Politik

Straßenschlachten auf Tahrir-Platz Hunderte Verletzte in Kairo

Steine, Eisenstangen und Molotowcocktails: In Ägypten wird der politische Streit wieder mit Fäusten ausgetragen. Während einer Kundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo gehen Islamisten und Linke aufeinander los - 200 Demonstranten werden schwer verletzt.

Der Machtkampf zwischen Präsident Mohammed Mursi und der ägyptischen Justiz hat in Kairo zu den heftigsten Unruhen seit Mursis Wahl im Juni geführt. Anhänger und Gegner des Staatschefs lieferten sich auf dem Tahrir-Platz schwere Auseinandersetzungen. Hintergrund ist unter anderem der umstrittene Freispruch mehrerer ranghoher Beamte des gestürzten Staatschefs Husni Mubarak.

Augenzeugen zufolge eskalierten die Proteste, als Anhänger der Muslimbrüder eine Bühne zerstörten, die einer Gruppe gehörte, die Slogans gegen Mursi rief. Nach Angaben von Augenzeugen und Krankenhausärzten wurden 200 Demonstranten durch Steinwürfe und  Molotowcocktails schwer verletzt. Anhänger von Mursi schlugen mit Stöcken und Eisenstangen um sich. Nach Angaben von Augenzeugen flogen auch Steine von beiden Seiten. Die Polizei griff nicht ein. Gegner der Islamisten zündeten zwei Busse an, mit denen die Muslimbruderschaft Anhänger aus den nördlichen Provinzen nach Kairo gebracht hatte.

"Das Volk will die Säuberung der Justiz"

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Tausende Menschen waren einem Aufruf der Muslimbruderschaft gefolgt, gegen die Freisprüche von Beamten der alten Führung zu protestieren.

(Foto: AP)

Die Islamisten riefen auf dem Tahrir-Platz: "Das Volk will die Säuberung der Justiz" und "Wir lieben dich, oh Mursi". Sie trugen Bilder von Hassan al-Banna, dem Gründer der Muslimbruderschaft. Die "Revolutionsjugend" und Mitglieder verschiedener linker Parteien schrien ihnen entgegen: "Nieder mit der Herrschaft der Muslimbrüder" und "Nieder mit dem Verfassungsrat".

Hunderte Menschen waren am Freitag einem Aufruf der Muslimbruderschaft gefolgt, gegen die Freisprüche von 24 Beamten der alten Führung unter Mubarak zu protestieren. Die Beamten waren am Mittwoch von Vorwürfen freigesprochen worden, für den Tod von Demonstranten auf dem Tahrir-Platz während des Aufstands gegen Mubarak Anfang 2011 verantwortlich zu sein.

Auf dem Tahrir-Platz stießen die Mursi-Anhänger auf liberale und säkulare Gruppen, die gegen die Dominanz der Islamisten in der verfassungsgebenden Versammlung sowie gegen Mursis Regierungsstil protestierten. Die Auseinandersetzungen ließen erst am späten Abend nach, als die Islamisten sich vom Tahrir-Platz zurückzogen und vor das Büro des Generalstaatsanwalts zogen.

Mursi kündigt neuen Prozess an

Wie die amtliche Nachrichtenagentur Mena berichtete, kündigte Mursi an, die freigesprochenen Beamten erneut vor Gericht zu bringen. "Wir werden diejenigen, die Verbrechen gegen die Nation begangen haben, niemals unbeachtet lassen", sagte Mursi demnach in einer Ansprache in einer Moschee in Alexandria und fügte hinzu, die Verantwortlichen würden der Justiz vorgeführt.

Mursi hatte am Donnerstag versucht, Generalstaatsanwalt Abdel Meguid Mahmud seines Amtes zu entheben. Zuvor war Kritik an Mahmud lautgeworden, er sei wegen mangelhafter Beweisführung für den Freispruch von Mubaraks Beamten verantwortlich. Mahmud steht aus Sicht der Kritiker noch immer auf Seiten der alten Führung.

Mahmud weigert sich jedoch, sein Amt abzugeben. Der Chef-Ankläger erklärte am Freitag, er sei von Justizminister Ahmed Mekki und von Hossam al-Ghariani, dem Vorsitzenden der verfassungsgebenden Versammlung, zum Rücktritt gedrängt worden. Diese hätten ihn "direkt und indirekt bedroht". Einflussreiche Richter unterstützen Mahmud beim angestrebten Verbleib im Amt mit dem Hinweis auf die Unabhängigkeit der Justiz.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa

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