Politik

Starkbier mit Nachgeschmack "Grenze" überschritten

Der Zentralrat der Juden ist wegen einer satirischen KZ-Anspielung beim traditionellen Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg verärgert. Zentralratspräsidentin Knobloch kritisiert Äußerungen von "Bruder Barnabas" als nicht hinnehmbar und unterhalb der Gürtellinie.

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Charlotte Knobloch: Scherze, die das Leid der Opfer in Konzentrationslagern verharmlosten oder möglicherweise gar der Lächerlichkeit preisgäben, sind eine "Schande" für eine "ansonsten gelungene Veranstaltung".

(Foto: dpa)

Der Zentralrat der Juden hat mit Empörung auf eine satirische KZ-Anspielung beim traditionellen Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg reagiert. Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch bezeichnete einen entsprechenden Vergleich in der Rede des Schauspielers Michael Lerchenberg als "nicht hinnehmbar" und "Schande".

Lerchenberg hatte gehöhnt, FDP-Chef Guido Westerwelle versammle Hartz-IV-Empfänger "in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein großer Zaun." Über dem Eingangstor werde "in großen eisernen Lettern" stehen: "Leistung muss sich wieder lohnen." Knobloch wertete dies als eine unpassende Anspielung auf das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, in dem von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg 1,1 Millionen Menschen ermordet wurden, darunter eine Million Juden. Über dem Eingangstor des KZ stand der zynische Schriftzug "Arbeit macht frei".

Unter der Gürtellinie

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Lerchenberg alias "Bruder Barnabas" verteidigt sich: "Die Themen erfinde ich doch nicht, die liegen auf der Straße."

(Foto: APN)

Einen derartigen Ausrutscher unter der Gürtellinie habe sie "bislang noch nicht erlebt", sagte Knobloch. "Scherze, die das Leid der Opfer in den Konzentrationslagern verharmlosen oder gar der Lächerlichkeit preisgeben, sind eine Schande für die ansonsten gelungene Veranstaltung."

Mit den "unbedachten" Äußerungen habe Lerchenberg "eine Grenze überschritten", so Knobloch in München. Auch bei allem Respekt für dessen künstlerische Freiheit sei dies nicht hinnehmbar.

Innenminister und Polizei protestieren auch

Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) protestierten gegen die Rede. Lerchenberg habe die Polizei als "lahme, schießwütige und prügelnde Truppe" hingestellt, sagte der bayerische DPolG-Vorsitzende Hermann Benker.

Lerchenberg verteidigt sich

Der Schauspieler verteidigte sich für seinen Auftritt als "Bruder Barnabas": "Eine Fastenpredigt ist keine Lachparade", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Ihm sei klar gewesen, dass "ein paar Sachen, die der Bruder Barnabas in seiner Predigt sagt, heute Anlass zur Diskussion geben werden. Aber die Themen erfinde ich doch nicht, die liegen auf der Straße." Er stelle fest, dass Westerwelle anfange, die CDU mit "viel Populismus" rechts zu überholen, eine Neiddebatte auf Kosten von Armen anzettele und Millionen Menschen diskreditiere.

Beim sogenannten Derblecken auf dem Münchner Nockherberg wird alljährlich die politische Führung mit Hohn und Spott bedacht.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP