Politik

Atomwaffen-Tests Frankreich entschädigt Opfer

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Frankreich hat über Jahrzehnte Atomwaffen getestet - mit verheerenden Folgen.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Knapp fünfzig Jahre nach dem ersten französischen Atomwaffentest sollen die Opfer der Versuche entschädigt werden. Die Nationalversammlung in Paris billigte in erster Lesung ein Gesetz, das die Entschädigung der Veteranen und der betroffenen Bevölkerung in Algerien und in der Südsee regeln soll. Der Veteranenverband Aven sprach von einem "ersten Akt", auf den nun der zweite folgen müsse.

Für das Gesetz stimmte die konservative Regierungsmehrheit. "Die Veteranen haben es Frankreich auf Kosten ihrer Gesundheit und bisweilen ihres Lebens ermöglicht, in Frieden zu leben, zu den großen Mächten der Welt zu gehören und sich einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu verdienen", sagte der Abgeordnete Philippe Folliot.

Seit Jahren krank

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Präsident Chirac wurde wegen der Tests Anfang der 90er-Jahre immer wieder heftig kritisiert.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die sozialistische Opposition enthielt sich bei der Abstimmung, weil ihrer Meinung nach die Opferverbände nicht genügend in die Verwaltung der Entschädigungen einbezogen würden. Die Abgeordneten der Kommunistischen Partei stimmten gegen den "rein symbolischen Gesetzestext", der noch den Senat passieren muss. Frankreich kaufe sich damit stolz von "den verheerenden Folgen" seiner Atomwaffentests zwischen 1960 und 1996 frei, kritisierte der kommunistische Abgeordnete Maxime Gremetz.

Die französische Armee hatte zunächst in Algerien und bis in die 90er Jahre auf den französischen Südseeinseln Muroroa und Fangataufa ihre Atomwaffen getestet. Über die Jahre waren an den 210 Tests rund 150.000 Militärangehörige und zivile Angestellte beteiligt; dazu kommt die Bevölkerung der Testgebiete. Viele Opfer klagen seit Jahren über gesundheitliche Folgen wie Leukämie und andere Krebsarten.

Diverse Unfälle

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Französische Soldaten sonnen sich am Strand von Muroroa - kurz nach einem Test.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin schätzt, dass "mehreren hundert" Menschen eine Entschädigung zusteht. Die Entscheidung soll jeweils ein Fachausschuss treffen. Laut Morin soll das Gesetz noch vor Jahresende in Kraft treten. Die Regierung hatte einen Zusammenhang zwischen den Tests und den gehäuften Erkrankungen lange Zeit zurückgewiesen.

Das Verteidigungsministerium erkennt mit den geplanten Entschädigungen nun auch mehrere Unfälle bei Atomwaffentests an, bei denen Menschen in der Umgebung verstrahlt wurden - wie etwa im Mai 1962, als sich bei einem Test unter der algerischen Wüste erheblicher radioaktiver Niederschlag in einem Umkreis von 150 Kilometern verbreitete.

Quelle: ntv.de, AFP

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