Politik

Vereiteltes Blutbad in Kopenhagen Haftbefehl gegen Verdächtige

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Ein Polizist vor dem Gericht in Kopenhagen.

(Foto: dpa)

Die verhafteten Terrorverdächtigen in Dänemark weisen alle Vorwürfe zurück. Doch die Haftrichter sind nicht von ihrer Unschuld überzeugt und erlassen einen Haftbefehl gegen vier der fünf Männer. Der Staatsanwalt macht klar: Die Männer sind des Terrorismus und des Verstoßes gegen das Waffengesetz verdächtig.

Nach der Festnahme von fünf Terrorverdächtigen in Dänemark und Schweden ist gegen vier der Männer Haftbefehl ergangen. Der fünfte, ein Asylbewerber aus dem Irak, kam zwar wieder auf freien Fuß, bleibt aber im Visier der Ermittler. Er soll versucht haben, in Dänemark eine Wohnung für die Verdächtigen aus Schweden anzumieten. Obwohl alle die Terrorvorwürfe zurückweisen, sind die Fahnder überzeugt, dass sie ein Blutbad in der Kopenhagener Redaktion der Zeitung "Jyllands-Posten" anrichten wollten, die 2005 die umstrittenen Mohammed-Karikaturen gedruckt hatte.

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Einer der verhafteten Männer wird zum Gericht gebracht.

(Foto: AP)

In Glostrup bei Kopenhagen verhängte ein Haftrichter vier Wochen Untersuchungshaft gegen die drei Männer aus Schweden, die am Mittwoch auf dem Weg nach Kopenhagen gefasst worden waren. Einer war in Tunesien geboren, einer im Irak, der dritte ist ein schwedischer Staatsbürger unbekannter Herkunft.

Staatsanwalt Lykke Sorensen sagte, die Männer seien des Terrorismus und des Verstoßes gegen das Waffengesetz verdächtig. Er verwies darauf, dass die Polizei bei ihnen eine Maschinenpistole und eine Handfeuerwaffe gefunden habe. Nach Einschätzung des dänischen Geheimdienstes PET wollten die aus der arabischen Welt stammenden Männer in der Zeitungsredaktion so viele Menschen wie möglich töten.

Die Verdächtigen wiesen in einer ersten Anhörung alle Anschuldigungen zurück, machten aber keine weiteren Angaben zur Sache. Am Donnerstagnachmittag erging in der Nähe von Stockholm dann auch Haftbefehl gegen den vierten Tatverdächtigen, einen 37-jährigen, in Tunesien geborenen Mann. Auf dem Profilbild seiner Facebook-Seite sei er als Krieger mit Schild und Schwert zu sehen, schrieb die Tageszeitung "Expressen".

Iraker kommt frei

Gegen den in Dänemark gefassten 26-jährigen Asylbewerber aus dem Irak hatte der dänische Geheimdienst PET dagegen keine Haft beantragt. Sprengstoff-Experten hätten seine Wohnung durchsucht und ein verdächtiges Paket sichergestellt, das sich als harmlos erwiesen habe. Der Mann bleibe aber verdächtig, teilte der Geheimdienst mit. Der jüngere Bruder des Mannes erklärte hingegen, der 26-Jährige sei komplett unschuldig. Er habe die drei Männer erst kürzlich kennengelernt, als er bei einem Kurzbesuch in Schweden auf Brautschau gewesen sei.

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Dänemarks Geheimdienstchef Scharf informiert die Presse.

(Foto: Reuters)

Die Behörden prüfen nun, ob es eine Verbindung zu den Terrorplänen gegen "Jyllands-Posten" gibt, die bereits im Oktober 2009 aufgeflogen waren. Man könne einen Zusammenhang "bestimmt nicht ausschließen", sagte PET-Chef Jakob Scharf. In den USA wurde damals der pakistanischstämmige US-Bürger David Headly gefasst, der nicht nur an der Vorbereitung der Terroranschläge im indischen Mumbai beteiligt gewesen sein soll, sondern auch an Plänen für ein Attentat auf "Jyllands-Posten".

Headley gilt laut "Spiegel" als ein Mittelsmann des pakistanischen Top-Terroristen Ilyas Kashmiri. Deutsche Sicherheitsbehörden befürchten, dass der 46-Jährige Terroristen auch für Anschläge in Deutschland rekrutiert haben könnte. Aus Angst vor einem Attentat gelten in Deutschland seit November verschärfte Sicherheitsvorkehrungen.

"Ernste Bedrohung"

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Das Redaktionsgebäude in Kopenhagen.

(Foto: dpa)

Dänemarks Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen sagte, es bestehe für sein Land eine "sehr ernste Bedrohung" durch Terroristen. Die Verdächtigen sollen in Verbindung mit internationalen Terror-Netzwerken gestanden haben.

Der Ministerpräsident sagte in Kopenhagen, ungeachtet aller Gefahren dürfe die dänische Gesellschaft aber nicht ihre Offenheit verlieren. Die Grundwerte wie Demokratie und Meinungsfreiheit müssten davon unangetastet bleiben.

Auch der Karikaturist Kurt Westergaard, der mit seinen Mohammed- Zeichnungen den Hass der Islamisten auf sich zog, mahnte Beharrlichkeit an. "Wir dürfen und werden uns Kritik am radikalen Islamismus nicht verbieten lassen. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen", sagte Westergaard der "Bild-Zeitung". Der "Jyllands-Posten"-Zeichner war vor fast genau zwölf Monaten von einem Islamisten aus Somalia überfallen und dabei fast erschlagen worden.

Die Zeitung "Jyllands-Posten" hatte 2005 zwölf Karikaturen mit dem Propheten Mohammed veröffentlicht und damit einen Proteststurm in der islamischen Welt ausgelöst. Unter anderem war der Prophet mit einer Bombe als Turban zu sehen. Vor etwa einem Jahr war ein Mann mit einer Axt ins Haus des Karikaturisten Kurt Westergaard eingedrungen.

Keine Verbindung nach Deutschland

Eine Verbindung nach Deutschland ist bislang nicht erkennbar. Die Bundesregierung geht aber davon aus, dass die Innenexperten warnen vor Terror auch hier noch nicht gebannt ist. "An der Sicherheitslage in Deutschland hat sich nichts verändert", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Stefan Paris. Außenminister Guido Westerwelle rief dazu auf, die Meinungs- und Pressefreiheit zu schützen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Extremisten unsere freiheitliche Art zu leben und zu denken untergraben."

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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