Politik

Sauerland lässt sich abwählen Es ist eine Frechheit

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Verantwortung ja, Konsequenz nein: Adolf Sauerland bleibt auf seinem Posten.

(Foto: REUTERS)

Sauerland ist beratungsresistent, ihm fehlt das Gefühl für die Situation. Sein Amt gibt er nicht freiwillig auf. Er stellt sich einem Abwahlverfahren - das ist eine Frechheit.

Wenn ich gehen muss, dann gehe ich. Früher nicht. Und schon gar nicht freiwillig. Ihr müsst mich schon abwählen. Das ist es, was Adolf Sauerland sagt. Und das ist nach 21 Toten bei der Loveparade in seiner Stadt zu wenig. Es ist peinlich. Genau wie die mehrfach wiederholte, formelhaft vorgetragene Argumentation des Duisburger Oberbürgermeisters, er müsse sich erst über eine etwaige Verantwortung der Stadtverwaltung klar werden, bevor er ernsthaft darüber nachdenkt, die politische Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten.

Adolf Sauerland hat die Gelegenheit für einen geordneten und würdevollen Abgang längst verpasst. Während alle sich fragen, wie dieser Mann so naiv sein kann zu glauben, er könne jemals wieder als Verwaltungschef die Stadt Duisburg nach außen vertreten, schweigt er erst tagelang – und ergibt sich dann in Plattitüden. Er klebt an seinem Stuhl, beratungsresistent und taub für die täglich lauter werdende Kritik.

Letztlich entscheiden die Bürger

2sh20947.jpg3135760626376894320.jpgNun davon zu sprechen, er werde sich einem Abwahlverfahren stellen, ist – mit Verlaub – eine Frechheit. Der Herr Bürgermeister lässt sich notfalls abwählen. Vielen Dank. Dabei sagt es Adolf Sauerland doch selbst: Die Gemeindeordnung des Landes Nordrhein-Westfalen sieht das so vor – und beschreibt in Paragraf 66, wie das vor sich geht. Letztlich entscheiden die Bürger.

Beantragt die absolute Mehrheit, also mindestens die Hälfte aller Duisburger Ratsmitglieder, ihn abzuwählen, kommt es zur Abstimmung. Plädiert dann eine Zwei-Drittel-Mehrheit für den Antrag, gibt es einen Bürgerentscheid. Nimmt daran wiederum mindestens ein Viertel der Wahlberechtigten teil und stimmt die Hälfte dafür, ist der Oberbürgermeister nicht mehr Oberbürgermeister. Da ist es völlig unmaßgeblich, ob Adolf Sauerland einverstanden ist oder nicht. Oder, wie er es formuliert, sich stellt. Allein: Er könnte das langwierige Verfahren abkürzen, indem er innerhalb einer Woche nach dem Ratsbeschluss seiner Abwahl zustimmt. Dazu aber sagt er nichts.

Dafür hat Adolf Sauerland noch etwas anderes gesagt. Er hat sogar um etwas gebeten – um Verständnis. Das mag menschlich sein. Zu verstehen ist es nicht. Er geht erst, wenn er muss.

Quelle: n-tv.de

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