Politik

Telefon-Mitschnitt soll Korruption belegen Erdogan hortet angeblich Millionen

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Erdogan spricht von einer "schamlosen Montage".

(Foto: REUTERS)

Im Internet taucht eine Aufnahme auf, auf der der türkische Ministerpräsident Erdogan mit seinem Sohn besprechen soll, wie man am besten 30 Millionen Euro in Sicherheit bringt. Ein gefundenes Fressen für die Opposition.

Der Streit um angebliche Korruptionsfälle in der türkischen Regierung spitzt sich zu. Die Opposition in Ankara fordert den Rücktritt von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, wie verschiedene Zeitungen berichteten. Anlass sind angebliche Mitschnitte von Telefonaten Erdogans mit seinem Sohn Bilal, die im Internet auftauchten. Sie legen laut Opposition nahe, dass die beiden Männer große Geldsummen verschwinden ließen, um sie vor staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Sicherheit zu bringen.

Erdogan hat sich empört über die Veröffentlichung der angeblichen Telefonausschnitte gezeigt. Die Aufzeichnungen seien ein "widerwärtiger und heimtückischer Angriff" auf seine Person, der nicht ungestraft bleiben werde, sagte Erdogan im Parlament. Zudem seien die Tonaufnahmen eine "schamlose Montage". Gegen die Verantwortlichen werde er rechtliche Schritte einleiten.

In der über Youtube verbreiteten Aufzeichnung ist angeblich Erdogan zu hören, wie er seinen Sohn Bilal auffordert, Millionenbeträge vor Korruptionsermittlern in Sicherheit zu bringen. Beide beraten angeblich darüber, wie das Geld auf verschiedene Unternehmer zu verteilen sei. An einer Stelle ist angeblich Bilal zu hören, wie er von rund 30 Millionen Euro spricht.     

Lauschangriff gegen "Terrorgruppe"?

Presseberichten zufolge sollen Erdogan, andere Politiker sowie Journalisten und Geschäftsleute zudem drei Jahre lang abgehört worden sein. Die regierungstreuen Zeitungen "Yeni Safak" und "Sar" berichteten, Istanbuler Staatsanwälte hätten im Rahmen von Ermittlungen gegen eine bislang völlig unbekannte Terrorgruppe rund 7000 Menschen abhören lassen. Der Lauschangriff sei von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen gestartet worden, der sich mit Erdogan überworfen hat.

Gülen wies die Vorwürfe zurück. Einer der genannten Staatsanwälte bestätigte zwar, dass er Ermittlungen gegen die mutmaßliche Terrorgruppe geführt habe. Doch sei mit gerichtlicher Genehmigung lediglich eine "angemessene" Anzahl von Verdächtigen überwacht worden; von Tausenden betroffenen Politikern, Journalisten und Unternehmern könne keine Rede sein.

Die aufgetauchten Aufnahmen fachten derweil die Proteste gegen Erdogan neu an. Mehrere Hundert Demonstranten forderten an einer Universität in Ankara den Rücktritt des Ministerpräsidenten. Die Polizei reagierte gewaltsam, setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.

Erdogans Regierung steht seit Mitte Dezember wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck. Mehrere Söhne früherer Minister sitzen in Untersuchungshaft. Erdogan bezeichnet die Vorwürfe als Machenschaften von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen, denen er vorwirft, sie wollten die Regierung stürzen. In den vergangenen Tagen waren mehrere Mitschnitte angeblich abgehörter Telefonate aufgetaucht, die Korruptionsvorwürfen an die Adresse der Regierung neuen Auftrieb gaben.

Quelle: ntv.de