Politik

USA: Nichts mehr zu gebrauchen Irak verliert altes C-Waffenlager an Isis

2014-06-20T020235Z_1440177744_GM1EA6K0QYX01_RTRMADP_3_IRAQ-SECURITY.JPG5179523892076299302.jpg

Die größte irakische Ölraffinerie war ebenfalls kurzfristig in der Hand der Isis-Rebellen, konnte aber zurückerobert werden.

REUTERS

Zunächst schreckt die Nachricht auf: Die sunnitischen Rebellen im Irak sollen ein C-Waffenlager erbeutet haben. Das belegen Mitschnitte von Überwachungskameras. Doch die USA bleiben gelassen: Das Zeug aus den 1980er-Jahren sei nicht mehr gebrauchsfähig.

Der Irak hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über ein Chemiewaffenlager an die sunnitischen Rebellen der Organisation Islamischer Staat (Isis) verloren. Der irakische UN-Botschafter erklärte in einem Brief an Generalsekretär Ban Ki Moon, über das Videosystem der Anlage habe die Regierung beim Vormarsch der Rebellen bereits am 12. Juni sehen können, wie Teile des Lagers in Muthanna nördlich der Hauptstadt Bagdad von den Extremisten geplündert worden seien. Kurz darauf sei die Videoleitung von den Aufständischen zerstört worden.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums reagierte allerdings gelassen auf die Nachricht. Man betrachte den Vorfall gegenwärtig nicht als besonders schwerwiegend, sagte der Pentagon-Sprecher. Die US-Regierung gehe davon aus, dass das in der Anlage aufbewahrte Material alt und nicht gebrauchsfähig sei.

Anlage für Senfgas und Sarin

Schon vor mehr als zwei Wochen hatte es in den USA geheißen, die Isis-Rebellen hätten den Komplex Al-Muthanna besetzt. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, erklärte daraufhin in Washington, dass die Isis nicht in der Lage sei, dort Chemiewaffen zu produzieren, weil das dort lagernde Material veraltet sei. Der Komplex liegt rund 70 Kilometer nordwestlich der irakischen Hauptstadt Bagdad.

Seit Anfang der 1980er-Jahre waren dort nach Angaben des US-Geheimdienstes CIA Chemiewaffen wie Senfgas und das Nervengas Sarin produziert worden. Während des Iran-Irak-Krieges (1980-1988) wurde das Chemiewaffenprogramm demnach ausgebaut. 1987 wurden dort laut CIA 209 Tonnen Sarin hergestellt, 1988 waren es 394 Tonnen. Den Angaben zufolge wurde die Anlage nach dem ersten Golfkrieg geschlossen.

Die Rebellen des Islamischen Staates haben bei ihrem Vormarsch weite Teile des Nordiraks eingenommen, wurden zwischenzeitlich aber wieder aus einigen Gebieten vertrieben.

Quelle: n-tv.de, ppo/rts

Mehr zum Thema