Politik

Schleyers unverständlicher Tod Gedenken nach 30 Jahren

30 Jahre nach der Ermordung von Arbeitgeber- Präsident Hanns Martin Schleyer durch die RAF hat der Autokonzern Daimler in mehreren überregionalen Zeitungen an sein früheres Vorstandsmitglied erinnert. "Sein Tod ist bis heute unverständlich", heißt es in der gemeinsamen Todesanzeige von Vorstand, Aufsichtsrat und Belegschaft. "Hanns Martin Schleyer hat das Bild unseres Unternehmens, aber auch Deutschlands, sowohl mit seinem Weitblick und seinem Verständnis von Werten, die es zu erhalten galt, als auch mit seinem unternehmerischen Wirken nachhaltig geprägt."

In der Anzeige wird auch an die drei Polizisten und den Fahrer des ehemaligen Auto-Managers erinnert, die Anfang September 1977 von der terroristischen Roten Armee Fraktion (RAF) bei Schleyers Entführung ermordet wurden. Der Arbeitgeber-Präsident wurde sechs Wochen danach mit drei Kopfschüssen regelrecht hingerichtet. Seine Leiche wurde am 19. Oktober im Kofferraum eines Autos im elsässischen Mülhausen gefunden. Ursprünglich wollte die RAF mit der Entführung die in Stuttgart-Stammheim inhaftierten RAF-Terroristen freipressen.

Wagner unbelehrbar

Zum 30. Jahrestag der Schleyer-Ermordung hatte der frühere RAF-Terrorist Rolf Clemens Wagner zuvor mit einer Rechtfertigung der Entführung eine Welle der Empörung ausgelöst. Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sagte, Wagner habe sich mit "menschenverachtenden Äußerungen" als gnadenunwürdig erwiesen. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt rief am Mittwoch dazu auf, die RAF-Opfer in Erinnerung zu behalten.

Wagner hatte in einem Interview der Berliner Tageszeitung "junge Welt" erklärt: "Manche Ergebnisse unserer Überlegungen bleiben auch aus heutiger Sicht richtig. Wie die Entscheidung, Hanns-Martin Schleyer zu entführen. Der wurde mit seiner SS-Geschichte als Wehrwirtschaftsführer in besetzten Gebieten und seiner aktuellen Funktion als Aussperrer und Präsident des Unternehmerverbands ja nicht zufällig ausgesucht." Es sei lediglich ein Fehler gewesen, dass aus dem "Politikum" Schleyer "einfach zu wenig gemacht" worden sei, wurde Wagner weiter zitiert. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft, ob sie ein Ermittlungsverfahren einleiten wird.

Wagner war unter anderem wegen der Beteiligung an der Entführung und Ermordung Schleyers zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Im November 2003 wurde er nach insgesamt 24 Jahren in Haft vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau begnadigt.

Quelle: ntv.de

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