Politik

Elefantenrunde nach der Wahl Großer Schlagabtausch und kaum Gewinner

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Geballte politische Kompetenz führte bei der "Elefantenrunde" zum verbalen Schlagabtausch.

(Foto: imago/photothek)

Die "Elefantenrunde" nach der Bundestagswahl zeigt in erster Linie eines: Die Schwergewichte der deutsche Parteienlandschaft haben mit erheblichen Wirkungstreffern zu kämpfen. Und auch nach der Wahl teilen alle noch einmal kräftig aus.

Kanzlerin Angela Merkel hat sich in der sogenannten Elefantenrunde der im Bundestag vertretenen Parteien in ARD und ZDF mit dem schwachen Ergebnis der Union zufrieden gezeigt. "Wir sind klar stärkste Kraft geworden, das war eines der wichtigsten Ziele. Das zweite Ziel war, dass ohne uns keine Regierung gebildet werden kann", verkündete Angela Merkel.  Auch CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann betonte, dass man nur Rot-Rot-Grün verhindern wollte und das auch geschafft habe.

Der Union bleiben in der Regierungsbildung aber nur wenige Möglichkeiten. Das weiß auch Merkel, die mit Jamaika und der Großen Koalition "rechnerisch zwei" Optionen aufzählt, aber abrupt von Schulz unterbrochen wird, dass diese nur rechnerische bestehen würden, "nicht politisch." In diesem Moment beginnt Schulz sich nicht nur als großer Verlierer der Wahl, sondern auch der Talkrunde herauszukristallisieren.

AfD bleibt ungewollt im Fokus

Denn ein zentrales Thema der Runde ist die Schuldfrage, warum die AfD bei der Bevölkerung so einen großen Zuspruch findet. Da zeigt sich Schulz leicht angefressen und schießt gegen die Kanzlerin: "Ich glaube, dass Frau Merkel einen Wahlkampf geführt hat, der skandalös war. Die systematische Verweigerung von Politik hat ein Vakuum entstehen lassen, das die AfD teilweise geschickt gefüllt hat. Ich glaube dass Frau Merkel eine große Verantwortung dafür trägt."

Nachdem er in der Folge Herrmann als Merkels "Anhängsel" bezeichnete, wurden ihm seine Verfehlungen von der ganzen Gruppe vorgehalten. Die Grüne Katrin Göring-Eckardt erkannte in Schulz' Verhalten endlich die "harte Auseinandersetzung, die sie im Wahlkampf nicht gezeigt haben." Seine Partei solle aber lieber daran mitarbeiten, sich in der Opposition gegen die AfD zu positionieren.

FDP-Chef Christian Lindner empfahl daraufhin, Schulz nicht noch mehr Redezeit zu geben, damit er sich "um Kopf und Kragen reden" könne. Die Sendung sei nicht eine Verlängerung des Wahlkampfes. Zum Umgang mit der AfD setzte der Frontmann der FDP ganz auf seine Erfahrung aus dem nordrhein-westfälischen Landtag. Die AfD müsse man auch einfach mal überhören. "Die sind am Buffet wenn die anderen über Sachfragen reden. Man muss die AfD zwingen, sich mit den Sachfragen der Bundesrepublik auseinander zu setzen."

Herrmann nimmt ARD und ZDF mit in Boot

AfD-Vertreter Jörg Meuthen, der immer wieder leicht schmunzelnd, teils kichernd auf die Anfeindungen aus allen Lagern reagiert, beteuert, sich auch im Bundestag an die "parlamentarischen Spielregeln" halten zu wollen. "Krawall" gehöre nicht zur AfD ebenso wenig wie Ausländerfeindlichkeit, die man in der Partei "nicht dulden" werde. "Wir haben sie schlichtweg nicht", provozierte Meuthen die Runde, um dann von Moderator Rainald Becker an die "Angst vor Mischkulturen" eines AfD-Landtagsabgeordneten erinnert zu werden.

Aber auch die Vertreter der Sender bekamen durch Joachim Herrmann ihr Fett weg: "Die Hälfte der Sendezeit haben wir uns nur mit der AfD beschäftigt. Das ist ein völliger Unfug." Die öffentlich-rechtlichen Sender hätten die AfD nicht klein, sondern groß gemacht.

Für eine Diskussion zur möglichen Jamaika-Koalition blieb dann wenig Zeit. Wenngleich die FDP bekundete, dass sie bereit sei. "Wenn Gutes bewirkt werden kann im Land, dann wäre es falsch nicht in die Verantwortung zu treten", so Lindner.  Für die Grünen sprach Göring-Eckardt von "schwierigen" Gesprächen, die bevorstehen.

Sarkastisch optimistisch zeigte sich auch Martin Schulz einer neuen Regierung gegenüber. "Sie müssen sich keine Sorgen machen", adressierte er an Göring-Eckardt und Lindner. "Sie kriegen alles durch. Frau Merkel wird jede Konzession machen." Denn eine Minderheitenregierung hatte die Kanzlerin bereits ausgeschlossen.

 

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Quelle: n-tv.de

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