Politik

Seit 27 Jahren zusammen Erste Homo-Ehe in Argentinien

Für das Paar war es "fast nur eine Formalität", doch so normal war das nicht. Argentiniens katholische Kirche war zuvor Sturm gegen die Homoehe gelaufen. Das Parlament in Buenos Aires hatte dennoch für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe gestimmt, als erstes lateinamerikanisches Land. Nun gab es dort die erste Schwulen-Hochzeit.

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Verbunden: Alejandro Vanelli (l) und Ernesto Larrese ...

(Foto: dpa)

Als erstes Paar nach der gesetzlichen Einführung der Homo-Ehe in Argentinien haben sich zwei Schwule im Nordwesten des Landes das Eheversprechen gegeben. Die Hochzeit des 54-jährigen Architekten José Navarro und des 65-jährigen Rentners Miguel Angel Calefato in Frías in der Provinz Santiago del Estero wurde live im Fernsehen übertragen. "Für uns ist das fast nur eine Formalität: Wir sind seit 27 Jahren zusammen," sagte Navarro vor Journalisten. Die vom argentinischen Parlament beschlossene Einführung der Homo-Ehe sei aber insgesamt "ein großer Fortschritt".

Viele gleichgeschlechtliche Paare hatten sich bemüht, als erste nach der offiziellen Einführung der Homo-Ehe zu heiraten. Navarro zeigte sich "überrascht von diesem Wettrennen". Sein Hochzeitstermin sei "von Anfang an so geplant" gewesen, sagte er. Kurz nach Navarro und Calefato heirateten in der Hauptstadt Buenos Aires der 61-jährige Künstleragent Alejandro Vanelli und der 60-jährige Schauspieler Ernesto Rodríguez Larrese. Sie gaben sich in dem Standesamt das Ja-Wort, das ihnen vor drei Jahren die Eheschließung verweigert hatte.

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... bei ihre Hochzeitszeremonie.

(Foto: REUTERS)

Argentinien hatte Mitte Juli als erstes Land Lateinamerikas die Homo-Ehe eingeführt und damit gleichgeschlechtlichen Paaren dieselben Rechte eingeräumt wie heterosexuellen Paaren. Dies betrifft etwa die Sozialversicherung, die Adoption von Kindern und die Elternzeit. Das Gesetz ist allerdings sehr umstritten. Rund 90 Prozent der Argentinier sind katholisch. Der Abstimmung waren daher heftige Proteste vor allem seitens der Kirche vorausgegangen. Weltweit ist Argentinien das zehnte Land, dass die Homo-Ehe einführte.

Bereits in den Monaten vor der Verabschiedung des Gesetzes hatten mehrere schwule und lesbische Paare die Ehe geschlossen. Nach den Hochzeiten begann jedoch ein langes juristisches Tauziehen um die Rechtmäßigkeit dieser Ehen. Viele Richter versuchten, sie zu annullieren, da das Bürgerliche Gesetzbuch in Argentinien die Homo-Ehe nicht vorsah. Der entsprechende Passus wurde nun geändert.

Quelle: ntv.de, AFP