Politik

Wissenspaket zum US-Machtwechsel Diese Fakten muss selbst Trump anerkennen

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Joe Biden wird der älteste Präsident, Kamala Harris die erste Vizepräsidentin der US-Geschichte sein.

(Foto: REUTERS)

Überraschende Details begleiten den Machtwechsel in den USA: Der anstehende Amtsantritt von Joe Biden als Präsident entlarvt die Trump-Episode als historischen Sonderfall. Experten erkennen sogar Parallelen zur Ära der Gründerväter.

Mehr als zwei Monate nach der aufsehenerregenden Präsidentschaftswahl in den USA folgte mit der Inauguration der Schlussakt. Doch sind Sie schon mit den neuen Details vertraut, die den Machtwechsel begleiten? Seit der Kongress das Ergebnis nach zunächst skandalösen Szenen im Kapitol offiziell bestätigt hat, ist endgültig klar: Die Vereinigten Staaten von Amerika bekommen mit Joe Biden einen neuen Amtsinhaber im Weißen Haus. Lincoln, Kennedy, Obama - der Demokrat wird sich in die Riege klangvoller Namen der US-Geschichte einreihen. Der Wechsel in Washington ist umgeben von zahlreichen verblüffenden Fakten, mit denen Kenner nicht nur in Raterunden und privaten Debatten glänzen können.

Joe Biden trägt die "falsche" Nummer: Das erste Kuriosum geht auf einen historisch gewachsenen Sonderfall zurück: Mit der Vereidigung am 20. Januar tritt Biden als Nachfolger Donald Trumps die 46. Präsidentschaft an, ist aber genau genommen erst der 45. US-Präsident. Grund ist die eigentümliche Zählweise der Amtsgeschichte: Die offizielle Nummerierung folgt den Amtsperioden und nicht den Amtsinhabern.

Biden ist offiziell der 16. Kandidat der Demokratischen Partei, der das Amt des US-Präsidenten einnimmt. Rein theoretisch ist er allerdings erst der 15. Präsident der Demokraten, weil Grover Cleveland im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Besonderheit gelang: Da der Demokrat als bisher einziger Präsident zwei nicht direkt aufeinander folgende Amtszeiten absolvierte, taucht er in der Liste der US-Präsidenten zweimal auf, als 22. und 24. Amtsinhaber. Genau genommen müsste Biden folglich auch in der Reihe der Regierungschefs theoretisch eine Nummer kleiner rangieren - also als der 45. US-Präsident. In der offiziellen Zählung wird er allerdings als Nachfolger Trumps (45) mit der Nummer 46 geführt.

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Abgewählter Trump: Auf republikanischer Seite ist die Zählweise hingegen linear. Die Grand Old Party (Große Alte Partei) kann auf insgesamt 19 Präsidentschaften zurückblicken. In der US-Geschichte konnten die beiden heute so dominanten Parteien Demokraten und Republikaner gemeinsam also erst 35 Kandidaten ins höchste politische Amt der USA entsenden. Die übrigen US-Präsidenten gehörten insbesondere in den frühen Jahren Parteien an, die längst verblasst sind und heute keine Rolle mehr spielen.

Donald Trump war formell als Kandidat der Republikaner angetreten und genießt nach wie vor die Unterstützung großer Teile der Partei. Sein Rückhalt und auch seine Popularität haben in den letzten Monaten jedoch deutlich gelitten. Als erster Präsident seit George H. W. Bush im Jahr 1992 wurde der (angebliche) Multimilliardär nicht für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Insgesamt sind es mit Trump nun zehn US-Präsidenten, die trotz einer erneuten Kandidatur nur eine Legislatur lang regieren durften. Die Abwahl eines Amtsinhabers im Weißen Haus kam in der US-Geschichte bisher also nur vergleichsweise selten vor.

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Gemeinsamkeit mit Nixon

Aller guten Dinge sind drei: Trumps Nachfolger Joe Biden blickt unterdessen seiner ersten Amtszeit als President of the United States (kurz: POTUS) entgegen. Er reiht sich somit in die Gruppe der ehemaligen Vizepräsidenten ein, die später selbst Regierungschef wurden: Unter Trumps demokratischem Vorgänger Barack Obama bekleidete Biden von 2009 bis 2017 das Amt des Vizepräsidenten.

