntelang rhetorisch für sich beanspruchte, praktisch aber immer scheute.
Deutschland steht damit vor einer historischen Entscheidung. Nicht einer moralischen, nicht einer symbolischen - sondern einer strategischen. Entweder es duckt sich weiter weg und zahlt später einen deutlich höheren Preis. Oder es erkennt an, dass europäische Sicherheit nicht delegierbar ist. Dass Führung nicht darin besteht, Bedenken zu formulieren, sondern Verantwortung zu tragen. Eine robuste, gemeinsame Präsenz aller großen europäischen Staaten in der Ukraine würde echte Sicherheit schaffen. Sie würde Putin klar machen: Dieser Kontinent steht nicht nur rhetorisch zusammen - er ist bereit, Konsequenzen zu tragen.
Halbe Solidarität ist kein Kompromiss. Sie ist Verrat. Deutschland muss aufhören, sich hinter Geschichte, Strukturen und Ausreden zu verstecken - und endlich das tun, was es von anderen erwartet: Verantwortung übernehmen. Sonst bleibt es der ewige Bremser. Und Europa wird dafür bezahlen.
