Politik

Israel zieht Bodentruppen ab Drei Tage sollen die Waffen schweigen

3k3m0651.jpg3592161813635705516.jpg

Die Patronen dieses israelischen Soldaten werden nicht verschossen - vorerst.

(Foto: dpa)

Beim letzten Mal dauerte es nur ein paar Stunden, bis die Waffenruhe gebrochen war. Nun nehmen Israel und die Palästinenser einen neuen Anlauf. Zudem zieht Israel alle Truppen aus Gaza ab.

Vier Wochen nach Beginn des Gaza-Kriegs gibt es Hoffnung auf ein Ende des blutigen Konflikts. Israel stimmte nach offiziellen Angaben dem ägyptischen Vorschlag einer 72-stündigen Waffenruhe zu. Ein Regierungssprecher sagte jedoch, sollte die Hamas die Feuerpause brechen, sei man auf eine Antwort vorbereitet. Die Feuerpause soll nach Angaben des Außenministeriums in Kairo um 8.00 Uhr Ortszeit (7.00 Uhr MESZ) beginnen.

Eine Palästinenserdelegation, die sich zu Gesprächen in Kairo aufhielt, stimmte der Feuerpause ebenfalls zu, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete. Hochrangige israelische und palästinensische Delegationen sollen zudem in Kairo über eine langfristige Lösung des Konflikts beraten. Zuletzt waren geplante Gespräche wegen einer schnell gebrochenen Feuerpause nicht zustande gekommen.

Die israelische Armee zog sich zudem komplett aus Gaza zurück. "Alle unsere Streitkräfte haben Gaza verlassen", sagte General Moti Almos dem israelischen Militärradio. Noch kurz vor der neuen Waffenruhe wurden allerdings etwa 20 Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert, darunter auf Aschdod und Aschkelon sowie Orte in der Negev-Wüste. Über Jerusalem sei eine Rakete abgefangen worden, hieß es. Gleichzeitig griff Israels Luftwaffe mehrere Ziele im Palästinensergebiet an.

Flüchtlinge kehren zurück

Viele Palästinenser im Gazastreifen kehrten in ihre Wohnviertel zurück. "Die Menschen beginnen, die UN-Schutzräume zu verlassen", teilte der Sprecher des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA, Chris Gunness, mit. Mit 267.970 Flüchtlingen in 90 UN-Schutzräumen sei "zum ersten Mal ein leichter Rückgang der Zahlen" zu verzeichnen, schrieb er auf Twitter. Tausende Menschen haben nach UN-Angaben keine Bleibe mehr. Rettungskräfte begannen am Dienstag mit der Bergung von Leichen aus Trümmerbergen.

Die Verhandlungen in Kairo dürften schwierig werden: Die Palästinenser - Hamas, die im Westjordanland regierende Fatah und die militante Gruppierung Islamischer Dschihad - fordern etwa einen Rückzug der israelischen Truppen, ein Ende der Blockade des Gazastreifens sowie die Freilassung von Gefangenen. Israel fordert eine Entwaffnung der Hamas, die in den vergangenen Wochen mehr als 3300 Raketen und Granaten auf den Staat abfeuerte.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die neue Waffenruhe. In einer in New York herausgegebenen Erklärung rief Ban alle Parteien auf, sich daran zu halten. Bis zu der Feuerpause müssten sich alle Seiten äußerst zurückhalten. Das Weiße Haus begrüßte die Einigung, rief aber gleichzeitig die radikalislamische Hamas zur Einhaltung ihrer Zusage auf.

Alle bekannten Tunnel zerstört

Beide Seiten hatten schon mehrfach Waffenruhen vereinbart, die jedoch immer wieder scheiterten. Eine einseitige Waffenruhe, die Israel am Montag für einen Großteil des Gazastreifens erklärt hatte, erwies sich ebenfalls als brüchig. Zudem hatte sich die radikal-islamische Hamas nicht an sie gebunden gefühlt.

328A0A001F3F7921.jpg4666387436623357120.jpg

In Rafah wird ein bei einem israelischen Angriff verletztes Baby behandelt.

(Foto: AP)

Im bisher verlustreichsten und am längsten andauernden Gaza-Krieg wurden nach palästinensischen Angaben bislang 1838 Palästinenser getötet und rund 9500 verletzt, rund zwei Drittel davon Zivilisten. Mehr als ein Viertel der 1,8 Millionen Bewohner des Küstenstreifens sind auf der Flucht. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und drei Zivilisten.

Die israelische Armee verkündete am Montagabend, alle bekannten Tunnel der Hamas zerstört zu haben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte jedoch, der Militäreinsatz werde "erst enden, wenn für einen dauerhaften Zeitraum Ruhe und Sicherheit für Israels Bürger hergestellt sind". Nach eigenen Angaben zerstörte Israel insgesamt 32 Tunnel. "Wir haben diese Bedrohung ausgeräumt", sagte Militärsprecher Lerner. Die radikal-islamische Organisation habe nach seinen Informationen 100 Millionen Dollar in diese Tunnel investiert.

Insgesamt habe die Armee seit dem 8. Juli 4800 Ziele in dem Palästinensergebiet angegriffen, sagte Lerner weiter. 82 000 Reservisten seien für die Kämpfe eingezogen worden. Bei Kämpfen und Luftangriffen seien rund 900 militante Palästinenser getötet worden. Die israelische Armee habe bei ihren Angriffen etwa 3000 Raketen der militanten Organisationen zerstört und diese hätten während des Krieges mehr als 3300 Raketen auf Israel abgefeuert. Damit verfügten sie etwa noch über 3000 Geschosse.

Anschlag mit Baufahrzeug

In Israel wurde unterdessen erstmals seit Beginn der Offensive ein tödlicher Anschlag mit einem Baufahrzeug verübt. Ein palästinensischer Attentäter rammte in Jerusalem mit seinem Bagger einen städtischen Autobus. Dabei wurde ein Passant getötet, sechs Businsassen erlitten Verletzungen, wie der israelische Polizeisprecher Micky Rosenfeld bestätigte.

Der Attentäter wurde von der Polizei erschossen. Die israelische Nachrichtenseite "ynet" schrieb von "Terror vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs". In Jerusalem hatte es in der Vergangenheit schon mehrmals ähnliche Anschläge mit Baufahrzeugen gegeben. Den Anschlag am Montag bezeichnete ein Hamas-Sprecher als "heroischen Akt". Wenige Stunden später wurde in der Nähe ein israelischer Soldat angeschossen und verletzt. Der Täter konnte flüchten.

Mit dem Gazakonflikt werden sich am Mittwoch auch die UN-Mitgliedsstaaten beschäftigen. Nach Angaben einer Sprecherin werden ranghohe Vertreter die Botschafter der 193 Länder per Video-Konferenz über die Situation informieren. Eine Entschließung wird von dem informellen Treffen aber nicht erwartet.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/rts/AFP

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.