Politik

"Strukturreformen wären besser"Handwerkspräsident Dittrich kritisiert Spritpreisdebatte  

18.09.2026, 00:02 Uhr
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Nicht um strukturelle Probleme herumdrücken, mahnt Dittrich die Bundesregierung. (Foto: picture alliance / SvenSimon)

Inmitten der hitzigen Debatte über das richtige Mittel gegen hohe Spritpreise fordert Handwerkspräsident Dittrich von der Bundesregierung mehr Augenmerk auf echte Strukturreformen. Der gelernte Dachdeckermeister hat für Schwarz-Rot sehr bodenständige Ratschläge.

Politische Mittel zur Senkung des Spritpreises sollten nach Einschätzung von Handwerkspräsident Jörg Dittrich allenfalls temporär eingesetzt werden. "Wenn strukturelle Maßnahmen ausbleiben und gleichzeitig schnelles Handeln nötig ist, kann ich nachvollziehen, dass die Regierung kurzfristig beim Spritpreis ansetzt", sagte der Chef des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Dittrich mahnte gleichzeitig aber auch, dass sich die Regierung um eine Lösung der strukturellen Probleme nicht herumdrücken dürfe. 

Der Dachdeckermeister und Chef eines mittelständischen Unternehmens verwies auf die Folgen steigender Kosten für Diesel oder Benzin. "Wenn der Spritpreis zu hoch ist, fahren die Menschen zwar noch zur Tankstelle, aber um die Mehrausgaben auszugleichen, sagen sie anschließend den Friseur ab", sagte er. "Inländische Betriebe merken es sofort. Ein Familienbetrieb ist nicht irgendwann in einigen Monaten betroffen, sondern unmittelbar." Hinzu kämen die Belastungen für Betriebe mit vielen Fahrzeugen und einer hohen Kilometerleistung. 

Dittrich sprach sich für eine Senkung der Stromsteuer und der Lohnzusatzkosten aus. "Das wäre wirkungsvoller, als kurzfristig einen bestimmten Betrag zur Kompensation der hohen Spritkosten auszugeben", erklärte er. "Die eigentliche Frage ist doch: Was ist zu tun, damit die Betriebe wieder resilient und wirtschaftlich tragfähig agieren können?" 

Mangelhafter Einsatz für den Mittelstand

Mit Blick auf den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt forderte der Handwerkspräsident die Regierung in scharfen Worten zum Handeln auf. "Es reicht nicht, im Nachhinein zu erklären, warum etwas schiefgelaufen ist. Die politische Mehrheit ist da. Die schwarz-rote Regierungskoalition muss sie nutzen", sagte Dittrich dem RND. Es gebe im Bundestag eine demokratisch gewählte Gestaltungsmehrheit. "Die Erwartung der Betriebe und des Handwerks ist, dass diese Mehrheit ihre Verantwortung wahrnimmt", sagte Dittrich. Alles, was Wirtschaftswachstum und damit Perspektive schaffe, wirke gegen Angst, Populismus und Extremismus. 

"Die Menschen wollen nicht ständig erklärt bekommen, warum man sich gerade nicht einigen kann. Sie erwarten faktenbasiert Lösungen für ihre Sorgen und Probleme", sagte Dittrich. Mit Blick auf seine Branche warf der ZDH-Präsident der Politik mangelnden Einsatz vor. Es sei notwendig, immer wieder deutlich zu machen, was Handwerk und Mittelstand tatsächlich bräuchten. "In vielen Politikerreden findet das zwar inzwischen Erwähnung, aber im Regierungshandeln spiegelt sich das noch nicht genug wider."

Quelle: ntv.de, mau

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