Politik

"Pionier"-Arbeit in Wittenberge Eine Stadt erfindet sich neu

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(Foto: Julian Vetten)

Auf halber Strecke zwischen Hamburg und Berlin liegt eine Stadt, die seit der Wende mehr als die Hälfte ihrer Bevölkerung verloren hat - und trotzdem optimistisch in die Zukunft blickt. Die Gründe dafür: die leichtfüßige Stadtverwaltung, eine Wirtschaft, die zusammenhält - und ein paar Großstädter auf der Suche nach einem besseren Leben.

Es gibt viele schöne Städte in Deutschland: Ganz egal, ob man auf Fachwerkromantik mit Geranien vor den Fenstern steht, neoklassizistische Zuckerbäcker-Prachtbauten bevorzugt oder es eher hanseatisch kühl und wassernah mag, man muss eigentlich nie lange suchen, um das Auge zu erfreuen. Wittenberge hat all das zu bieten und setzt an seiner Peripherie auch noch den rauen Backstein-Chic der Industrialisierung obendrauf - trotzdem würde wohl niemand auf die Idee kommen, die brandenburgische Kleinstadt als klassisch schön zu bezeichnen. Dafür ist das Stadtensemble einfach zu bunt durcheinandergewürfelt. Das muss aber auch keiner, denn Wittenberge hat etwas viel Wichtigeres zu bieten: Die Stadt ist interessant und steckt voller ungeahnter Möglichkeiten - wenn man ihr einen zweiten Blick schenkt.

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Fachwerkromantik und Backsteingotik: zwei Gesichter der Stadt auf einen Blick.

(Foto: imago images / Westend61)

Auf den ersten vermutet man hier nämlich vor allem die typischen Probleme, mit denen die Provinz fast überall in der Bundesrepublik zu kämpfen hat: ein klassischer Teufelskreis aus schrumpfender Bevölkerung und Perspektivlosigkeit. Das kommt nicht von ungefähr. Schließlich leben heute nur noch 17.000 Menschen in Wittenberge, es waren einmal doppelt so viele. Als kurz nach der Wende viele Betriebe, unter anderem die große Ölmühle und mit dem Veritas-Werk einer der größten Nähmaschinenproduzenten Ostdeutschlands, dicht machen mussten, verloren mehr als 8000 Menschen ihren Job - die Arbeitslosenquote betrug zeitweise bis zu 60 Prozent.

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"Gerade um die Jahrtausendwende war die Grundstimmung: Wenn man was werden will, muss man raus aus der Stadt", sagt Bürgermeister Oliver Hermann im Rückblick. Der viele Leerstand erinnert Besucher auch heute noch daran, dass hier eigentlich mehr Menschen wohnen sollten - was umso deutlicher ins Auge sticht, weil die Stadt zu Zeiten der Industrialisierung eigentlich mal für 60.000 Menschen angelegt worden war. Wer auf den acht Meter breiten Gehwegen in der zentralen Bahnstraße unterwegs ist, kann sich deshalb schon mal verloren vorkommen, obwohl die Straße tagsüber recht belebt ist. Anders betrachtet könnte man aber auch sagen: In Wittenberge gibt es jede Menge Platz, um sich zu entfalten. Und genau so möchte Frederik Fischer die Stadt auch sehen.

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Unweit des Bahnhofs wird es gründerzeitlich.

(Foto: Julian Vetten)

Der 38-Jährige ist hier weder geboren noch aufgewachsen, vor einem Jahr wusste Fischer über die brandenburgische Kleinstadt nicht mehr, als dass sie ein ICE-Halt auf der Strecke Berlin-Hamburg ist. Dass der Netz-Journalist in der Zwischenzeit einer der glühendsten Fürsprecher Wittenberges geworden ist, liegt am "Summer of Pioneers": In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung hat Fischer ein Programm ins Leben gerufen, das gut und gerne zur Blaupause für die (teilweise) Lösung oder zumindest für eine Linderung der strukturellen und demografischen Probleme auf dem Land werden könnte - und das gleichzeitig einen romantischen Traum vieler Hauptstädter erfüllen könnte. Um den zu verstehen, muss man vorher allerdings noch eine Extraschleife drehen.

