Politik

Polit-Affäre vor Präsidentenwahl François Fillon verliert seine Favoritenrolle

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Der Konservative François Fillon muss französischen Medienberichten zufolge um seine Kandidatur fürchten.

(Foto: Sipa USA via AP)

Für François Fillon, den einstigen Favoriten im Rennen um die Präsidentschaft in Frankreich, droht "Penelope-Gate" zum politischen Überlebenskampf zu werden: In einer neuen Umfrage büßt er seinen Spitzenplatz ein. Davon profitieren könnte auch Marine Le Pen.

Der massiv unter Druck geratene französische Konservative François Fillon hat laut einer neuen Umfrage seine Favoritenrolle für die Präsidentschaftswahl verloren. Der konservative Kandidat käme derzeit im ersten Wahlgang auf 19 bis 20 Prozent der Stimmen und würde damit nicht in die entscheidende Stichwahl einziehen, prognostiziert eine Studie des Instituts Elabe. Demnach hat Fillon innerhalb von vier Wochen fünf bis sechs Prozentpunkte verloren. Seit vergangener Woche stehen Fillon und seine Frau im Zentrum eines Polit-Skandals, bei dem es vor allem um den Verdacht des Missbrauchs öffentlicher Gelder geht.

"Le Canard Enchaîné" - Eine Ente zum Fürchten

"Le Canard Enchaîné" bedeutet gefesselte Ente. Sie ist in Frankreich als Satireblatt und Enthüllungszeitung eine feste Institution. Wenig fürchten französische Politiker mehr als dieses Blatt. Immer wieder hat die investigative Zeitung, die die Scheinbeschäftigungs-Affäre um François Fillon ins Rollen brachte, Skandale aufgedeckt.

Eine der bekanntesten Enthüllungen: 1979 deckte das Blatt auf, dass sich Frankreichs damaliger Staatschef Valéry Giscard d'Estaing vom zentralafrikanischen Diktator Bokassa wertvolle Diamanten schenken ließ. Die Satirezeitung wird jede Woche rund 390.000 Mal verkauft und finanziert sich ohne Werbung.

Die französische Justiz prüft derzeit Vorwürfe der Scheinbeschäftigung im Zusammenhang mit der Tätigkeit von Penelope Fillon. Die 60-Jährige soll über mehrere Jahre für die Arbeit als Assistentin ihres Mannes und dessen Nachfolgers in der Nationalversammlung sowie bei einem Magazin, das einem Freund Fillons gehört, insgesamt rund 930.000 Euro erhalten haben. Dass Parlamentsabgeordnete ihre Angehörigen beschäftigen, ist in Frankreich nicht verboten. Doch Penelope Fillon soll für ihre Vergütung nie wirklich gearbeitet haben.

In den Medien wird bereits darüber spekuliert, ob der lange als klarer Präsidentschaftsfavorit gehandelte 62-Jährige noch zu halten ist. Schon jetzt ist der Imageschaden für den Kandidaten der Konservativen gewaltig - zumal Fillon stets den politischen Saubermann gegeben hat. Er selbst geht mittlerweile in die Offensive. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bezeichnete er als organisierten Angriff der Linken. Bei einem Treffen mit Abgeordneten seiner Partei soll er von einem "institutionellen Staatsstreich" gesprochen haben, erklärte sein Sprecher Thierry Solère vor Journalisten. Man versuche, seine Kandidatur zu verhindern.

Stellen sich Sozialisten hinter Macron?

Die Umfrage im Auftrag der Zeitung "Les Échos" und des Senders Radio Classique sieht derzeit die Rechtspopulistin Marine Le Pen (26 bis 27 Prozent) und den unabhängigen Bewerber Emmanuel Macron (22 bis 23 Prozent) als Finalisten der Wahl. Bislang hatten Umfragen eine Stichwahl mit Fillon und Le Pen erwarten lassen, in der Fillon dann klar vorne gelegen hätte. Dass dies nun nicht mehr der Fall ist, könnte Le Pen zugutekommen. Aber auch Macron verschafft sie womöglich eine wesentlich bessere Ausgangsposition - zumindest dann, wennn ihn der rechte Flügel der Sozialisten unterstützt.

Denn auch der sozialistische Kandidat Benoît Hamon ist derzeit recht glücklos. Wichtige Abgeordnete des rechten Flügels innerhalb der sozialistischen Partei - darunter auch der französische Finanzminister Michel Sapin - verweigern dem Präsidentschaftskandidaten die Gefolgschaft. Ihnen sind die Positionen des Parteilinken zu radikal. Hamon fordert unter anderem ein Grundeinkommen für alle Franzosen und kritisiert den Kurs des sozialistischen Präsidenten Francois Hollande scharf. Umfragen zufolge hat er aber kaum Chancen, die erste Runde der Präsidentenwahl zu überstehen.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/AFP

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