Politik

Massen gegen Krieg Florenzer Friedensmarsch

Fast eine halbe Million Menschen aus ganz Europa haben am Samstag in Florenz von den USA verlangt, auf einen Krieg gegen Irak zu verzichten.

Mehr als 450.000 Demonstranten zogen nach Behördenangaben durch die Straßen, während mit Bussen und Zügen noch immer Menschen zu der Kundgebung anreisten. Die Veranstalter schätzten, die Zahl der Demonstranten könne auf eine Million steigen. Die friedliche Kundgebung im Stile eines Volksfestes fand am Rande des ersten Europäischen Sozialforums statt, ein Zusammenschluss von unabhängigen und autonomen Verbänden, Menschenrechts- und Kirchengruppen, Gewerkschaften sowie linken Organisationen und Parteien, die in Florenz einen viertägigen Kongress veranstalten. Die Polizei hatte 7.000 Mann aufgeboten, hielt sich aber möglichst im Hintergrund.

Die Demonstration begann mehr als eine Stunde früher als geplant, weil einfach kein Platz mehr war für die stetig anwachsende Menge. Friedlich und in einer entspannten Atmosphäre zogen die Menschen am Arno entlang durch die Straßen von Florenz zum Fußballstadion, wo dann noch ein Konzert stattfinden sollte. Der Protest richtete sich vor allem gegen die Politik der USA und die multinationalen Konzerne, denen eine Politik zur Lasten der Armen und der Umwelt vorgeworfen wurde.

Die italienische Polizei hatte die Sicherheitsvorkehrungen erheblich verstärkt. Unter anderem waren 850 Mülleimer entlang der Demonstrationsstrecke entfernt worden. Seit Beginn des Sozialforums am Mittwoch waren 7.000 Polizisten in der Stadt im Einsatz. Bei der Kundgebung hielten sie sich weitgehend im Hintergrund. „Ich habe noch nie so viele Demonstranten und so wenige Polizisten gesehen“, sagte ein deutscher Teilnehmer, Uwe Schurmann aus Oberhausen.

Die italienische Regierung hatte sogar den Luftraum über der Stadt für Privatflugzeuge von Mittwoch bis Sonntag gesperrt. Italien setzte wegen des Treffens sogar das Schengener Abkommen, das eigentlich allen EU-Bürgern Reisefreiheit in der Europäischen Union gewährt, außer Kraft. Die Großdemonstration galt auch als Test für die italienische Polizei, die sich nach dem G-8-Gipfel in Genua im vergangenen Jahr schwere Vorwürfe anhören musste, als Karabinieri einen Demonstranten erschossen und hunderte Menschen verletzten.

Quelle: ntv.de