Politik

"Sehr sorgfältig gewählt" Geißler verteidigt Goebbels-Zitat

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Geißler bleibt beim "totalen Krieg".

(Foto: dpa)

CDU-Politiker Geißler bleibt dabei: Das Zitat vom "totalen Krieg" hält er bei Stuttgart 21 für angebracht. In Nazi-Nähe sei er damit nicht. "Der totale Krieg, den hat schon Winston Churchill verwendet, und Prinz Heinrich von Preußen an Friedrich den Großen", sagt der S21-Schlichter. Man müsse zuspitzen, um gehört zu werden.

Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler hat nach dem Wirbel um sein umstrittenes Goebbels-Zitat den Vorwurf scharf zurückgewiesen, er bewege sich in geistiger Nähe des Propagandaministers der Nazis. "Wenn ich in der Nähe von Goebbels bin, ist der Playboy das Mitteilungsblatt des Vatikans", sagte Geißler der "Passauer Neuen Presse".

Geißler sagte, er habe das Zitat bei der Präsentation des sogenannten Stresstests zum Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 am vergangenen Freitag "sehr sorgfältig gewählt". Er habe "absichtlich zugespitzt", um klar zu machen, dass eine friedliche Lösung in Stuttgart notwendig sei. "Man muss zuspitzen, damit man gehört wird", betonte der CDU-Politiker.

Churchill und andere

Geißler verwies überdies darauf, dass das umstrittene Zitat keineswegs von Goebbels stamme. "Der totale Krieg, den hat schon Winston Churchill verwendet, und Prinz Heinrich von Preußen an Friedrich den Großen", sagte Geißler laut einem Bericht der "Badischen Neuesten Nachrichten".

NS-Propagandaminister Joseph Goebbels hatte im Februar 1943 im Berliner Sportpalast das deutsche Volk mit den Worten "Wollt ihr den totalen Krieg?" zum bedingungslosen Kampf gegen die alliierten Kriegsgegner aufgerufen. Seitdem gilt der Satz als Ausdruck der Nazi-Sprache.

"Verbalradikalismus"

Geißler hatte bei der Präsentation des sogenannten Stresstests zu Stuttgart 21 am vergangenen Freitag die Konfliktparteien nach mehrstündigen harschen Auseinandersetzungen mit dem umstrittenen Zitat zur Ordnung gerufen und später seinen Kompromissvorschlag auf den Tisch gelegt, der eine Kombilösung aus einem verkleinerten Tiefbahnhof und dem bestehenden Kopfbahnhof vorsieht.

In einem Interview am Dienstag hatte der die Verwendung verteidigt und durch seine Argumentation Kritik ausgelöst. SPD, FDP und zahlreiche Medien hatten ihm vorgehalten, er habe die Worte aus der berüchtigten Hetzrede von Goebbels übernommen. SPD-Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel sprach von "Verbalradikalismus".

Quelle: ntv.de, tis/dpa/AFP