Jede Menge Raum

Berlin ist voll geworden, zu voll. Wer nicht gerade frisch in der Stadt ist, merkt die rund 350.000 Einwohner, die seit 2005 dazugekommen sind, an jeder Ecke, in jeder Bahn und in jeder Bar. Dass es sich bei den Neu-Berlinern in Masse um junge und gut ausgebildete Menschen handelt, macht die Sache nicht besser: Während das Land und viele kleinere Städte langsam aber sicher ausbluten, lernen die hoffnungsvollen Kreativen sehr schnell, dass ihr Gestaltungswille an der Spree (aber auch in den anderen deutschen Metropolen) im Grunde genommen überhaupt nicht mehr gebraucht wird: Irgendwer hat die eigene Idee wahrscheinlich eh schon mal gedacht und umgesetzt. Und so geht gefühlt eine ganze Generation vielversprechender junger Menschen im Meer der anderen Individualisten unbemerkt unter.

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Auch das ist Wittenberge: Ob man vom Leerstand in der Stadt abgeschreckt wird oder ihn als Chance versteht, ist jedem selbst überlassen.

(Foto: imago/Hohlfeld)

In Wittenberge ist es genau andersherum: Hier gibt es jede Menge Raum, sich kreativ auszutoben, aber zu wenige Menschen, um den vielen Platz zu füllen. Seit diesem Sommer sind es 20 mehr, im Rahmen des "Summer of Pioneers" haben sie ihren Wohnsitz zunächst für ein halbes Jahr in die Elbstadt verlegt. Unter ihnen sind eine Journalistin, eine Filmemacherin und sogar ein Hausbootberater - Menschen also, die noch vor ein paar Jahren auf die Infrastruktur der Großstadt angewiesen waren, dank schnellem Internet heute aber zur wachsenden Zahl derer gehören, die im Grunde genommen von überall aus arbeiten können.

Die großstadtmüden "Pioniere" hätten also auch als Digitalnomaden auf eine Südseeinsel ziehen können, stattdessen wurde es die brandenburgische Elbtalaue. Warum? "Die Mission, die wir haben, ist tatsächlich, eine Zukunft auf dem Land neu zu bauen", sagt Fischer, entschuldigt sich dafür, dass das ein bisschen pathetisch klinge, und fährt fort: "Das spricht vor allem kreative, gestaltungswillige Leute an, die mitbekommen haben, dass das superüberdrehte Leben in der Großstadt nichts für sie ist. Auf der anderen Seite ist das aber sicher nichts für Alpha-Tiere, die sich zum Satzende auf die Brust trommeln. Denn eins ist klar: Du machst das hier nicht, weil du dir einen Karrieresprung und ein höheres Einkommen versprichst, sondern weil du besser leben möchtest."

Kultur schafft Kultur

Es war schon immer der Wunsch nach einem besseren Leben, der die Menschen zum Aufbruch bewogen hat. Im Gegensatz zu den allermeisten anderen Wanderungsbewegungen der Menschheitsgeschichte sind die Vorzeichen diesmal allerdings umgekehrt: Nicht Mangel, sondern Übersättigung treibt immer mehr Großstädter zurück in die Fläche, und das überall in Deutschland. Auch in Wittenberge herrscht kein Mangel, jedenfalls nicht im existentiellen Sinne: Wirtschaftlich hat die Stadt die schweren Nachwendejahre verwunden, mehrere größere Arbeitgeber haben sich angesiedelt - kulturell und gesellschaftlich wirkt der große Exodus der 90er- und 2000er-Jahre aber immer noch nach. Und genau da kommen die "Pioniere" ins Spiel.

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Das Veritas-Werk erinnert an das industrielle Erbe Wittenberges.

(Foto: imago images / Hohlfeld)

Ein halbes Jahr lang dürfen die 20 Digitalarbeiter ein vollmöbliertes Zimmer oder eine Wohnung in der Stadt beziehen und in einem extra eingerichteten und modern ausgestatteten Coworking-Space mit Blick auf die Elbe arbeiten - dank der Förderung durch Stadt und Land für gerade mal 150 bis 300 Euro, je nach Größe der Wohnung. Im Gegenzug engagieren sich die "Pioniere" in Wittenberge, beraten Unternehmen, bieten Workshops in den Schulen vor Ort an oder bereichern das kulturelle Leben mit Konzerten, Tauschbörsen und Ähnlichem.

Viele der angebotenen Konzepte kennt man so oder so ähnlich aus der Großstadt, schlechter macht es sie deswegen aber nicht, ganz im Gegenteil: Im besten Fall werden Veranstaltungsorte wie der neu eröffnete Stadtsalon "Safariladen" zu kulturellen Keimzellen und inspirieren junge Wittenberger, nachzuziehen und selbst kreativ zu werden. Kultur schafft Kultur, das war schon immer so. Wichtig ist dabei vor allem, dass sie frei zugänglich und niedrigschwellig ist - und das ist bei den Angeboten der "Pioniere" in Wittenberge bislang der Fall, auch wenn der auserkorene Name selbst etwas unglücklich gewählt ist.

Die Zivilisation im Handgepäck?

"Pioniere", das klingt ein bisschen so, als würden Fischer und seine Mitstreiter in unbekanntes Territorium vorstoßen und die Zivilisation im Handgepäck mitbringen. Den Verdacht, dass die Digitalarbeiter aus der Großstadt als Eroberer kommen und sich für etwas Besseres halten, kann Fischer allerdings schon nach wenigen Sätzen ausräumen: Der 38-Jährige ist ein ruhiger und umsichtiger Mensch, der sich viele Gedanken darüber macht, wie man die beiden unterschiedlichen Erfahrungswelten so miteinander verbinden kann, dass sich beide Seiten miteinander wohlfühlen und voneinander lernen können.

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Die neugemachte Elbpromenade ist eines der Aushängeschilder der Stadt, im Hintergrund ein alter Getreidespeicher.

(Foto: imago images / Westend61)

Das scheint auch bei den alteingesessenen Wittenbergern anzukommen: Auf der Straße freuen sich viele Bürger über den frischen Wind, den die Neuankömmlinge mitbringen, während ein schiefes Grinsen oder eine hochgezogene Augenbraue schon die negativsten Reaktionen sind, die sich finden lassen. Was denn bitteschön ein Erzählsalon sein soll, will ein älterer Passant wissen. "Na, da kannste Geschichten von früher erzählen", antwortet seine Begleitung und schiebt lachend hinterher: "Das machste doch eh am liebsten!" Während der Mann leicht angesäuert guckt und weitermöchte, kündigt seine Frau noch schnell an, später am Nachmittag zur Tauschbörse in den "Safariladen" zu wollen: Zu tauschen habe sie zwar nichts, aber von einer Freundin wisse sie, dass der Kaffee bei den Neuen lecker sei - und "ein bisschen Quatschen geht ja immer".

Genau das ist es, was Fischer und die anderen Neu-Wittenberger wollen: Präsenz zeigen, unsichtbare Mauern einreißen, die Menschen mitnehmen und für sich gewinnen. Das wollen andere Menschen in anderen Städten zwar auch, aber die "Pioniere" haben den entscheidenden Vorteil, eine Stadtverwaltung hinter sich zu wissen, die selbst Dinge bewegen will und dabei ungewohnt leichtfüßig agiert: "Im Februar habe ich das erste Mal in Wittenberge vorgesprochen, im Mai startete die Ausschreibung und im Juli sind die Leute eingezogen", rekapituliert Fischer. "Innerhalb von vier, fünf Monaten vom Erstkontakt bis zum Einzug, das wäre sogar für Unternehmen eine unglaubliche Geschwindigkeit." Nach bürokratischen Maßstäben grenzt es fast an Lichtgeschwindigkeit. "Man spricht immer von der 'Agilität in der Verwaltung', da haben die hier noch nie etwas von gehört, aber operieren schon total danach", sagt Fischer beeindruckt. Und das nicht erst seit dem Eintreffen der "Pioniere".

Bündelung der Kräfte

Die Jahre der Not haben die Wittenberger erfinderisch gemacht und erstaunliche Strukturen geschaffen, die sich heute bezahlt machen: Um überhaupt etwas auf die Straße zu bringen, mussten Wirtschaft und Verwaltung viel intensiver miteinander kooperieren, als das in anderen Städten der Fall war und ist. "Ressourcenbündelung ist das Geheimnis für Städte, die kein großes Budget haben", sagt Oliver Hermann dazu. Der Bürgermeister setzt stark auf Eigeninitiative und förderte zum Beispiel die Gründung einer AG Innenstadt anstelle viel Geld für eine eigene Marketing GmbH auszugeben: "Das ist doch viel nachhaltiger. Da kann dann auch niemand mehr meckern und die Menschen sehen das als ihre eigenen Projekte an."

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Das monumentale Rathaus zeigt, welche Ambitionen die einstige Industriestadt mal hatte.

(Foto: Julian Vetten)

Der Plan ging auf, die "mussten plötzlich alle miteinander reden, das war natürlich kompliziert und musste von mir moderiert werden. Am Ende stand aber ein wahnsinniger Synergieeffekt, wie man am Beispiel Apfelmarkt sehen kann". Der startete als kleiner Wochenmarkt und wurde innerhalb von zehn Jahren zu einem regelrechten Volksfest. Heute ist die AG Innenstadt ein selbstbewusster Player mit eigenen Vorstellungen, der die Stadtverwaltung naturgemäß stärker auf Trab hält als das eine stadteigene GmbH könnte. Mit der Wirtschaftsinitiative Westprignitz gibt es außerdem einen zweiten Unternehmerverband, der in der Region sogar noch mehr Gewicht hat.

Wenige große Wirtschaftsverbände lassen sich naturgemäß schlechter kontrollieren als einzelne Unternehmer, weshalb so mancher Bürgermeister kein besonders großer Freund von Netzwerken ist - teils aus politischem Machtwillen heraus, teils wegen der durchaus berechtigten Angst, zum Spielball der Wirtschaft zu werden. Die Bündelung der Kräfte kann im besten Fall allerdings auch dazu führen, dass das ganze Konstrukt am Ende mehr ist als die Summe der einzelnen Teile - und die Stadtverwaltung hart am Ball bleiben muss, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Ein unerwarteter Erfolg

Dass das Gleichgewicht der Kräfte in Wittenberge bislang überdurchschnittlich gut funktioniert, dürfte auch an der über lange Jahre gewachsenen Gesprächskultur liegen. Mit den "Pionieren" ist nun eine weitere Fraktion mit der Bereitschaft zur Vernetzung dazugekommen, die wieder eine komplett andere Sprache spricht und sich bislang trotzdem harmonisch ins Bild einfügt. "Fragile Stabilität" ist deshalb auch der Begriff, den der Bürgermeister für den Zustand seiner Stadt gefunden hat. Hermann findet, dass die Stadt "auf einem guten Weg ist. Aber wenn wir Wittenberge wirklich zukunftssicher machen wollen, dürfen wir jetzt nicht lockerlassen."

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Die Fabrikantenvilla der alten Ölmühle vor ...

(Foto: imago stock&people)

Zumindest die "Pioniere" haben das nicht vor, 13 der 20 Teilnehmer wollen nach dem Ende des halbjährigen Programms bleiben. Für die Stadt wäre das ein gewaltiger Erfolg, der aber auch unerwartete Probleme mit sich bringen würde, weil keiner mit ihm gerechnet hatte: Wenn die Alten bleiben wollen, wo sollen die Neuen hin? Denn eine Verlängerung um ein halbes Jahr ist in jedem Fall geplant. "Ob die ersten Pioniere weiter zu den vergünstigten Konditionen bleiben können, ist noch nicht klar", sagt Fischer. Aber selbst wenn nicht: "Die Kaltmiete liegt zum Teil sogar noch darunter." Schon der erste Treffer auf einem Immobilienportal unterstreicht Fischers Aussage: 66 Quadratmeter in bester Lage hinter dem Rathaus für 270 Euro kalt. Die übrigen 28 Angebote fallen ähnlich günstig aus.

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... und nach ihrer Sanierung. Auf demselben Gelände nur ein Gebäude weiter ist auch der Coworkingspace untergekommen.

(Foto: imago images / Westend61)

In der alten Ölmühle, wo der Coworking-Space momentan untergebracht ist, wird es allerdings nicht ewig weitergehen. Bürgermeister Hermann erinnert sich an das große Gelände in Elblage als den einstmals "schlimmsten Ort Wittenberges", der noch zur Jahrtausendwende als zerbombte Kulisse für einen Weltkriegsfilm herhalten musste. Heute ist die Ölmühle weit über die Grenzen Wittenberges hinaus bekannt und der steingewordene Beweis dafür, dass sich die Zeiten ändern können, wenn man eine Vision hat und fest daran glaubt. Das charmant restaurierte Vier-Sterne-Hotel mit angeschlossenem Tagungszentrum, eigenem Brauhaus und dem einzigen Tauchturm Norddeutschlands ist mittlerweile so beliebt, dass der private Betreiber - ein Wittenberger - so bald wie möglich den Platz braucht, den er der Stadt für die Einrichtung des "Summer of Pioneers"-Büros zu Vorzugskonditionen überlassen hat.

49 Minuten nach Berlin

Einschränkungen müssen die "Pioniere" trotzdem nicht befürchten, eher das Gegenteil dürfte der Fall sein: Nach dem einschlagenden Erfolg des Testlaufs will der Bürgermeister das Projekt ausweiten, weitere Digitalarbeiter nach Wittenberge locken und dafür unter anderem das Bahnhofsgebäude wiederbeleben. Das für eine Stadt dieser Größe völlig überdimensionierte klassizistische Empfangsgebäude steht seit der Wende leer, 4000 Quadratmeter warten darauf, neu genutzt zu werden. Die Lage ist nahezu perfekt: Aus Hamburg kommend steigt man nach gerade mal 62 Minuten in Wittenberge aus dem ICE aus, von Berlin sind es mit dem richtigen Zug sogar nur 49 Minuten. Dank der guten Anbindung wäre ein Technologiezentrum im alten Bahnhofsgebäude für viele Digitalunternehmen interessant, die ihren Firmensitz aufs Land verlegen wollen, ohne allzu weit von den großen Städten entfernt zu sein.

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Das Wittenberger Bahnhofsgebäude ist hoffnungslos überdimensioniert.

(Foto: imago images / Hohlfeld)

Sorgen wegen einer etwaigen Gentrifizierung müsse sich im Fall der Fälle aber trotzdem auf absehbare Zeit niemand machen, glaubt Frederik Fischer: Davon sei Wittenberge auf der einen Seite "noch mehrere Jahre und ein paar Tausend Zuzüge" entfernt, auf der anderen sei sich vor allem das Bauamt des drohenden Problems bewusst und bereite sich entsprechend darauf vor. "Die Stadt verkauft nur noch, wenn ein plausibles Nutzungskonzept vorliegt. Das heißt, sie zwingen Investoren innerhalb von maximal fünf Jahren etwas aus dem Gebäude zu machen, ansonsten müssen die es wieder zurückgeben." Ein guter Ansatz, vor allem, wenn alle Parteien weiterhin so eng miteinander kooperieren.

Dass sie das drauf haben, haben die Wittenberger in der Vergangenheit schon ausreichend bewiesen. Und auch wenn wie immer nur die Zeit zeigen kann, wie es in Wittenberge weitergeht, kann die Stadt bereits jetzt ein Leuchtturm für all jene sein, die auf der Suche nach einem besseren Leben auf dem Land sind - und ein Positivbeispiel für die vielen anderen Kommunen, die händeringend nach Lösungen für den demografischen und strukturellen Wandel suchen.

Quelle: ntv.de