Politik

Vier Fragen an Forsa "Die AfD kann Unzufriedene abfangen"

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Verhilft die Griechenland-Debatte Bernd Lucke und seiner AfD in den Bundestag?

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit einem Satz bringt Bundesfinanzminister Schäuble Schwung in den Wahlkampf. Nur wem hilft die Debatte über ein neues Griechenland-Paket? "Nicht der SPD", sagt Forsa-Politikchef Peter Matuschek im Interview mit n-tv.de. Keinen großen Einfluss auf die Wahl verspricht er sich zudem vom TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück.

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Forsa-Politikchef Peter Matuschek

n-tv.de: Die Grünen sind der größte Verlierer im neuen "Stern-RTL-Wahltrend". Woran liegt's?

Peter Matuschek: Die Grünen haben versucht, sich zusätzlich zu den Themen Umwelt, Frauen und Frieden auch noch das Thema soziale Gerechtigkeit anzueignen. Das wurde dann jedoch wieder überlagert, zum Beispiel durch die Forderung nach einem "Veggie Day". Dadurch wurde das Profil der Grünen wieder verwässert. Nach außen hin ist die Linke bei den sozialen Themen deutlich kohärenter und konsequenter. Deswegen gewinnen sie deutlich hinzu.

Für Unruhe gesorgt hat die Äußerung Wolfgang Schäubles über ein neues Hilfspaket für Griechenland. Kann die SPD davon profitieren, obwohl sie in beiden Abstimmungen über die Hilfspakete immer gemeinsam mit der Regierung gestimmt hat?

In jedem Fall taugt Griechenland als Thema nicht für die SPD. Es ist ein Widerspruch, wenn man die Bundesregierung hier kritisiert und andererseits die Rettungspakete mitbeschlossen hat. Konsequent ist das nicht. Daher kann sich die SPD damit nicht absetzen.

Die AfD dafür umso mehr?

Das Griechenland-Thema hilft eher der Union, die in der Eurokrise als Stabilitätsanker wahrgenommen wird. Die AfD kann möglicherweise einige Unzufriedene abfangen. Sie ist nach wie vor im Bereich der drei Prozent. Dazu kommt möglicherweise eine gewisse Dunkelziffer, durch die sich bis zum Wahltag noch etwas tun kann.

Am Wochenende ist das TV-Duell zwischen Kanzlerin Merkel und Kanzlerkandidat Steinbrück. Was für eine Wirkung messen Sie der Auseinandersetzung bei?

Das hängt stark vom Verlauf ab. Erfahrungsgemäß war die Wirkung solcher Duelle immer eher begrenzt. Zudem liegt das Aufeinandertreffen ja relativ weit weg vom Wahltag. Bei der letzten Wahl haben die beiden großen Parteien zunächst beide profitiert. Dieser Effekt hat sich dann aber relativ schnell wieder ausgeschlichen. Große Effekte sind auch diesmal nicht zu erwarten, es sei denn, es passiert etwas Gravierendes. Steinbrück muss natürlich angreifen, dabei aber gleichzeitig staatstragend genug bleiben. Es hat sich bisher nicht ausgezahlt, eine sehr populäre Kanzlerin frontal anzugreifen. Negativwahlkampf ist in Deutschland immer kontraproduktiv und wird von den Wählern nicht akzeptiert.

Mit Peter Matuschek sprach Christian Rothenberg

Quelle: n-tv.de

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