Noch 2008 war Biden seinem Kumpel Obama im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur unterlegen. Auch bereits 1988 hatte der damalige Senator erfolglos einen Anlauf aufs Weiße Haus genommen. Im nunmehr dritten Versuch sollte die Mission gelingen. Biden ist mit dem Politikbetrieb in der US-Hauptstadt bestens vertraut: Vor seiner Zeit als Vizepräsident vertrat er den US-Ostküstenstaat Delaware von 1973 bis 2009 im US-Senat.

Spätzünder Nixon und Biden: Als ehemaliger Stellvertreter mit neuem Job im Oval Office ist Biden historisch in illustrer Gesellschaft. Vor ihm haben es insgesamt 14 einstige Vizepräsidenten ins oberste Amt geschafft - neun davon allerdings nur, weil ihr jeweiliger Chef im Amt verstorben ist, ermordet wurde oder, wie 1974 im Falle Richard Nixons, zurückgetreten ist. Apropos Richard Nixon: Biden ist nach Nixon erst der zweite ehemalige Stellvertreter, der nicht unmittelbar nach seiner Vizepräsidentschaft ins höchste Amt aufrückt. Zuvor war dies bislang nur Nixon nach seiner achtjährigen Amtszeit (1953 bis 1961) als Stellvertreter von Dwight D. Eisenhower gelungen.

Auf den Spuren der Gründerväter: Insgesamt sind es inklusive Biden bisher nur sechs ehemalige Vizepräsidenten, die sich durch eine Wahl für ihre erste Amtszeit als Regierungschef qualifizieren konnten. Vor Biden hatte dies zuletzt George H.W. Bush (der Vater des späteren US-Präsidenten George W. Bush) geschafft, als er 1989 seinen damaligen Vorgesetzten Ronald Reagan ablöste.

Als erstem gelang solch ein Machtwechsel gleich dem ersten Vizepräsidenten John Adams, der im Jahr 1797 auf George Washington folgte. Auch dessen Stellvertreter Thomas Jefferson - wie Washington und Adams einer der US-Gründerväter - stieg 1801 vom Vizeposten ins höchste politische Amt auf. Zwar gewannen die ehemaligen Vizes Theodore Roosevelt (1904), Calvin Coolidge (1924), Harry S. Truman (1948) und Lyndon B. Johnson (1964) ebenfalls eine Präsidentschaftswahl, allerdings waren diese zuvor bereits durch besondere Umstände und ohne Wahl ins höchste politische Amt der USA aufgerückt.

Vergreisung im Oval Office: Ein Alleinstellungsmerkmal unter den Präsidenten hat Biden mit Blick auf sein Alter. Alle seine Vorgänger waren bei ihrem Amtsantritt deutlich jünger als der 78-Jährige. Kurzum: Joe Biden wird als der mit Abstand älteste Präsident der Vereinigten Staaten in die Geschichte eingehen. Genau genommen ist er am 20. Januar 2021, dem Tag seiner Amtseinführung, 78 Jahre und 61 Tage alt.

Die bisherige Rekordmarke hatte sein Amtsvorgänger Trump inne, der zum Zeitpunkt seiner Amtseinführung zu Beginn des Jahres 2017 stolze 70 Jahre und 220 Tage alt war. Der bislang jüngste US-Präsident war der Republikaner und spätere Nobelpreisträger Theodore "Teddy" Roosevelt, der 1901 mit etwas weniger als 43 Jahren ins Amt startete.

Superwoman aus Kalifornien: Für eine der bedeutsamsten Änderungen infolge der Wahl vom November 2020 zeichnet jedoch Bidens designierte Stellvertreterin Kamala Harris verantwortlich. Die 56-Jährige ist die erste Vizepräsidentin der USA.

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Kamala Harris sorgt für beachtliche Neuerungen in der US-Historie.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Die Tochter von Einwanderern aus Jamaika und Indien ist noch für weitere Premieren verantwortlich: Harris war die erste Person mit afroamerikanischen und asiatisch-amerikanischen Wurzeln, die je für eine US-Vizepräsidentschaft kandidierte. Ihr Erfolg ist das mächtigste politische Bekenntnis zur kulturellen Vielfalt in den USA seit der Obama-Ära.

Selbst das wird allerdings von ihrem Triumph als Symbol der Frauenbewegung überstrahlt. "Ich bin vielleicht die erste Frau in diesem Amt, aber ich werde nicht die letzte sein", prophezeite Harris nach dem Wahlsieg. Viele halten es für möglich, dass die Kalifornierin diesen Satz in vier Jahren wiederholt - als erste gewählte Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika.

Hinweis: Dieser Text wurde erstmals am 14. Dezember veröffentlicht und daraufhin fortlaufend angepasst.

Quelle: ntv.de