Politik

Rebellen immer weiter zurückgedrängt Gaddafis Armee steht vor Brega

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Ein Aufständischer sucht Schutz auf der Straße zwischen der Ölstadt Ras Lanuf und Brega.

(Foto: REUTERS)

Die Aufständischen in Libyen geraten immer mehr in Bedrängnis. Im Osten des Landes stehen die Truppen von Diktator Gaddafi kurz vor der Einnahme von Brega. Die Rebellen ziehen sich Richtung Bengasi zurück. In Westlibyen könnte auch die Stadt Misrata an die Soldaten des Regimes fallen.

Die Truppen von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi gewinnen im Kampf gegen die Aufständischen immer mehr an Boden. Nachdem die Regierungstruppen die Umgebung der Stadt Brega einnahmen, zogen sich die Rebellen nach eigenen Angaben ins weiter östlich gelegene Adschdabija zurück, dem letzten Stützpunkt vor der Oppositionshochburg Bengasi. Angesichts der Lage forderte die Arabische Liga die Einrichtung einer Flugverbotszone.

Die Regierungstruppen übernahmen nach Angaben der Aufständischen inzwischen die Kontrolle über das Dorf El Bischer bei Brega, nachdem sie die Gegend um die ostlibysche Stadt bombardiert hatten. Die Aufständischen hätten sich daraufhin ins weiter nordöstlich liegende Adschdabija zurückgezogen. Das libysche Staatsfernsehen berichtete, die Rebellen seien aus Brega "vertrieben" worden.

Die Gaddafi-Truppen hatten am Samstag bereits die Rückeroberung der Städte Ben Dschawad und Ras Lanuf gefeiert. Mit frisch gedruckten Bildern des Machthabers und Pro-Gaddafi-Rufen bejubelten die Regierungsanhänger ihren Sieg. Gaddafis Sohn Seif el Islam erklärte in italienischen Medien, der Sieg über die Aufständischen stehe kurz bevor. 90 Prozent des Landes seien bereits unter der Kontrolle der regierungstreuen Truppen.

Letzte Stadt im Westen wird angegriffen

Während die Gaddafi-Gegner vor allem noch Teile im Osten des Landes kontrollieren, halten sie im Westen noch die Stadt Misrata. Nachdem die Stadt vergangene Woche Ziel von Offensiven der Gaddafi-Truppen war, wurden in der Umgebung Schüsse aus automatischen Waffen abgegeben, wie Einwohner berichteten. Ein weiterer Bewohner sagte, er erwarte, dass Söldner Gaddafis die Stadt angreifen würden, nachdem bereits die westliche Stadt Sawijah zurückerobert wurde.

Nach Darstellung von Aufständischen wechselten beim Vormarsch auf Misrata 32 Soldaten Gaddafis die Fronten. Sie hätten sich der Opposition angeschlossen, sagte einer der Rebellen. Der Bericht konnte nicht von unabhängigen Quellen bestätigt werden. Nach Darstellung der Rebellen ist unter den 32 Militärangehörigen auch ein General.

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Die Truppen Gaddafis bombadierten die Gegend um Brega.

(Foto: REUTERS)

Erstmals seit Beginn des Konflikts Mitte Februar wurde zudem ein ausländischer Journalist getötet. Dabei handelte es sich um den Kameramann des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira. Wie der in Katar ansässige Sender mitteilte, wurden er und sein Team in der Nähe Bengasis in einem Hinterhalt angegriffen. Der Kameramann wurde demnach erschossen, ein weiterer Reporter des Senders durch Schüsse verletzt.

G-8-Staaten treffen sich in Paris

Trotz der anhaltenden Kämpfe in Libyen ist bislang noch keine Entscheidung hinsichtlich der Einrichtung einer Flugverbotszone über dem nordafrikanischen Land gefallen. Bei einem Krisentreffen in Kairo sprach sich am Samstag allerdings die Arabische Liga für diese Maßnahme aus und rief den UN-Sicherheitsrat auf, "seiner Verantwortung gerecht zu werden". Damit sollten weitere Angriffe der libyschen Luftwaffe auf die Aufständischen verhindert werden. Die USA begrüßten die Forderung. Das libysche Regime verurteilte dagegen die Entscheidung. Bei dem Beschluss zur Flugverbotszone handele es sich um eine "inakzeptable Abweichung vom Statut der Liga", kommentierte das staatliche Fernsehen.

International herrscht indes weiter Uneinigkeit über die Einrichtung einer Flugverbotszone. Nach den Krisentreffen von EU und NATO, die keine konkreten Ergebnisse brachten, ist für Montag ein G-8-Treffen auf Ministerebene geplant. US-Außenministerin Hillary Clinton und ihre EU-Kollegen wollen dann in Paris erneut über eine Flugverbotszone diskutieren und dies mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow abstimmen, nachdem Moskau sich diesbezüglich bislang zurückhaltend gezeigt hatte. Auch die Bundesregierung äußerte sich skeptisch. Die EU rief zu einem Krisengipfel mit der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union auf.

Quelle: ntv.de, AFP