Politik

Polonium-210 und der Fall Arafat Ein Stoff für den perfekten Mord

Polonium: Dieses chemische Element ist wie geschaffen für einen Agentenfilm. Und auch der Grund für den Tod des Palästinenserführers Arafat? Der radioaktive Stoff sorgt für ein geräuschloses Lebensende, das schnell nicht mehr nachweisbar ist.

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Arafat ist auch über seinen Tod hinaus eine Ikone in der arabischen Welt.

(Foto: AP)

Der Tod kommt plötzlich und er ist qualvoll: Dringt Polonium über den Mund, die Nase oder offene Wunden in den Körper ein, beginnt ein schmerzhafter Prozess für das Opfer. Nieren, Leber und Milz versagen plötzlich ihren Dienst. Wichtige Körperfunktionen werden ausgelöscht. Griff jemand vor neun Jahren zu dieser Methode, um den Palästinenserführers Jassir Arafat zu "beseitigen"?

Ein Rückblick in das Jahr 2006: Damals gingen die Bilder von Alexander Litwinenko um die Welt. Der frühere russische Geheimdienstagent lag wie eine lebende Leiche im Bett, gezeichnet von den schlimmen Folgen eines Attentats. Die Haare waren ihm ausgefallen, sein Blick stand starr. Kurz nach Anfertigung der Aufnahmen starb er.

Eine winzige Dosis genügt

Später wurde klar: Litwinenko verendete regelrecht an einer Polonium-Vergiftung. Kurz zuvor hatte er in einem Londoner Hotel mit dem russischen KGB-Agenten Andrej Lugowoi und dem Geschäftsmann Dmitri Kowtun Tee getrunken. Die genauen Hintergründe sind bis heute schleierhaft.

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Litwinenkos Blick im Krankenhausbett wirkte leer, sein Fall bewegte die Welt im Jahr 2006.

(Foto: REUTERS)

Das stark radioaktive Element Polonium ist für den Menschen schon in kleinen Dosen tödlich. Es sendet radioaktive Strahlung aus, die ab einer gewissen Menge eine Gefahr für das Leben darstellt. Polonium gehört zu den sogenannten alpha-Strahlern. Die alpha-Teilchen kommen in der Luft nur wenige Zentimeter voran, weshalb sie schwer nachzuweisen sind. Bei Kontrollen am Flughafen etwa ist das manchmal kaum möglich, Polonium kann darum gut geschmuggelt werden.

Auch wenn sich die Teilchen nicht weit bewegen - im menschlichen Körper reicht die kurze Reichweite aus, um zum tödlichen Gift zu werden: Polonium zerstört das Gewebe und Organe versagen.

1898 wurde das Element von Marie und Pierre Curie bestimmt und nach dem Heimatland von Marie, die aus Polen stammte, benannt. Der volle Name Polonium-210 kommt zustande, weil der Atomkern aus 84 Protonen (elektrisch positiv geladenes Teilchen) und 126 Neutronen (elektrisch neutrales Teilchen) besteht.

Polonium "verschwindet" schnell

Polonium gehört zu den seltensten Elementen überhaupt: In zehn Gramm Uran ist maximal ein Milliardstel Gramm Polonium eingebunden. Zur Gewinnung von Polonium ist ein Atomreaktor notwendig. Weltweit werden Schätzungen zufolge pro Jahr weniger als 100 Gramm hergestellt. Wegen seiner Alphastrahlung wird Polonium häufig in der Forschung und Medizin eingesetzt.

Was den Nachweis von Polonium erschwert: Es verschwindet beinahe so schnell, wie es den Tod bringt. Seine Halbwertszeit beträgt nur 138 Tage. Das bedeutet, dass nach etwa vier Monaten nur die Hälfte der ursprünglichen Menge vorhanden ist. Es wandelt sich dann in Blei-206 um, das keine radioaktive Strahlung mehr aussendet. Erst im November 2012 wurde Arafats Leiche exhumiert. Die Menge an Polonium in seinem Körper, die Schweizer Ärzte nun gefunden haben wollen, hatte sich da schon viele Male halbiert.

Quelle: ntv.de