Live-Daten von der ZapfsäuleSo reagieren Benzin und Diesel

Die geopolitische Lage führt in Deutschland zu spürbaren Verwerfungen: Die Preise für Benzin und Diesel ziehen steil an. Der weltweite Energiepreisschock trifft Verbraucher in Deutschland immer härter. Wie geht es im Herbst 2026 weiter? Die aktuellen Preise für Benzin und Diesel im Überblick.
Autofahrer müssen mit erheblichen Mehrausgaben rechnen: An den deutschen Tankstellen sind die Kraftstoffpreise seit Beginn der Angriffe im Iran kräftig gestiegen. Der vom 1. Mai bis 30. Juni geltende Tankrabatt brachte nur vorübergehende Erleichterung. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostete ein Liter Superbenzin der Sorte E10 Mitte September in der Spitze knapp 2,28 Euro - gut 53 Cent je Liter mehr als vor Beginn des Krieges in der Golf-Region. Der Liter Diesel kletterte im Tagesmittel zuletzt sogar bis auf 2,47 Euro. Damit lag der Dieselpreis um 74 Cent über dem Niveau von Ende Februar.
Wie reagieren die Kraftstoffpreise auf die geopolitische Lage? Die aktuellen Durchschnittspreise für Benzin und Diesel an deutschen Tankstellen im Tagesverlauf:
Hinweis: Die Daten zur Entwicklung der Kraftstoffpreise werden laufend aktualisiert.
Die Preise für Benzin und Diesel stehen in Deutschland unter laufender Beobachtung. Die Preisdaten der Tankstellenbetreiber werden systematisch von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) im Bundeskartellamt erfasst. Die Auswertung dieser bundesweiten Datensammlung macht alle Bewegungen an den Zapfsäulen fast im Minutentakt nachvollziehbar. Erkennbar wird, wie stark sich die Preise für Benzin der Sorten E5 und E10 sowie für Diesel im bundesweiten Durchschnitt seit Jahresbeginn verändern.
Die Verwerfungen sind groß, der Ausblick bleibt weiter unsicher: Ein gutes halbes Jahr nach Kriegsbeginn befinden sich die USA und der Iran weiter im Kriegszustand. Die für Ölexporte wichtige Schifffahrtswege durch die Straße von Hormus sind weiterhin nicht frei befahrbar. Eine vorübergehend ausgerufene Waffenruhe mündete erneut in wechselseitigen Beschuss. In dem Konflikt zeichnet sich vorerst keine rasche Lösung ab.
An den Börsen beobachten Analysten zudem die Preisentwicklung beim Rohöl. Für den europäischen Markt spielen hier insbesondere die Notierungen der Nordseesorte Brent die wichtigste Rolle. Seit Beginn des Iran-Krieges befindet sich der Ölhandel weltweit im Ausnahmezustand.
Die Blockade der Straße von Hormus schaltete ab März schlagartig rund ein Viertel des globalen Ölnachschubs auf dem Seeweg aus. Insbesondere die auf Rohöl aus dem Iran angewiesenen Importnationen wie Südkorea, Japan und auch China suchen seitdem nach Alternativen, um ihren Ölbedarf zu decken. Die kriegsbedingten Engpässe wirken sich längst auch auf die Versorgungssituation in Europa aus.
Russland fällt als möglicher Rohstofflieferant weitgehend aus. Die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine werden seit dem Sommer verstärkt auch im russischen Hinterland immer deutlicher sichtbar. Russland verbraucht im Krieg nicht nur Unmengen wertvoller Ressourcen.
Die ukrainischen Drohnenangriffe gegen russische Raffinerien schränken die Rohlverarbeitung massiv ein. Gezielte Schläge gegen die russischen Exportkapazitäten treffen direkt die wichtigste Einnahmequelle der russischen Kriegsmaschinerie - und indirekt auch die Exportkapazitäten.
In der Golf-Region suchen Exportnationen wie Saudi-Arabien unterdessen fieberhaft nach neuen Transportrouten. Die wichtigste Alternative zur Straße von Hormus war bis zum Gerbst die saudische Ost-West-Pipeline, die vom Persischen Golf zur Westküste des Landes am Roten Meer führt. Doch auch der Weg über Land ist vor den Kriegswirren nicht sicher.
Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen drangen im Jemen zuletzt weiter vor und eroberten die Küste an der Einfahrt ins Rote Meer. Am 12. September schlugen Angriffsdrohnen der Huthis zudem in einer Pumpstation der saudischen Ost-West-Pipeline ein. Damit hat der Iran-Krieg indirekt auch die Rohöl-Lieferungen aus Saudi-Arabien über den Landweg erreicht.
