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22 Tote bei Sinai-Terror Extremisten wollen Krieg

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Die Stimmung an der ägyptisch-israelischen Grenze ist in diesen Tagen besonders angespannt.

REUTERS

Die Sinai-Halbinsel wird immer gefährlicher und unübersichtlicher. Für Ägypten selbst, aber vor allem auch für Israel. Extremisten richten ein Massaker in Ägypten an, um dann in Israel zuzuschlagen. 22 Menschen sterben bei den Terrorangriffen.

Die Angreifer kamen kurz nach Sonnenuntergang und überrumpelten die ägyptischen Soldaten an der Grenze zu Israel. Die waren abgelenkt, weil sie nach einem langen heißen Tag im Fastenmonat Ramadan am Abend endlich wieder essen und trinken durften. Bei einem der schwersten Terroranschläge der vergangenen Jahre in Ägypten haben Unbekannte an einem Sinai-Kontrollposten 16 Soldaten getötet. Anschließend versuchten sie mit erbeuteten gepanzerten Fahrzeugen nach Israel vorzudringen, wo sechs von ihnen erschossen wurden. Zunächst hatte das israelische Militär von fünf getöteten Angreifern gesprochen.

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Bei den Anschlägen im Grenzgebiet wurden 16 Soldaten getötet, viele weitere verletzt.

(Foto: AP)

Das israelische Militär vermutete Beduinen und islamische Gotteskrieger aus verschiedenen Ländern hinter den Anschlägen, in Ägypten war von einem ähnlichen Täterkreis oder auch von einer bislang unbekannten Gruppe aus dem Gazastreifen die Rede. Niemand bekannte sich zu den Taten.

"Diese Gruppen operieren im Chaos des Sinai und wollen eine Kettenreaktion auslösen, an deren Ende ein regionaler Krieg steht", sagte Boaz Ganor, Direktor des Instituts für Terrorismusbekämpfung in Herzlija nördlich von Tel Aviv. Es sei kein Zufall, dass sie mit ägyptischen Militärfahrzeugen angegriffen hätten. Die Gefahr, dass diese Strategie aufgehen könnte, bestehe durchaus, obwohl keiner der Akteure im Nahen Osten derzeit an einer Eskalation interessiert sei.

Israel wolle den "kalten Frieden" aus der Zeit des im vergangenen Jahr gestürzten ägyptischen Präsident Husni Mubarak retten. Der neue ägyptische Präsident Muhammed Mursi müsse zunächst die soziale und wirtschaftliche Krise seines Landes in den Griff bekommen. Und die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas wolle zwar pro forma weiterhin Israel zerstören, tatsächlich aber ihre Macht erhalten.

Anschläge als Weckruf?

Ähnlich äußerte sich Joram Schweitzer vom Nationalen Institut für Sicherheitsstudien an der Universität Tel Aviv. "Eines der Ziele dieser kleinen und radikalen islamischen Gruppen ist es, einen Bruch, einen Konflikt zwischen Israel und Ägypten herbeizuführen", sagte er. Nebenbei versuchten sie, die Hamas im Gazastreifen zu verdrängen, indem sie immer wieder Gewalt und Gegengewalt mit Israel provozierten.

Das staatliche ägyptische Fernsehen brachte sie mit einer Gruppe von extremistischen Islamisten in Zusammenhang, die auf dem Sinai operiere. Andere Medien zitierten nicht namentlich genannte ägyptische Sicherheitskreise, die behaupteten, die Angreifer gehörten einer neuen Extremistengruppe aus dem Gazastreifen an.

Die ägyptische Armee leitete inzwischen eine großangelegte Suchaktion nach möglichen überlebenden Terroristen ein. Der Grenzübergang Rafah zum Gazastreifen wurde geschlossen, Spezialeinheiten der Armee durchkämmten die Grenzregion. Ägyptens Präsident Mohammed Mursi versprach, er werde den Sinai wieder unter die Kontrolle Kairos bringen. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak äußerte die Hoffnung, dass die Anschläge als Weckruf wirken, damit Ägypten das Chaos auf dem Sinai beende.

In der israelischen Grenzregion waren am Sonntagabend auch Dutzende Raketen und Mörsergranaten eingeschlagen - eine Reaktion von Extremisten im Gazastreifen auf die Tötung eines ihrer Mitglieder durch eine israelische Rakete. Ein direkter Zusammenhang mit den Anschlägen in Ägypten wurde nicht gesehen.

Unsicheres Grenzgebiet

Tatsache ist, dass vor allem das Innere der Halbinsel Sinai ein Areal der Gesetzlosigkeit ist. Die Beduinen, die hier seit Jahrhunderten leben, sind in Ägypten Bürger zweiter Klasse. Viele von ihnen verdienen sich ihr Geld mit dem Schmuggel von Waffen, Drogen und afrikanischen Flüchtlingen, die nach Israel wollen. Dabei nutzen sie ihre exzellenten Ortskenntnisse in dem steinigen Wüstengebiet. Einige von ihnen helfen auch islamistischen Extremisten, die gelegentlich vom Sinai aus Israel anzugreifen trachten.

Im ägyptisch-israelischen Grenzgebiet ist es seit dem Sturz des ägyptischen Machthabers Husni Mubarak im Februar 2011 immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen mit islamischen Extremisten gekommen. Vor zwei Monaten hatten israelische Soldaten zwei schwer bewaffnete Männer erschossen, die nach Angaben des Militärs von Ägypten aus über die Grenze gekommen waren. Dabei war auch ein israelischer Arbeiter getötet worden. Vor einem Jahr hatten Terroristen, die vom Sinai gekommen waren, nördlich von Eilat acht Israelis umgebracht.

Israel baut einen Sicherheitszaun zum Sinai, der Terroristen, Schmuggler und illegale Einwanderer abhalten soll. Der Zaun, der etwa 230 Kilometer lang werden soll, wird voraussichtlich Ende des Jahres vollendet.

Quelle: n-tv.de, dpa

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