Politik

TV-Duell in Schleswig-Holstein Fakten treffen auf Emotionen

Einen klaren Sieger gibt es nicht. Doch das TV-Duell der Spitzenkandidaten von CDU und SPD in Schleswig-Holstein zeigt deutlich, was für Männer im hohen Norden um das Amt des Ministerpräsidenten kämpfen. Der Sozialdemokrat appelliert an das Herz der Norddeutschen, der CDU-Politiker an ihr Hirn.

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Vielleicht werden sie sich künftig öfter so Nahe kommen wie beim TV-Duell. Eine Große Koalition mit Torsten Albig und Jost de Jager ist eine realistische Option in Schleswig-Holstein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eigentlich bieten die Umfrageergebnisse in Schleswig-Holstein genug Zündstoff für eine explosive Debatte. Kurz vor den Landtagswahlen am Sonntag haben sich 40 Prozent der rund zwei Millionen Wahlberechtigten im Norden noch nicht für eine Partei entschieden und CDU und SPD liegen fast gleich auf. Sozialdemokrat Torsten Albig und sein Konkurrent Jost de Jager lieferten sich im TV-Duell des NDR trotzdem einen verhaltenen Schlagabtausch. Doch eines zeigte sich dabei ganz deutlich: Was für Männer da eigentlich gegeneinander antreten.

De Jager kam gleich zu Beginn der Debatte ein wenig in Bedrängnis. Seine CDU hatte ein Flugblatt verbreitet indem er vor der "Dänenampel" warnte. Für eine Rot-Grüne Koalition reicht es laut aktuellen Umfragen nicht. Die Parteien sind daher bereit mit den Vertretern der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein, dem SSW, zu koalieren. Auf dem Flugblatt schrieb die CDU unter anderem, der SSW fordere ein "Taschengeld für Hafturlauber". Eine Falschinformation. Tatsächlich will die Partei ein Taschengeld für Untersuchungshäftlinge.

Sonntagsfrage im hohen Norden

Laut den letzten Umfragen können die Parteien in Schleswig-Holstein mit folgenden Ergebnissen rechnen:

  • SPD: 31-33 Prozent
  • CDU: 30-32 Prozent
  • Grüne: 12-13 Prozent
  • Piraten: 8-9 Prozent
  • FDP: 6-7 Prozent
  • SSW: 4-4,5 Prozent
  • Die Linke: 2-2,5 Prozent

Quelle: Infratest Dimap, 26. April 2012; Forschungsgruppe Wahlen, 27. April 2012; GMS, 2. Mai 2012

Albig jedoch ritt nicht lange auf diesem Fauxpas herum, schließlich habe die CDU den Fehler korrigiert. Der Sozialdemokrat pochte vielmehr darauf, den "sehr inhaltlich und sehr sachlich" geführten Wahlkampf der vergangenen Wochen fortzusetzen, er gestand der CDU gar zu, "ganz solide" zu regieren.

Auch im TV-Duell versuchte sich Albig, wie in seiner gesamten Wahlkampagne, als Versöhner in Szene zu setzen. In Schleswig-Holstein, dass mit dem Heidemörder und der Barschel-Affäre schon etliche politische Intrigen miterleben musste, kommt das gut an. Albig ist mit großem Abstand der beliebteste Politiker des Landes. 49 Prozent der Schleswig-Holsteiner wünschen sich ihn laut der letzten Umfragen als Ministerpräsidenten. Nur 27 können sich dagegen de Jager vorstellen.

Der CDU-Politiker stand daher unter größerem Druck, anzugreifen. Er tat es, indem er Albig vorwarf, keine konkreten Konzepte für die Haushaltskonsolidierung zu haben. Die Sozialdemokraten würden nur dann konkret werden, wenn es um zusätzliche Ausgaben gehe, so de Jager.

Albig erwiderte, er wolle ein Blick auf alle Posten im Haushalt werfen und dann die identifizieren, an denen sich sparen ließe. "Es gibt keine Tabubereiche." Deutlich konkreter wurde er nicht. Politik müsse mit Gestaltungswillen und nicht mit der Attitüde eines Mathematikers gemacht werden, sagte Albig. Der Sozialdemokrat appellierte immer wieder an die Emotionen der Wähler, versprach ihnen zuzuhören, ihre Impulse in seine Politik aufzunehmen.

De Jager punktete dagegen vielmehr mit seinem Faktenwissen. Der Wirtschaftsminister rechnete vor, dass eine Rot-Grüne Koalition bis zum Greifen der Schuldenbremse 2020 voraussichtlich 1,8 Milliarden Euro mehr ausgeben würde als die CDU. Er berichtete, dass seine Partei seit 2005 rund 90.000 sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen habe, sprach sich gegen einen flächendeckenden Mindestlohn aus.

Einen klaren Sieger gab es nach dem Duell nicht. Beide Kandidaten punkteten auf ihre Art. Vielleicht ein Vorgeschmack auf eine Große Koalition, in der sich der emotionsbetonte Albig und der kühle Rechner de Jager ergänzen? Unwahrscheinlich ist das zumindest nicht. Die FDP erstarkt im Norden in Umfragen. Sie liegt bei sechs Prozent. Der Einzug der Piraten in den Landtag gilt als noch sicherer als der der Liberalen. Das führt dazu, dass eine Mehrheit einer Dänenampel wenn überhaupt bestenfalls hauchdünn ausfiele. Wenn sie nicht zustande käme, wäre eine Große Koalition die einzige Option.

Albig zeigte sich vielleicht auch deshalb selbst bei diesem Thema versöhnlich. Die letzte Große Koalition zerbrach, weil sich der amtierende Ministerpräsident der CDU, Peter-Harry Carstensen, und der Landesvorsitzende der SPD, Ralf Stegner, nicht ausstehen konnten. Eine weitere Große Koalition wollten danach zunächst weder SPD noch CDU eingehen. Doch Albig sagte nun im TV-Duell: "Mir graut vor gar keiner demokratischen Lösung." De Jager erwiderte immerhin, er wolle sich vor dem Wahltag nicht auf eine Koalition festlegen.

Quelle: n-tv.de, ieh

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