Politik

"Jung und naiv" FDP sucht Wikileaks-Plauderer

Im politischen Berlin tun alle so, als seien die vertraulichen diplomatischen Depeschen, die Wikilekas veröffentlicht hat, nicht weiter von Belang. Die FDP schweigt besonders laut, hinter den Kulissen läuft allerdings die Suche nach demjenigen, der der US-Botschaft so bereitwillig aus den Koalitionsverhandlungen berichtete.

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Bisher waren Koaltionsverhandlungen vertraulich.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Liberalen wollen die aufklären. In einem bei Wikileaks enthüllten Dokument hatte US- Botschafter Philip Murphy notiert, ein "junger, aufstrebender Parteigänger" der FDP habe angeboten, Botschaftsmitarbeitern Dokumente aus Koalitionsverhandlungen zu übergeben.

"Wenn es so war, wird sich der Betreffende ermitteln lassen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Döring, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Der Zeitung zufolge wird in der FDP nicht mehr ausgeschlossen, dass es sich bei dem Zuträger um einen Bundestagsabgeordneten handelt. Anfangs war die Wikileak-Darstellung in der FDP angezweifelt worden.

Das Blatt zitiert ein ungenanntes älteres Mitglied des FDP- Bundesvorstands mit den Worten: "Wer jung ist, ist manchmal einfach auch naiv." Der "Mannheimer Morgen" berichtet unterdessen, der stellvertretende Parteichef, Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, habe in der Präsidiumssitzung am Montag die Überlegung ins Spiel gebracht, von allen an den Koalitionsverhandlungen beteiligten FDP-Mitarbeitern eine eidesstattliche Erklärung zu verlangen. Parteichef und Außenminister Guido Westerwelle habe dies jedoch abgelehnt und allen Mitarbeitern sein Vertrauen ausgesprochen. Allerdings soll er angekündigt haben, in der nächsten Zeit mit allen Beteiligten Gespräche führen zu wollen. Angeblich kursierten bereits Namenslisten in der Partei.

Westerwelles Emissär?

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge könnte die FDP ihre Suche nach dem Maulwurf getrost einstellen. In Parteikreisen mache die These die Runde, Westerwelle solle den Spion persönlich zu dem Amerikanern geschickt haben. So habe er die skeptischen USA von seinen Amerika-freundlichen Absichten überzeugen wollen.

Fraktionsvize Döring kritisierte indes auch den Umgang deutscher Medien mit den Berichten. "Die Sympathie liegt einseitig bei Wikileaks, nicht bei den Ausgespähten."

Quelle: ntv.de, sba/dpa

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