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"Außenspiegel-Affäre" stört Neuanfang FDP erreicht "Bodensatz"

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Was ein Aufbruch sein soll, sieht aus wie ein Gang zum Schafott: Döring und Rösler.

(Foto: dpa)

Die FDP befindet sich nach dem Rücktritt von Generalsekretär Lindner im Tiefflug. Meinungsforscher Koschnicke sieht die Liberalen bei n-tv kurz vor der Bedeutungslosigkeit. Lindners Nachfolger Döring ist bemüht, die Reihen zu schließen - und hat mit der "Außenspiegel-Affäre" gleich Ärger am Hals.

"Schlimmer kann es nicht mehr werden" sieht Joachim Koschnicke, Geschäftsführer des Forsa-Instituts, wenig Anzeichen der Hoffnung für die angeschlagene Partei. "Sie krabbeln jetzt seit fast zwölf Monaten meistens unter 5 Prozent herum. Insofern ist so ein gewisser Bodensatz erreicht. Eigentlich kann es nur noch aufwärts gehen. Aber nach dem gestrigen Tag fällt das auch sehr schwer zu glauben", sagte er bei n-tv.

Die Führungskrise der FDP sieht Koschnicke nicht einmal als das Kernproblem an: Was jetzt "viel, viel wichtiger" sei: "dass die FDP endlich wieder Relevanz entfacht, dass die Menschen wissen, wofür steht die FDP, was ist aus ihr nicht zu machen".

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Zastrow ist ein Freund der klaren Worte.

(Foto: dapd)

Scharfe Kritik an der FDP kam von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. "Die FDP ist im freien Fall. Sie ist vor allem orientierungslos. Das drückt sich jetzt eben auch in dieser Entscheidung von Christian Lindner aus", sagte sie bei n-tv. Parteichef Philipp Rösler prophezeite sie ein baldiges Amtsende. "Ich glaube nicht, dass Philipp Rösler diese Katastrophe überlebt und rechne mit einem Rücktritt noch vor der nächsten Landtagswahl in Schleswig-Holstein." Gleichzeitig sieht Nahles ein Problem der Regierungskoalition und schlägt der Kanzlerin vor: "Frau Merkel muss sich wirklich fragen, ob sie nicht mit Neuwahlen besser fahren würde."

"Lächerlichkeitsgrad verschlägt den Atem"

Die Situation der FDP lässt sogar die eigenen Leute zu drastischen Formulierungen greifen. "Der Lächerlichkeitsgrad, den wir da erreicht haben, verschlägt einem den Atem", sagte FDP-Bundesvize Holger Zastrow im Deutschlandfunk.

Unterdessen rief Lindners Nachfolger Patrick Döring die Partei zur Geschlossenheit auf. Die FDP befinde sich "in einer schwierigen Lage" und brauche nun "Stabilität und Solidität", sagte Döring in der ARD. Döring sieht sich derzeit dem Vorwurf ausgesetzt, im November in Hannover Fahrerflucht begangen zu haben. Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge hatte Döring bemerkt, dass er mit seinem Privatwagen den Außenspiegel eines anderen Fahrzeugs gestreift hatte. Döring stellt dies anders dar.

Brüderle, Jauch oder Bushido?

In der Partei wird er offensichtlich als der richtige Mann gesehen. Zastrow bezeichnete Döring bei n-tv als "Idealbesetzung" und "riesige Chance" für die FDP. "Patrick Döring ist angriffslustig", lobte der sächsische FDP-Vorsitzende. Denn das sei die neue, offensive Ausrichtung der Partei: "Wir müssen uns auch endlich mal wehren."

Der Chef der Jungen Liberalen, Lasse Becker, sagte der "Leipziger Volkszeitung", die FDP-Führung müsse nun an einem Strang ziehen und Inhalte umsetzen. Es sei "unerträglich", wenn Präsidiumsmitglieder sich immer wieder von dem Gremium distanzierten. Dann sei es "egal, ob da Rainer Brüderle, Günther Jauch, Thomas Gottschalk oder am Ende Bushido vorne steht", sagte Becker.

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Lindner tritt als FDP-Generalsekretär ab.

(Foto: dpa)

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/AFP

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