Politik

Salafisten-Gewalt nach "Pro-NRW"-Demo Innenminister Jäger entsetzt

Wieder einmal gelingt es den Rechtsextremen von "Pro NRW", Salafisten mit islamfeindlichen Karrikaturen gezielt zu provozieren. Bei Ausschreitungen werden 29 Polizisten verletzt, einige durch Messerstiche. Die Polizei nimmt Dutzende Menschen fest, Nordrhein-Westfalens Innenminister Jäger sieht eine bundesweite Steuerung der Aktion.

Nach neuen gewalttätigen Ausschreitungen von Salafisten hat sich Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger geschockt gezeigt. "Die systematischen Provokationen der Rechtsextremisten von Pro NRW mit islamfeindlichen Karikaturen rechtfertigen in keinster Weise diese Ausschreitungen", sagte der SPD-Politiker. "Das waren keine spontanen Angriffe, denn die Salafisten hatten zuvor intensiv bundesweit für ihre Aktion mobilisiert."

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Der Salafismus gilt als Sammelbecken für gewaltbereite Islamisten.

(Foto: dpa)

Bei den waren am Samstag in Bonn 29 Polizeibeamte verletzt worden, davon zwei durch Messerstiche. Sie wurden weiter im Krankenhaus behandelt. Lebensgefahr bestehe nicht, sagte eine Polizeisprecherin. Nach Angaben der Polizei gab es mehr als 100 Festnahmen.

Demonstranten von Pro NRW hatten vor der König-Fahd-Akademie in Bonn islamfeindliche Karikaturen gezeigt, die Veranstalter der Gegendemonstration, der Rat der Muslime, riefen ihre Teilnehmer mehrfach zu Besonnenheit auf. Dennoch konnte der Rat nicht verhindern, dass Anhänger der Salafisten die Polizei angriffen, die sich zwischen beiden Seiten postiert hatte.

Seit Tagen gezielte Provokationen

Salafismus in Deutschland
  • Die Salafisten werden in Deutschland als islamistische Bewegung seit 2010 verstärkt wahrgenommen.
  • Rund 4000 Muslime und Konvertiten zählen zu der Strömung. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes handelt es sich nicht um eine strukturierte Gruppe.
  • Salafisten pflegen einen Islam, der sich an dem orientiert, was von den frühen Muslimen überliefert ist. Dabei legen sie den Koran und die Sunna (Überlieferung der Taten des Propheten Muhammad) wörtlich aus.
  • Zentren des Salafismus in Deutschland sind Frankfurt, das Rhein-Ruhr-Gebiet, Berlin und Ulm.
  • Sicherheitsexperten unterteilen den Salafismus in zwei Strömungen: Die politische Bewegung, deren Anhänger sich formal an die Gesetze halten, sowie die dschihadistische Fraktion, deren Anhänger Gewalttaten und Anschläge als Mittel zur Durchsetzung ihrer Ideologie betrachten. Diese militante Strömung der Salafisten ist in Deutschland allerdings kaum vertreten. (rts)

Im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf versammeln sich "Pro NRW"-Unterstützer bereits seit Tagen vor Moscheen zu Demonstrationen. In Solingen war es dabei zu Gewalttätigkeiten gekommen: Als "Pro NRW"-Aktivisten Plakate mit Mohammed-Karikaturen zeigten, versuchten radikalislamische Salafisten Polizeiabsperrungen zu durchbrechen. Dabei schlugen Salafisten nach Polizeiangaben mit Stöcken auf Beamte ein und bewarfen sie mit Steinen. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hatte am Freitag mitgeteilt, Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen "Pro NRW" erstattet zu haben.

Der Salafismus ist nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ein Sammelbecken für gewaltbereite Islamisten. Er hat in Deutschland rund 2500 Anhänger. Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung. Seit Wochen machen sie in Deutschland mit der Verteilung kostenloser Koran-Exemplare von sich reden.

Bundesinnenminister hält den Salafismus für eine Keimzelle des Islamisten-Terrors in Deutschland. "Von seinen fanatischen Anhängern geht eine besondere Gefährdung für die Sicherheit Deutschlands aus", sagte er der "Bild am Sonntag". "Die Salafisten liefern die ideologische Basis für viele, die dann gewalttätig werden."

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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