Politik

Ermittlungen nach Stockholm-Attentat FBI schickt Bombenexperten

Stockholm ist nur knapp einem Blutbad entgangen, sagt Schwedens Außenminister Bildt in einem Interview. Unterdessen sind Experten dabei, den Anschlag bis ins letzte Detail zu rekonstruieren. Weil Schweden nicht die nötigen Fachleute hat, reisen FBI-Spezialisten an.

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Polizistinnen kontrollieren in Stockholm einen verdächtigen Rucksack. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt.

(Foto: REUTERS)

US-Spezialisten sollen Schwedens Polizei bei der Aufklärung des Selbstmordanschlags von Samstag helfen. Wie Schwedens Justizministerin Beatrice Ask im Fernsehen mitteilte, hat die Bundespolizei FBI aus den USA sieben Bombenexperten nach Stockholm geschickt. Die schwedischen Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass der Selbstmordattentäter, der sich im Vorweihnachtstrubel einer Einkaufsstraße der schwedischen Hauptstadt in die Luft sprengte, Helfer gehabt hat.

Die Staatsanwaltschaft ist sich so gut wie sicher, dass es sich bei dem Täter um den 28-jährigen Taimur Abdulwahab al-Abdali handelt, einen im Irak geborenen Schweden, der in England sowie in Ausbildungslagern in Pakistan geschult wurde. Der Attentäter hatte sich am Samstag in einer Stockholmer Einkaufsstraße in die Luft gesprengt und war sofort tot. Bei einer kurz zuvor von ihm ausgelösten Explosion seines Autos wurden zwei Passanten leicht verletzt.

Beinahe ein Blutbad

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Eine Überwachungskamera filmte die Explosion des Autos.

(Foto: AP)

Nach Ansicht des schwedischen Außenministers Carl Bildt ist Schweden nur knapp einem Blutbad entgangen. "Wir hatten extremes Glück", sagte Bildt im britischen Fernsehsender BBC. Der Attentäter sei nur Minuten und wenige hundert Meter von einer sehr belebten Gegend entfernt gewesen, wo die Folgen katastrophal gewesen wären. "Er lief in eine Gegend, wo, wenn er alle seine Sprengsätze gezündet hätte, ... es ein Blutbad angerichtet hätte, wie wir es seit einiger Zeit in Europa nicht mehr gesehen haben", sagte Bildt.

Der  sei zwar fehlgeschlagen, aber "gut vorbereitet" gewesen, sagte Staatsanwalt Thomas Lindstrand in Stockholm. Deshalb gehe man von Helfern bei der Planung aus. Es gebe aber bisher keine konkret Verdächtigen. Auch der 28-Jährige sei der Polizei und dem für die Terrorbekämpfung zuständigen Sicherheitsdienst Säpo bis zum Anschlag "völlig unbekannt" gewesen, wie Lindstrand erklärte. Nach Berichten britischer und schwedischer Medien wohnte Al-Abdali mit seiner Frau und drei Kindern in der englischen Stadt Luton nördlich von London.

Ein kleines Land wie Schweden verfüge nicht für alle offenen Fragen über die nötigen Experten, erklärte Justizministerin Ask den Einsatz der FBI-Spezialisten. Auch britische Experten sind in die Fahndungsarbeit eingeschaltet.

Unklare Verbindung zu Al-Kaida

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Bei der Durchsuchung in Luton wurde kein gefährliches Material gefunden.

(Foto: AP)

Nach Berichten von Schwedens größter Zeitung "Aftonbladet" war der Attentäter 1992 mit seinen Eltern nach Schweden gekommen. Nach dem Abitur begann er 2001 ein Studium an der englischen Universität Bedfordshire und schloss sich radikalislamistischen Gruppen in Luton an. Die Stadt hat einen hohen muslimischen Bevölkerungsanteil. Am Lutoner Bahnhof hatten sich auch die Attentäter vom 7. Juli 2005 versammelt, bevor sie zu ihren Anschlägen auf die Londoner U-Bahn und einen Linienbus starteten. Dabei starben damals 52 Menschen.

Völlig unklar blieben mögliche , zu denen er sich auch in Facebook-Mitteilungen bekannte. Auf Verbindungen zu Al-Kaida- Terroristen im Irak gibt es auch Hinweise auf verschiedenen Websites islamistischer Extremisten. Doch Details über den Lebenslauf des gebürtigen Irakers deuten darauf hin, dass er nicht in der Heimat seiner Eltern für den Kampf gegen "Ungläubige" indoktriniert wurde, sondern in Islamisten-Zirkeln in Europa.

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Forensiker bei der Untersuchung des Tatorts.

(Foto: REUETRS)

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP/rts

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