Politik

"Die Scham wird fortdauern" Guttenberg gibt Fehler zu

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Er habe lange gebraucht, um seine Eitelkeit zu überwinden, sagt Karl-Theodor zu Guttenberg über sich selbst.

(Foto: dpa)

Fünf Jahre Abstand und der Umzug in die USA haben viel bewirkt: Karl-Theodor zu Guttenberg zeigt sich geläutert. Bei einer Konferenz in Berlin erzählt er, wie er sich nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister verändert habe.

Für einen Besuch ist Karl-Theodor zu Guttenberg nach Berlin zurückgekehrt. Dabei zeigte er sich so selbstkritisch wie selten. Bei einer Konferenz der Alfred Herrhausen Gesellschaft und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sprach er über seinen Fall vom CSU-Star zum verbrannten Betrüger. Der Sturz sei "abgründig selbst verursacht" gewesen, sagte er fünf Jahre nach der Plagiatsaffäre.

Es gibt einen großen Unterschied dazwischen, wie Guttenberg die Zeit nach seinem Rücktritt damals empfunden hat und wie er sie heute sieht. Damals sei er "schrecklich selbstbezogen" gewesen, räumte er nun ein. Guttenberg war nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister mit seiner Familie in die USA gezogen. Er arbeitete dort als Berater für Unternehmen. Sein Blick auf Deutschland habe sich innerhalb kürzester Zeit stark verändert, sagte er.

"Ich sah ein Land der maßlosen Kritiker, der Häme, der Selbstgerechtigkeit und des Nachtretens". Gleichzeitig habe er sich aber auch geschämt. Außerdem habe er "plötzlich Angst gehabt" – vor den Menschen in der Heimat und vor sich selbst.

Rückkehr ist nicht geplant

Darüber ist Guttenberg heute hinweg, teilweise zumindest. Die Angst sei gewichen, "sonst stünde ich heute nicht vor Ihnen", sagte er. Dennoch: "Die Scham wird fortdauern." Die große Entfernung zu Deutschland habe ihm gut getan. Distanz sei sogar der "heilsame Faktor", so Guttenberg. "Ohne ständige Begleitung und ohne ständige Kommentierung" habe er seine Schwächen betrachten können. "Ich habe lange gebraucht, um meine Eitelkeit zu überwinden und die dann folgenden Erfahrungen nicht ausschließlich an meine Person zu koppeln." Heute wisse er: "Die Kritik war mehr als berechtigt."

Reue und viel Selbstkritik – ist das die Vorarbeit für eine zweite Chance als Politiker in Deutschland? CSU-Chef Horst Seehofer würde das wohl freuen, er soll Guttenberg deshalb schon mehrfach umworben haben. Doch Guttenberg kann sich im Moment nicht einmal vorstellen, überhaupt nach Deutschland zurückzukehren. Er trage inzwischen Verantwortung für ein Unternehmen, und das gefalle ihm. Sehr gerne sei er ein "Besucher in Deutschland", der "allerdings seine Heimat nicht vergessen hat". Früher oder später soll es aber wieder zurückgehen: "Es wird auch einen Moment geben, wo wir wieder zurückkommen hierher, weil in Amerika werde ich nicht alt."

Trump, ein "blonder Prolet"

Bei aller Selbstkritik teilte Guttenberg in seiner Rede aber auch aus. Dabei ging er vor allem Rechtspopulisten an wie den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner Donald Trump. Es sei "ernüchternd", was in den USA passiere, sagte er. Noch letztes Jahr habe er "getönt, wie froh wir sein können, bislang keinen wirklich begabten Charismatiker in den rechts- wie linkslastigen Bewegungen zu haben".

Doch das sei töricht gewesen. "Es reicht offenbar ein blonder Prolet mit der betörenden Aura eines Grundschulbullys zu sein." Donald Trump habe es sogar geschafft, den politischen Skandal zu entwerten, indem er "ihn inflationär zelebriert". Dann witzelte Guttenberg über seinen eigenen Skandal um seine abgeschriebene Doktorarbeit: "Was war das doch für eine schöne Zeit, als man noch wegen Abschreibens sauber aus dem Amt gejagt werden konnte." Doch nun könne man sich in London mit "einer haarsträubenden Brexit-Kampagne" sogar als Außenminister qualifizieren.

Guttenberg nutzte seinen Auftritt auch, um der Politik Ratschläge zu erteilen. Er warnte die etablierten Parteien davor, Populisten mit ihren eigenen Waffen zu bekämpfen. Dann bestehe die Gefahr, "dass das Waffenarsenal stumpfer wird, als das der Gegner".

Danach spielte er anscheinend auf Kanzlerin Angela Merkel an. Sie hatte nach den Wahlschlappen der CDU in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern Fehler in der Flüchtlingspolitik zugegeben. Guttenberg sagte, Selbstkritik der Regierenden sei "nicht der schlechteste Ausgangspunkt für eine veränderte Strategie". Ein anderes Mittel sei Aufmunterung. Barack Obamas "Yes we can" sei Angela Merkels "Wir schaffen das" da sehr ähnlich. Allerdings könnten solche Sätze ohne ein "Aber" am Ende das Misstrauen in der Gesellschaft verstärken.

Quelle: ntv.de, hul