Politik
Eine der Hochburgen der Isis-Kämpfer ist die Euphrat-Stadt Deir ez-Zor.
Eine der Hochburgen der Isis-Kämpfer ist die Euphrat-Stadt Deir ez-Zor.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 23. April 2014

Deutsche Dschihadisten in Syrien: Abu Talha twittert gegen den eigenen Tod

Von Nora Schareika

Der frühere Berliner Gangster-Rapper Denis Cuspert kämpft in Syrien für die radikale Isis-Gruppe. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate wird sein Tod gemeldet. Der Dschihad-Tourist meldet sich einen Tag später selbst zu Wort.

Cuspert zwischen zwei "Brüdern" in Syrien. Das Foto soll am Tag seines vermeintlichen Todes entstanden sein.
Cuspert zwischen zwei "Brüdern" in Syrien. Das Foto soll am Tag seines vermeintlichen Todes entstanden sein.(Foto: Twitter)

Ist er tot oder handelt es sich um eine Verwechslung? Vieles deutet einen Tag nach der Nachricht des Ablebens von Denis Cuspert alias Abu Talha der Deutsche darauf hin, dass der ehemalige Berliner Rapper noch am Leben ist. Am Morgen nach der Todesnachricht verkündet er auf seinem Twitter-Profil: "Friede sei mit euch, liebe Brüder und Schwestern, ich bin noch nicht zum Märtyrer geworden, das ist falsch. Möge Gott die beiden anderen Brüder bei sich aufnehmen."

Der Tweet ist in englischer Sprache verfasst und bedient sich eines Mixes aus Hip-Hop-Slang ("may allah accept the other bro") und den typischen religiösen Floskeln der Islamistenszene. Ob der Account echt ist, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit überprüfen. Die Anzahl und Art der Einträge, die Zahl der Follower und die häufige Verwendung der deutschen Sprache passen jedoch zum Profil des deutsch-ghanaischen Dschihad-Touristen, der sich vermutlich seit dem vergangenen Jahr in Syrien aufhält.

Datenschutz

Der heute knapp 39-Jährige Cuspert hält sich nach Angaben anderer vermeintlich wissender Islamisten in Nordsyrien auf, angeblich in oder in der Nähe der antiken Stadt Manbidsch im Gouvernorat Aleppo. Ein Foto, das am Tag der Todesnachricht bei Twitter herumgeschickt wurde, zeigt ihn angeblich dort zwischen zwei Kameraden, von denen einer Kosovare sein soll.

Zwei Deutsche aus Frankfurter Raum sind nun "Märtyrer"

Gestorben sind jedoch mit einiger Sicherheit zwei andere deutsche Islamisten. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist schon im Februar ein Salafist aus Offenbach in Syrien getötet worden. Im vergangenen Dezember hatte es Berichte über den Tod eines 16 Jahre alten Schülers aus Frankfurt am Main gegeben - ohne offizielle Bestätigung. Bei vielen anderen ist es ähnlich. So findet sich bei Twitter, das von den Islamisten in Syrien rege genutzt wird, auch ein Eintrag von Anfang April, wonach ein sehr junger Deutscher mit dem Szenenamen Abu Dawud zum "Märtyrer" geworden sei. Das Foto zeigt einen blonden Jungen, der noch nicht einmal Bartwuchs hat und strahlend in die Kamera lacht.

Auch das syrische Regime hat die wachsende Zahl europäischer und insbesondere deutscher "Dschihad-Touristen" registriert. Nach Angaben des deutschen Verfassungsschutzes sollen bereits 320 Möchtegern-Kämpfer nach Syrien ausgereist sein. Der syrische Uno-Botschafter Baschar Dschaafari übergab unterdessen dem Sicherheitsrat der UN eine Liste mit 200 Islamisten, die getötet wurden. Die meisten seien Saudis, danach nannte Dschaafari die Deutschen, ohne eine Zahl zu nennen.

Die Meldung vom Tod Denis Cusperts ist offenbar dem Umstand geschuldet, dass die Syrien-Kämpfer sich islamische Namen geben. Der einst unter dem Pseudonym "Deso Dogg" auftretende Rapper nennt sich Abu Talha al-Almani - Abu Talha der Deutsche. Stattdessen starben aber wohl zwei andere ausländische Kämpfer mit ähnlichen Namen. Der eine hieß Abu Talha al-Maghribi - der Marokkaner -, der andere Abu Ibrahim der Deutsche.

Quelle: n-tv.de