Politik

Proteste gegen Kopftuchzwang Iranische Polizei nimmt weitere Frauen fest

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So konservativ wie es das Gesetz vorschreibt, kleiden sich viele Iranerinnen lange nicht mehr - zahlreiche wollen das Kopftuch loswerden.

(Foto: imago/Kyodo News)

Als im Iran 1979 der Kopftuchzwang eingeführt wird, wehren sich viele Iranerinnen vehement dagegen. Jetzt werden im Zuge der jüngsten Proteste in dem Land diese Stimmen wieder lauter - und die Verhaftungen von Frauen zahlreicher.

Im Iran sind 29 Frauen von der Polizei festgenommen worden, weil sie gegen den Kopftuchzwang im Land protestiert haben. Die Polizei warf den Frauen laut Nachrichtenagentur Tasnim vor, sie seien in einer Propagandaaktion von Iranern im Ausland "beschwindelt" worden und hätten deswegen ihr Kopftuch abgenommen. Eine weitere Demonstrantin war bereits am Montag festgenommen worden.

Seit Ende Dezember, als es landesweit zu größeren Protesten kam, fordern immer mehr iranische Frauen eine Abschaffung der Kopftuchpflicht. Symbolisch für den Protest wurden Aufnahmen einer jungen Frau, die ihr Kopftuch wie eine Fahne an einem Stab durch die Luft schwang. Zahlreiche Frauen ahmten die Geste daraufhin nach und verbreiteten Fotos und Videos davon in den sozialen Netzwerken.

Auf der Facebook-Seite "My Stealthy Freedom" ("Meine heimliche Freiheit") sind auch gläubige Musliminnen, die das Kopftuch freiwillig tragen, ältere Frauen, Männer und angeblich auch einige Kleriker zu sehen, die sich der Protestaktion angeschlossen haben sollen.  

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Seit der Islamischen Revolution 1979 gegen den Schah und der Machtergreifung des schiitischen Klerus unter Imam Khomeini besteht für die iranischen Frauen eine ultrakonservative Kleidervorschrift: Mädchen müssen ab dem neunten Lebensjahr in der Öffentlichkeit ein Kopftuch, sowie einen langen, weiten Mantel tragen, um Haare und Körperkonturen zu verbergen. Bereits damals gingen Hunderttausende Iranerinnen gegen die neuen Freiheitsbeschränkungen auf die Straße.

Präsident Ruhani fürchtet weitere Proteste

Die aktuelle Anti-Kopftuch-Aktion wird von Beobachtern als eine zweite Welle nach den politischen und wirtschaftlichen Protesten im Land eingestuft. Die zehntägigen Proteste, die am 28. Dezember begonnen hatten, richteten sich zunächst gegen Inflation und Korruption. Dann aber wurden sie zunehmend systemkritisch bis hin zu Forderungen nach einem Regimewechsel.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat sich zwar zu den Kopftuch-Protesten noch nicht geäußert, aber die Führung des Landes aufgefordert, die Bürgerproteste ernst zu nehmen. "Wir können nichts erreichen, wenn wir die Menschen nicht hinter uns haben und ihre Kritik ignorieren", sagte der Präsident. Zwar konnte die iranische Führung die Demonstrationen beenden, aber Ruhani befürchtet weitere Proteste, falls nicht umgehend notwendige Reformen umgesetzt werden. Ruhani sorgt sich außerdem, dass die neue Generation sich sonst immer mehr vom islamischen System distanziert.

Anlässlich des bevorstehenden 39. Jahrestags der islamischen Revolution am 11. Februar erinnerte Ruhani an die damals gestürzte Monarchie. Auch die Monarchisten hätten geglaubt, sie würden auf ewig an der Macht bleiben. Am Ende hätten sie aber mit der Revolution von 1979 alles verloren, weil sie nicht auf die Stimme des Volkes gehört hätten. Dies sei eine Lehre für alle Machthaber, "sehr genau auf die Forderungen der Menschen zu hören", sagte Ruhani.

Quelle: n-tv.de, sra/dpa

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