Politik

Gastbeitrag in der Corona-Krise Es geht nicht um "wir gegen die"

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Annegret Kramp-Karrenbauer ist Parteivorsitzende der CDU und Bundesverteidigungsministerin.

(Foto: imago images/Lichtgut)

Der Ausbruch des Coronavirus stellt die Welt vor eine riesige Herausforderung. CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer ist dennoch zuversichtlich, dass wir die Krise überstehen werden - wenn wir uns "gemeinsam an einfache Regeln halten".

Wir stehen inmitten einer großen Herausforderung. Unser Leben verändert sich gerade dramatisch. Das Coronavirus betrifft die ganze Welt, Stadt und Land, arm und reich, alt und jung. Wie werden wir diese schwierige Lage gemeinsam meistern? Welche Werte werden uns dabei leiten? Werden wir in einem Jahr sagen können, "ja, das haben wir zusammen gut durchgestanden"?

Ich bin optimistisch. Deutschland und Europa haben schon oft gezeigt, dass sie schwierige Zeiten überstehen können. Unser Staat funktioniert. Unsere Wirtschaft ist robust. Unsere Krankenhäuser sind gut organisiert. Wir sind eine starke Gemeinschaft. Wenn wir zusammenstehen, wenn wir uns umeinander kümmern, werden wir auch diese Krise gemeinsam bewältigen.

Ich möchte, dass wir in Deutschland, Europa und global verstehen: Es geht jetzt nicht um Abschottung gegeneinander, nicht um "wir gegen die". Es geht um uns alle und ein Virus, das jeden von uns betreffen kann. Jeder von uns kann sein Leben und sein Umfeld mit seinem eigenen Verhalten beeinflussen. Lassen Sie uns gemeinsam an einfache Regeln halten und dafür sorgen, dass sich das Virus nicht mehr so schnell ausbreitet. Das beginnt beim regelmäßigen, intensiven Händewaschen bis zum Verzicht auf den Besuch der Verwandten im Senioren- und Pflegeheim - auch wenn es sehr schwerfällt. Gehen Sie nicht zur Arbeit, wenn Sie sich nicht wohl fühlen. Sie könnten andere in Not bringen.

Skypen statt drücken

Gleichzeitig lassen Sie uns darauf achten, unsere Eltern, unsere Freunde, unsere Omas und Opas anzurufen oder dann eben mit ihnen zu skypen, wenn wir sie gerade nicht in den Arm nehmen können. In den Familien, Nachbarschaften und Gemeinschaften können und sollten wir viel miteinander chatten und telefonieren, wissen, dass wir nicht allein sind, auch wenn die körperliche Nähe aus Sicherheitsgründen vorübergehend nicht möglich ist.

Denn klar ist: Die größte Gefahr für Leib und Leben droht durch eine massenhafte Infizierung von älteren und vorerkrankten Menschen. Deshalb müssen die Gesunden und Jungen jetzt mehr Verantwortung übernehmen für die Älteren und Kranken.

Solidarität, Mitgefühl, Nächstenliebe und Zusammenhalt werden uns jetzt helfen. Die vielen Hilfsangebote unter Nachbarn oder die Solidaritätsaktionen junger Leute für ältere Menschen sind gerade in unserer individualisierten Gesellschaft ermutigende Zeichen. Warum fragen Sie nicht Ihre ältere Nachbarin im Haus, ob Sie ihr etwas vom Supermarkt bringen können? Man kann auch durch die Haustür den Rentner von nebenan fragen, ob es ihm gut geht.

Zeit gewinnen durch Disziplin

Kinder müssen betreut werden, gleichzeitig brauchen wir viele Eltern, um das öffentliche Leben in Gang zu halten. Der Staat muss verlässlich funktionieren. Wir brauchen Krankenschwestern und Polizisten, wir brauchen das Personal in den Laboren genauso wie die LKW-Fahrer, die Busfahrer oder die Supermarkt-Mitarbeiter. Wir können gemeinsam Lösungen finden und diejenigen unterstützen, die schnell Hilfe brauchen.

Entscheidend in der aktuellen Situation ist, dass wir Zeit gewinnen und die rasant steigenden Infektionszahlen verlangsamen. Dafür braucht es jetzt Disziplin und Durchhaltevermögen - für beides sind wir Deutsche eigentlich bekannt. Wir haben mehrfach in der Geschichte bewiesen, dass wir in schwierigen Situationen zusammenstehen können. Der deutsche Bundestag ist in der vergangenen Woche mit schnellen und pragmatischen Entscheidungen über alle Parteigrenzen hinweg bereits mit gutem Beispiel vorangegangen.

Lassen sie uns alle zusammen dafür sorgen, dass wir die Corona-Epidemie so schnell wie möglich in den Griff bekommen. Auch wenn man sich zur Begrüßung derzeit besser nicht auf die Wange küssen sollte, muss die Herzlichkeit dabei nicht auf der Strecke bleiben. Zusammen geht es besser!

Quelle: ntv.de