Politik

Sina Trinkwalder stellt was klar "Ich bin der Reißnagel im Arsch der SPD"

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"An einem Tisch mit Peer Steinbrück" - Sina Trinkwalder sitzt ganz rechts neben Moderator Peter Kloeppel.

(Foto: RTL / Jörg Carstensen)

In der RTL-Sendung mit Peer Steinbrück hat sie dem Kanzlerkandidaten der SPD eine 1 gegeben. Spekulationen, der Auftritt könne abgekartet gewesen sein, weist die Unternehmerin Sina Trinkwalder zurück: "Mir geht es nicht um Parteinähe, mir geht es um Inhalte."

n-tv.de: Nachdem Sie dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück bei RTL eine 1 gegeben haben, gab es Spekulationen, Ihr Sinneswandel könne inszeniert gewesen sein, weil Sie sich bereits im April gewünscht hatten, Steinbrück müsse Kanzler werden. Was ist da dran?

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Sina Trinkwalder ist Gründerin und Chefin des Textilunternehmens Manomama. Im Oktober erscheint ihr Buch "Wunder muss man selber machen" – darin erzählt sie auch, wie der Steinbrück-Besuch in ihrer Firma wirklich ablief.

(Foto: Privat)

Sina Trinkwalder: Die SPD hat damals einen Artikel veröffentlicht, nachdem Peer Steinbrück meine Firma besucht hatte, Überschrift: "Sie müssen Kanzler werden!". Das war aber nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich war es so, dass Herr Steinbrück mir bei unserem Treffen gesagt hat: "Sie haben drei Wünsche frei", und wenn er Kanzler werde, dann werde er die erfüllen. Da habe ich gesagt: "Dann wünsche ich mir, dass Sie Kanzler werden, sonst bringen mir die anderen Wünsche ja nichts."

Was waren die anderen beiden Wünsche?

Die überlege ich mir noch bis zum 22. September.

Und wie kam es dazu, dass Sie den Innovationspreis der SPD bekommen haben?

Den wollte ich eigentlich gar nicht annehmen.

Warum nicht?

1978 gab es eine Kampagne unter dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Weltwirtschaftsgipfel in Bonn. Da lautete ein Slogan: "Frau Müller kauft ein Hemd aus Ceylon, damit ihr Mann hier Arbeit hat." Das sollte heißen: Die Näherinnen in Deutschland verlieren vielleicht ihren Job, weil wir Hemden aus Sri Lanka importieren. Dafür sichern wir aber die Arbeitsplätze der Männer, die Nähmaschinen bauen. Mit dieser Haltung hat man Hunderttausende Menschen wie meine Ladys arbeitslos gemacht, indem man die Globalisierung ausgerufen hat.

Woher kannten Sie die Geschichte von Frau Müller und dem Weltwirtschaftsgipfel überhaupt?

Meine Ladys, die älteren unter ihnen, sind zu mir gekommen und haben mir das erzählt. Eine von ihnen meinte jedoch, ich solle da hingehen, einen schönen Gruß bestellen und sagen: Wir nehmen das an als Wiedergutmachung. Genau das habe ich gemacht, ich habe an diesem Abend eine Brandrede gehalten vor Frank-Walter Steinmeier und den anderen, die da saßen. Die waren nicht begeistert. Ich bin eher so der Reißnagel im Arsch der SPD.

Trotzdem haben Sie Steinbrück eine 1 gegeben.

Mir geht es nicht um Parteinähe, mir geht es um Inhalte. Was die SPD fordert, mache ich ja schon lange.

Mindestlohn bezahlen?

Die SPD fordert einen Mindestlohn von 8,50 Euro, meine Näherinnen bekommen 10 Euro und mehr. Mir ist natürlich klar, dass Steinbrück der gleiche neoliberale Wirtschaftspolitiker ist wie Helmut Schmidt oder Gerhard Schröder. Aber ich nehme ihm ab, dass er den Mindestlohn nicht nur einführen will, er steht auch wirklich dahinter. Er hat vielleicht ein bisschen gebraucht, aber er hat es verstanden.

Was halten Sie eigentlich von Bundeskanzlerin Merkel?

Ich halte Sie für eine sehr professionelle, kompetente und zielstrebige Politikerin. Aber immer, wenn etwas Radikales passiert ist, waren es die Rot-Grünen oder nur die Roten. Das war nicht immer gut, siehe Agenda 2010. Da wissen wir heute auch, dass man deutlich nachbessern muss, was Leiharbeit, Zeitarbeit und Werkverträge betrifft. Aber unter Schwarz-Gelb wäre das gar nicht passiert. Das ist nur passiert, weil Gerhard Schröder Eier hatte.

Quelle: n-tv.de

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