Die Lage am Persischen Golf bleibt fragil, die Nervosität hält an: Die wechselseitigen Drohnungen schüren die Sorge, dass der Krieg gegen den Iran womöglich noch Monate andauern könnte. Die Ausweitung des Iran-Kriegs mit Bildern brennender Raffinerien in Katar, den Emiraten und Bahrain, Drohnenangriffen auf Tanker und einer andauernden Seeblockade an der Einfahrt zum Persischen Golf haben die Rohstoffmärkte ins Chaos gestürzt.
Rohöl der Nordseesorte Brent verteuerte sich im März auf bis zu 118,35 US-Dollar je Barrel. Ein gutes halbes Jahr nach Kriegsbeginn pendelt der Preis über der 100-Dollar-Marke. Den Anstieg des Ölpreises bekommen auch Abnehmer in den USA zu spüren: Das Fass Rohöl der US-Referenzmarke West Texas Intermediate (WTI) stieg zwischenzeitlich ebenfalls deutlich. Im US-Markt stehen jedoch größere Mengen aus der heimischen Rohölförderung zur Verfügung.
Die nordamerikanischen Märkte sind damit generell weniger abhängig von Importen aus der Golf-Region. US-Präsident Donald Trump stellt zudem zusätzliche Fördermengen aus Venezuela in Aussicht. Unabhängig vom Weltmarkt sind die USA jedoch nicht: Auch dort sind die Preise an den Zapfsäulen seit dem Frühjahr deutlich gestiegen.
Indirekt führt die Verknappung am Weltmarkt zu steigenden Rohstoffpreisen - mit allen volkswirtschaftlichen Konsequenzen für Transport-, Energie und Produktionskosten. Der Gasoil-Future zum Beispiel, der als Terminkontrakt für die Region Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam die Richtung für den gesamten europäischen Diesel-Markt vorgibt, schnellte bereits in den ersten Kriegstagen steil nach oben.
Beim Gasoil-Future zeigt sich, wie eng das Netz der weltweiten Handelsbeziehungen mittlerweile verwoben ist: Die Nachfrage nach Diesel übersteigt in Europa die Produktionskapazitäten. Händler kaufen daher Diesel-Kontingente aus anderen Weltregionen an, die europäischen Raffinerien exportieren dafür Benzin.
Abgerechnet wird beim Diesel-Vorprodukt Gasoil in US-Dollar je 100 Tonnen schwefelarmes Gasoil. Binnen weniger Tage nach Kriegsbeginn kletterte die Gasoil-Notierung von einem Niveau bei rund 750 Dollar Ende Februar kräftig in die Höhe. Mitte September bewegte sich der Gasoil-Future an der International Petroleum Exchance (ICE) in London bei 1568 Dollar. Tendenzen einer Abschwächung sind hier bisher nicht in Sicht.
Dabei sind Schwankungen im Preis im Rohstoffhandel eigentlich an der Tagesordnung: Die Märkte reagieren üblicherweise selbst in alltäglichen Situationen sehr sensibel auf das Auf und Ab der Konjunkturdaten, auf politische Signale oder konkretere Absatzprognosen.
Eine Unterbrechung der Handelsströme in einem Ausmaß wie aktuell am Golf versetzt die Welt der Händler komplett ins Chaos der Ungewissheit: Wie schnell können sich die von fossilen Energieträgern abhängigen Industriestaaten anpassen? Wie reagieren Konsumenten, wie die Industrie? Wann werden die Spritpreise in Deutschland wieder dauerhaft sinken? Was heißt das für die deutsche Wirtschaft, den privaten Konsum, die Verbraucherpreise?
Der starke Preisanstieg an den Tankstellen trifft die Bevölkerung auf breiter Front. Die überwiegende Mehrheit der Fahrzeugbesitzer bekommt die Bewegungen unmittelbar beim Tanken von Benzin oder Diesel zu spüren. Nur ein Bruchteil der in Deutschland zugelassenen Pkw kommt bislang komplett ohne fossile Energieträger aus. Der Anteil der Elektro-Pkw - also der ausschließlich batteriebetriebenen Personenwagen - lag den Angaben aus dem Kraftfahrt-Bundesamt zufolge im vergangenen Jahr bei rund 3,3 Prozent.
Offen ist, wie schnell sich die Lage am Rohölmarkt selbst im Fall eines raschen Kriegsendes entspannen wird. Die mehrmonatige Unterbrechung von Transportwegen und Lieferketten hat eine tiefe Kerbe in die Logistik des Ölhandels geschlagen. Entscheidend für die weiteren Entwicklungen dürfte das Vorgehen der USA sein. Ohne eine schnelle Beendigung des Krieges dürften die Kampfhandlungen schnell wieder aufflammen.
Noch vollkommen unklar ist, ab wann die Meerenge von Hormus für die zivile Schifffahrt wieder passierbar ist. Die strategischen Reserven China, Indiens und Europas sind begrenzt. Der Ölmarkt, so sieht es aus, bleibt bis auf weiteres massiv unter Druck.